Kommentar zur Wahl: Warum in die Ferne schauen?

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Am 28. Oktober wählen wir nicht nur einen neuen Landtag in Hessen, sondern auch einen neuen Landrat für Limburg-Weilburg. Wenn ich im Vorfeld mit Menschen ins Gespräch komme, höre ich sehr oft „Ich warte mal die Wahl in Bayern ab“ oder „Was die in Berlin machen, stinkt mir.“

Doch sind wir mal ehrlich. Was bringt es, am Sonntag nach Bayern zu schauen und seine eigene Wahl von dem Ergebnis im südlichen Nachbarstaat abhängig zu machen? Was hat das Ergebnis der Wahl mit Hessen zu tun? Wir haben 16 Bundesländern mit jeweils anderen Koalitionen. Also warum soll das Bayern-Ergebnis für uns in Hessen von Bedeutung sein?

Das Ergebnis in Bayern hat keinen Einfluss darauf, wie es in Hessen nach der Wahl weiter geht. Nicht die bayerischen Parteien bestimmen, wie viele Stellen für Lehrer und Polizisten geschaffen werden. Es sind auch nicht die bayerischen Parteien, die sich um die Infrastruktur in Hessen kümmern oder die Digitalisierung voranbringen.
Das Wahlergebnis am 14. Oktober in Bayern ist für den Hessischen Landtag genauso entscheidend wie die Kammerwahl in Luxemburg, welche ebenfalls am Sonntag stattfindet.
Ich kann den Ärger und die Politikverdrossenheit verstehen bei den fast täglich erscheinenden Nachrichten aus Berlin mit der Zerrissenheit in der Koalition sowie immer neuen Botschaften, bei denen man nur den Kopf schütteln kann.

Informieren vor Ort

Aber was hat dies bitte mit der Wahl des Landrates zu tun? Auch wenn dies manchen nicht bewusst ist, so werden auch auf Landkreis-Ebene viele Entscheidungen getroffen, die uns direkt betreffen wie die Ausstattung der Schulen, wann sie renoviert oder saniert werden. Im Landkreis wird auch durch finanzielle Mittel die Entscheidung getroffen, wie viel Unterrichtseinheiten z.B. an Schwimmunterricht den Kindern angeboten werden können. Die Verwaltung des Landkreises ist demnach eigenverantwortlich zuständig für die Aufgaben als Schulträger. Zudem fallen in diesen Bereich die Verwaltung des öffentlichen Personenverkehrs, der Abfallwirtschaft sowie des Kreiskrankenhauses in Weilburg . Weiterhin ist die Kreisverwaltung eine staatliche Verwaltungsbehörde, welche sich um Aufgaben in der Kommunalaufsicht, dem Umweltschutz, der Lebensmittelüberwachung oder im Veterinärwesen kümmert. Der Kreisverwaltung steht der Landrat vor, der oberste Kommunalbeamte. Dieses Amt hat viele Jahre Manfred Michel ausgeübt, doch nun wird ein neuer Landrat gewählt.

Warum also in die Ferne schweifen, um bei der Wahl eine Entscheidung zu treffen, die unser Land und unseren Landkreis betrifft? Ein Markus Söder (CSU) wird kein Ohr dafür haben, ob die B8 mit Verkehr überlastet ist oder nicht. Ob sich SPD, CSU und CDU wieder streiten, wird keinen Einfluss darauf haben, welche Kreisstraßen in den nächsten Jahren saniert werden. Also schaut nicht in die Ferne, sondern vor Ort. Nehmt die Möglichkeit wahr, euch mit den Kandidaten für den Landtag und den Landrat auseinanderzusetzen. Informiert euch über sie oder stellt ihnen eure Fragen. Gelegenheit gibt es dafür reichlich, denn sie sind viel in der Region unterwegs. Aber lasst euch nicht beeinflussen von Dingen, die mit Hessen und dem Landkreis nichts zu tun haben.


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Heike Lachnit

Ich bin freie Lokaljournalistin in der Region um Limburg. Auf HL-Journal schreibe ich über die Themen, die nicht immer in der Zeitung Platz haben oder die mir am Herzen liegen.

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