Kommentar: Kostenlose Bildung für Kinder von Anfang an

In Elz läuft gerade ein trauriges Spiel. Ein Mehrheitsbeschluss der Gemeindevertretung besagt, dass der Kindergarten für alle Kinder kostenfrei zur Verfügung stehen soll. Und statt über die Kriterien zur Vergabe der Plätze im Ausschuss zu sprechen, stößt die CDU erneute eine Debatte an, ob dieser Weg der richtige ist. Seit Jahren setzt sich die SPD für kostenfreie Kita-Plätze ein und die CDU konnte dies mit absoluter Mehrheit immer verhindern. Mittlerweile haben sich die Mehrheitsverhältnisse geändert, der Beschluss ist da und dennoch wird auf eine sehr unschöne Art und Weise darüber diskutiert. Doch die Kritiker kostenfreier Kitas sollten bei all ihrer Argumentation bedenken, dass dies nun mal Demokratie ist.

Gleiche Bildungschancen

Man fragt sich schon, warum in den Ausschuss nur jemand eingeladen wird, der gegen den kostenfreien Kitabesuch ist? Warum niemanden einladen, der dies seit Jahren praktiziert und diese Seite der Medaille aufzeigen kann, wie den Löhnberger Bürgermeister? „Was nichts kostet, ist nichts wert“ lässt die CDU immer wieder wie ein Mantra verlautbaren. Doch dies ist der falsche Ansatz zu diesem Thema. Zudem bezieht sich die CDU wiederholt darauf, dass bereits jetzt sieben Stunden kostenfrei seien sowie das Vorschuljahr. Es gehe lediglich um 40 Euro für die Ganztagsbetreuung, die bei Bedarf jeder zahlen könne. Für die einen ist dies vielleicht nur ein kleines Taschengeld, die anderen arbeiten dafür einen halben Tag.

Kinder haben ein Recht auf gleiche Bildungschancen von Anfang an. Die Geldbörse der Eltern darf nicht ausschlaggebend für den Besuch der Kita sein. Die Kinder der verschiedenen sozialen sowie gesellschaftlichen Schichten können davon nur profitieren. Sie kommen ins Miteinander, agieren zusammen. Das gemeinsame Spielen und die Interaktionen mit den Erwachsenen schult soziale Kompetenzen. Dies ist eine wichtige Funktion. Für manche Kinder ermöglicht die Ganztagsbetreuung ein regelmäßiges warmes Mittagessen. Und sie können alle gleich von den Angeboten profitieren und startet somit mit den gleichen Chancen in der Schule.

Veränderten Gesellschaft begegnen

Zudem muss man bedenken, dass sich die Gesellschaft geändert hat. Als die Einrichtungen in Elz errichtet wurden, waren die Anforderungen noch andere. Die Mütter waren zu Hause, brachten die Kinder vormittags in die Kita und holten sie mittags ab. Erst in den letzten Jahren wurden die Möglichkeiten ausgebaut wie U3-Betreuung und mehr Ganztagsbetreuung. Doch dafür fehlen die räumlichen Begebenheiten wie ein Essensraum oder Mittagsschlafmöglichkeiten. Daran möchte niemand rühren. Doch die Eltern sind auf gute Betreuungsmöglichkeiten angewiesen, denn heute müssen beide Elternteile arbeiten gehen, um sich ihr Leben leisten zu können. Und so kommt ein weiterer Aspekt bei dem Thema hinzu, der Aspekt der Geschlechtergleichheit. Wenn „es nicht passt“, bleiben eher die Frauen zu Hause als die Männer. Dies wiederum hat nicht nur Auswirkungen auf die Karriere, sondern über das Gehalt bis hin zur Rente. Diesen Wandel der Gesellschaft kann man nicht begegnen, indem man im ewig gestrigen verharrt.

Eine Investition in die Kitas ist daher eine Investition in unsere Zukunft. Und anstatt darüber zu diskutieren, dass eine kostenlose Kita nichts wert sei, sollte man doch lieber darüber diskutieren, wie das Angebot in Zukunft für alle zugänglich gemacht werden kann.

Siehe dazu auch „Kinder für die Zukunft stärken“ sowie den Artikel in der Nassauischen Neuen Presse vom 10.Februar „Wer soll einen kostenfreien Kita-Platz haben?“

Am heutigen Montagabend ist Gemeindevertretersitzung in Elz und dieses nur ein Thema. Die Tagesordnung findet ihr im Ratsinformationssystem.

 

 

 

Heike Lachnit

Ich bin freie Lokaljournalistin in der Region um Limburg. Auf HL-Journal schreibe ich über die Themen, die nicht immer in der Zeitung Platz haben oder die mir am Herzen liegen.

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