Kommentar – Gratwanderung zwischen Corona-Kritik und Rechtspopulismus

Am Samstag fand eine Demonstration der Initiative „Limburg steht auf“ statt. Es ist eine Gratwanderung zwischen Corona-Kritik und Rechtspopulismus. Es fand eine eindeutige Überschreitung dieses Grates statt. Ein Kommentar dazu. 

Er möchte nicht rechts sein, ist kein Querdenker, ihm ist überhaupt die ganze Einordnung „links, rechts, oben, unten leid“. So äußerte sich Manfred Hübner auf der Demo „Limburg steht auf“ am Samstag in der Domstadt.

Nähe zu den Rechten vorhanden

Im gleichen Atemzug äußert er sich weiter, dass er keinen Grund habe, sich von den Querdenkern zu distanzieren, denn beide wollten sie ihre Freiheit zurück. Er spielt eine Aussage des Sängers Xavier Naidoo ein, welcher Corona-Verschwörungstheorien verbreitet. Er zitiert falsche Behauptungen zum Nachweis einer Corona-Infektion, welche von der AfD in Umlauf gebracht wurden.

Unerwähnt ließ er, dass der Corona-Verschwörer Attila Hildmann auf Telegram die Veranstaltung in Limburg bewarb. Hübner sieht sich als jemand, der hinterfragt. Seine eigenen Quellen hinterfragt er indessen nicht und möchte selbst nicht hinterfragt werden. Und er, der sich selbst nicht einordnen lassen möchte, bezeichnet die jungen Menschen, die sich gegen seine Bewegung stellen, als Antifa und alle Menschen, die nicht wie er hinterfragen, seien die eigentlichen Covidioten. Auch wirft sein Internetauftritt Fragen auf, zeigen die gewählten Farben die umgedrehte Anordnung der Deutschlandfahne und gilt häufig als Erkennungssymbol von Nationalsozialisten und Reichsbürgern.

Die Farbanordnung auf der Internetseite wirft Fragen auf

Hinweis: Nach meinem Kommentar sowie einem Kommentar eines Journalisten vom Weilburger Tageblatt wurde die Internetseite verändert und weist nun nicht mehr diese Anordnung auf. 

Demonstrationsrecht ist ein Grundrecht

Corona bestimmt seit März 2020 unser Leben, es kommt zu Einschränkungen, um die Ausbreitung des Virus zu verhindern. Nach einem Sommer mit wenigen Fällen fühlten wir uns vielleicht zu sicher, so dass die Zahlen jetzt deutlich höher sind als im Frühjahr. Nach dem erneuten Lockdown im Dezember gingen die Zahlen nicht runter, so dass es ab heute eine Verschärfung der Maßnahmen gibt. Diese Maßnahmen können gutgeheißen oder kritisiert werden. Entscheidungen können hinterfragt, der Sinn dahinter eventuell nicht gesehen werden. Doch jeder sollte dabei bedenken, dass alles dazu dienen soll, die Verbreitung des Virus einzuschränken.

Die Rufe werden laut, dass unsere Grundrechte eingeschränkt werden und die Politik die Demokratie zum Wanken bringt. Doch bei allen Einschränkungen stellt das Grundrecht weiterhin ein hohes Gut dar. Denn sonst hätte Manfred Hübner am Wochenende gar nicht zur Demonstration aufrufen können. Die Demonstrationsteilnehmer erhielten die Möglichkeit, ihre Meinung laut kundzutun. Rund 80 Personen nahmen am Samstag dieses Recht wahr, um ihren Unmut gegen die Maßnahmen zu äußern. Der Organisator möchte gegen die Allgemeinverfügung des Landkreises klagen, welche besagt, dass Menschen aus dem Landkreis ohne triftigen Grund sich nur in einem Radius von 15 Kilometern bewegen dürfen. Er wies darauf hin, dass er Corona nicht leugnen und verharmlosen würde, aber die bisherigen Maßnahmen der Bundesregierung hätten zu nichts geführt. Alle getroffenen Maßnahmen empfinde er als zu willkürlich. Er sei Teil einer freiheitlich-ökologischen Bewegung, welche den Dialog suche.

Aufruf gegen Politiker

Jedoch bleibt er nicht dabei, nur die Maßnahmen sachlich zu kritisieren. Der Landrat Michael Köberle müsse zurücktreten, Merkel müsse weg, denn sie legen die Bürger an die „Corona-Leine“. Mit dem Aufruf gegen die Politiker und der rechten Nähe ist eine Distanzierung zu dieser Initiative empfohlen.
Seine Social-Media-Kanäle nutzt er ebenfalls für seine Kritik. In einem Facebook-Post verglich Manfred Hübner die Impfaktionen in den Senioren- und Pflegeeinrichtungen mit Euthanasieverbrechen im 3. Reich. Impfkommandos würden in fragwürdiger Weise die Impfentscheidung forcieren. Der Staat isoliere die Menschen, die eigentlich einen besonderen Schutz benötigen, und erpresse die Impfungen mit einem ungetesteten Impfstoff.

Auf der Demo tat er seine Meinung kund, dass die Menschen in den Einrichtungen nicht an Covid sterben würden, sondern an Vereinsamung. Und statt sie zu impfen, sollte man mit ihnen spazieren gehen, damit sie Vitamin D tanken könnten. In Gesprächen mit der Leiterin des Impfzentrums zeigte sich, dass einiges an Aufwand dazu gehört, bevor jemand geimpft wird. Ohne ärztliche Aufklärung und unterschreiben einer Einverständniserklärung wird niemand geimpft. Zudem zeigen die Impfquoten von 70 Prozent, dass es auch Menschen gibt, dies sich gegen eine Impfung entscheiden (Mehr zum Thema Impfen und Impfzentrum im Landkreis)

Maßnahmen hinterfragen, nicht mit allem einverstanden sein und sich kritisch zu äußern, sind Bestandteile, welche zur freien Meinungsäußerung gehören. Auch ich bin der Meinung, dass eine kritische Betrachtung der Handhabung der Pandemie angeraten sind, wenn diese überstanden ist. Nur so können wir besser gerüstet sein, wenn eventuell die Gesellschaft vor der Konfrontation mit einer neuen Krisensituation steht. Aber wenn diese Kritik und Meinungsäußerung diese Nähe zu rechtem Gedankengut hat, dann ist dieser schmale Grat zwischen Corona-Kritik und Rechtspopulismus eindeutig überschritten und dieser Bewegung sollte kein Gehör geschenkt werden. Denn rechtes Gedankengut untergräbt die Demokratie.

Die Grüne Jugend Limburg-Weilburg distanziert sich ebenfalls von der Versammlung von „Limburg steht auf“

 

Heike Lachnit

Ich bin freie Lokaljournalistin in der Region um Limburg. Auf HL-Journal schreibe ich über die Themen, die nicht immer in der Zeitung Platz haben oder die mir am Herzen liegen.

7 thoughts on “Kommentar – Gratwanderung zwischen Corona-Kritik und Rechtspopulismus

  • 3. März 2021 um 15:52
    Permalink

    Zum Kommentar Gratwanderung zwischen Coronakritik und Rechtspopulismus.

    Sehr geehrte Frau Lachnit,

    ich habe mir auf Grund Ihres Kommentars die Internetseite der Initiative angeschaut und konnte nirgendwo feststellen , dass die von Ihnen dargestellte Anordnung (umgedrehte Deutschlandfahne) vorhanden war. Zwar werden die gezeigten Farben verwendet, was grundsätzlich sicher nicht verwerflich ist, aber niemals in dieser Anordnung. Nun stelle ich mir die Frage, ob Sie die Anordnung in dieser Form hergestellt haben um dies als Indiz dafür zu verwenden, dass die Bürgerinitiative rechtsnational angehaucht ist ? Wenn das so wäre finde ich das absolut perfide. Vielleicht habe ich ja auch etwas übersehen? Dann bitte zeigen Sie mir die obige Anordnung im Internetauftritt.

    Vielen Dank

    Gabriele B

    Antwort
    • 3. März 2021 um 16:34
      Permalink

      Sehr geehrte Kommentatorin

      ihre Unterstellung finde ich perfide und verbitte ich mir. Nach meinem Kommentar sowie einem Kommentar eines weiteren Journalisten auf Mittelhessen (https://www.mittelhessen.de/lokales/limburg-weilburg/limburg/kommentar-zu-limburg-steht-auf-demo-demaskiert_22973635) wurde die Internetseite verändert.
      Auch habe ich nie gesagt, dass die Bürgerinitiative rechts angehaucht ist. Ich habe gesagt, es wird gefährlich, wenn man sich rechter Quellen bedient. Ich wüßte nicht, warum ich etwas konstruieren soll.

      Freundliche Grüße
      Heike Lachnit

      Antwort
    • 3. März 2021 um 16:54
      Permalink

      Sehr geehrte Gabriele B,

      ich muss mich da Frau Lachnit anschließen. Herr Hübner hatte nach diesem Artikel seine Weebpräsenz komplett umgestaltet. Es gibt über den Herrn Hübner und auch seine erste Webpräsenz genügend Artikel von der lokalen Medienwelt , sowie auch Bilder / Screenshots im Netz oder diversen Internet-Plattformen. Die Nähe zu Rechtspopulisten, Reichsbürgern & Querdenkern ist mittlerweile durch gute Recherchearbeit lokaler virtueller Plattformen mehrfach belegt und es kommen jeden Tag neue Fakten hinzu. Als Initiator und Agitator der Initiative „Limburg steht auf!“ versteht er es gut Menschen zu manipulieren und die krudesten Anhänger aus der Querdenker , Reichsbürger, Spirituellen, Rechtsalternativen und Radikal-Rechten-Szene zu vereinen. Dies ist medial in verschiedenster Form belegbar.Des Weiteren ist Herr Hübner auch als wirscher Kommentator bekannt, der gerne seine Kritiker medial blockt und sperrt. Ich hatte auch schon des öfteren mit dieser Person virtuell zu tun. Sobald er sich selbst in einem Diskurs an die Wand gefahren hat, wird geschmollt , getreten und geschlagen.

      Gruß

      Oliver H.

      Antwort
  • 3. März 2021 um 19:46
    Permalink

    Sehr geehrte Frau Lachnit,
    vielen Dank für Ihre Antwort. Folgendes möchte ich hierzu ergänzen:
    Die Freiheit wie ICH etwas finde, können Sie sich nicht verbitten. Hierbei handelt es sich nicht um eine Unterstellung sondern um meine persönlichen Gedanken, die ich als solche formuliert und eben durch den Ausdruck „finde ich“ als meine persönliche Sichtweise gekennzeichnet habe.
    Darüber hinaus habe ich meinen Kommentar aus Datenschutzgründen nicht mit meinem vollen Nachnamen unterschrieben. Dass Sie (m)einen Nachnamen aus der angegebenen nicht öffentlichen Mailadresse rekonstruieren und in Ihrer Anrede ungefragt öffentlich machen verstößt gegen mein Recht auf informationelle Selbstbestimmung und den Datenschutz.
    @ Oliver H. Sehr geehrter Herr H.
    vielen Dank für die Informationen. Mein Anliegen ist lediglich dass Fakten nicht verdreht und manipuliert werden. Was in diesen Tagen leider allzu oft passiert. Insofern die Internetpräsenz von Herrn Hübner tatächlich so aussah wie von Frau Lachnit dargestellt, kann man sich selbstverständlich kritisch damit auseinandersetzen.
    Grüße
    Gabriele B.

    Antwort
    • 3. März 2021 um 19:52
      Permalink

      Ich habe es geändert und entschuldige mich.

      Ich bin freie Journalistin und arbeite nach dem Pressekodex. Und mir dann zu unterstellen, ich würde etwas manipulieren, finde ich eben ungeheuerlich. Das sind ganz andere Strömungen, die manipulieren, Fakten verdrehen und sich ihre eigene Welt malen.
      Wenn Sie meine Arbeit kennen würden, würden Sie wissen, dass ich dazu nicht zähle.

      Freundliche Grüße

      Antwort
  • 4. März 2021 um 7:15
    Permalink

    Sehr geehrte Frau Lachnit,
    vielen Dank für die Änderung.
    Ich habe den Eindruck, dass Sie sich von mir persönlich angegriffen fühlen. Davon möchte ich mich deutlich distanzieren. Der Anlass meines Kommentars zu Ihrem war der, dass ich auf der Webseite des Herrn Hübner nicht die von Ihnen dargestellte Anordnung der Deutschlandfarben fand, deshalb musste ich zunächst davon ausgehen, dass Sie Tatsachen anders darstellen als sie sind, um eine entsprechende Meinung zu generieren. In Ihrer Antwort auf meinen Kommentar berichten sowohl Sie als auch Herr Oliver H. , dass Herr Hübner diese Darstellung zwischenzeitlich geändert habe (also war sie vorher da wie von Ihnen gezeigt…!?), was ich nicht überprüfen kann, sondern zunächst einmal einfach glaube.
    Dass derzeit in unserer Presselandschaft und im Netz Tatsachen verdreht, verzerrt und geframt werden und damit manipulierend wirken ist -egal um welche Strömung es sich handelt- an der Tagesordnung und sehr sehr traurig. Mit Ihrer speziellen Arbeit habe ich mich nicht beschäftigt. Ich bin lediglich über Ihren Kommentar und hier im besonderen „Auch wirft sein Internetauftritt Fragen auf, zeigen die gewählten Farben die umgedrehte Anordnung der Deutschlandfahne und gilt häufig als Erkennungssymbol von Nationalsozialisten und Reichsbürgern.“ gestolpert. Wennn Sie als freie Journalistin öffentlich kommentieren müssen Sie damit rechnen, dass das was Sie schreiben hinterfragt oder auch bewertet wird, dass ist dann eben meine Meinungsfreiheit.

    Ich wünsche Ihnen alles Gute

    Gabriele B.

    Antwort
    • 4. März 2021 um 7:34
      Permalink

      Sie beruhen sich auf ihre Meinung, wollen „nur“ hinterfragen und dennoch ziehen Sie meine Arbeit in Misskredit. Ja, ich fühle mich dadurch angegriffen. Ich habe kein Problem damit, dass meine Artikel hinterfragt werden oder darüber diskutiert wird. Dafür stehe ich gerne bereit.
      Ich habe jedoch ein Problem damit, dass Sie meine Arbeit nicht kennen und dennoch in den Raum stellen, dass ich zur der von ihnen kritisierten Presselandschaft gehöre, welche „derzeit Tatsachen verdreht, verzerrt und geframt werden und damit manipulierend wirken ist -egal um welche Strömung es sich handelt- an der Tagesordnung und sehr sehr traurig.“
      Genau dafür stehe ich nicht! Dies ist etwas, was ich auch anprangere. Und sind wir mal ehrlich – diese Methoden des Diskreditierens, des Falschbehauptens, aus dem Zusammenhang reißen und in anderem Kontext darstellen, sind genau die Methoden, welcher sich manche Strömungen bedienen.

      Und damit ist für mich die Diskussion beendet!

      Antwort

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