Kritik an der Investition in sechs Wehre in der Lahn

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Ende Februar stellte das Bundesverkehrsministerium seinen Investitionsrahmenplan bis zum Jahr 2023 vor. Darin vorgesehen ist die Investition von 60 Millionen Euro in die Erneuerung der Wehre in der Lahn auf rheinland-pfälzischer Seite. Die Interessengemeinschaft Lahn, kurz IG Lahn genannt sowie Fischereiverbände aus Hessen und Rheinland-Pfalz kritisieren diese Pläne massiv.

Diese Investitionen widersprechen den Zielen des Life-Projektes Living-Lahn (LiLa Lahn), welches ein durchgängiges Gewässer ohne Wanderhindernisse schaffen möchte. Bis ins 18. Jahrhundert war die Lahn mit Lachs besiedelt. Seit 1993 gibt es ein Wiederansiedlungsprogramm. Lachsrückkehrer gibt es, doch bis heute haben sie nicht die Möglichkeit, sich eigenständig zu reproduzieren und benötigen die Unterstützung der Fischereiverbände. Neben der Durchgängigkeit des Gewässers beeinflussen die Wehre auch die Wasserqualität der Lahn.

Lahn als „Lebensader“ in der Region

„Wir, die IG-Lahn und Fischerverbände Hessen und Rheinland-Pfalz mit zusammen etwa 100.000 Mitgliedern, werden gemeinsam mit allen vernünftigen Menschen entlang der Lahn, die sich für Ökologie, den Natur- und Artenschutz einsetzen, gegen diesen unsinnigen, 60 Millionen teuren Neubau von Wehren auf allen Ebenen vorgehen“, so Winfried Klein, Vorsitzender der IG-Lahn in einer Pressemitteilung.

Die Lahn als „Lebensader der Landschaft“ im Lahntal prägt das Leben vor Ort und es sollten nicht nur die Interessen einiger weniger wie den Motorboot-  und Yachtbesitzern, den Tourismusverbänden und den Energieerzeugern vertreten werden. Vielmehr gehe es darum, die Lahn mit ihrem Artenreichtum wieder zu einer guten Struktur und Durchlässigkeit zu verhelfen, indem die EU-Wasserrahmenrichtlinie umgesetzt werden. Bereits bis 2015 sollte dies schon geschehen. Ziele waren dabei eine gute Wasserqualität, eine gute Gewässerstruktur, die Durhgängigkeit auf- und abwärts gerichtet sowie insgesamt ein guter ökologischer Zustand. Weitere Forderungen sind die Beseitigung der touristischen Übernutzung. Eine reine auf Muskelkraft betriebene Nutzung sei ausreichend.

„Leider ist bis heute im Rahmen der EU-Wasserrahmenrichtlinie nichts umgesetzt worden“, so in einem Schreiben des Verbandes Hessischer Fischer und der IG-Lahn, „wir fordern die Bundesländer Rheinland-Pfalz und Hessen auf, das versäumte nachzuholen!“ Sie setzen sich dafür ein, dass die Lahn nicht weiterhin als Bundeswasserstraße erhalten bleibt.

Falsche Zahlen für den Tourismus?

Thema bei den Betrachtungen ist immer wieder der Tourismus. Zahlen suggerieren, dass viel Geld dem Tourismus verloren geht, wenn die Lahn keine Bundeswasserstraße mehr ist. In ihrem Schreiben weisen die Verbände jedoch darauf hin, dass die Tourismuszahlen unter falschen Bedingungen erhoben werden. So fließen in die Zahl der Übernachtungen ebenfalls die Aufenthalte in den Kur- und Rehakliniken in der Region wie Bad Camberg oder Braunfels mit hinein. Dem Lahntourismus werden somit Zahlen hinzugefügt, welche mit dem Lahntourismus selbst gar nichts zu tun haben. Zudem habe das Land Hessen Angst, dass es die Unterhaltungskosten des Gewässers tragen müsste, wenn es von einer Bundeswasserstraße in eine Wasserstraße 1. Ordnung oder Nebenwasserstraße herabgestuft werden würde. Bei all dem sollte bedacht werden, so die Verbände, dass die Schifffahrt seit 1981 offiziell eingestellt ist. Und da ist die Frage, ob der Status Bundeswasserstraße für einige Motorboote und zwei kleine Ausflugsschiffe aufrecht erhalten bleiben sollte.

Wasserqualität und Durchlässigkeit

Wenn jetzt Gelder in die Sanierung der Wehre fließt, widerspricht dies den Zielen der Durchlässigkeit und der Wasserqualität. Durch die Wehre findet kein freies fließen der Lahn statt. In dem stehenden Wasser kann es leicht zu einer Massenalgenbildung kommen. Die Algen entziehen dem Wasser Kohlensäure und der pH-Wert steigt an. Es wurden in Runkel schon pH-Werte >10 gemessen. Dies führt dazu, dass harmloses Ammonium (u.a. ein Stoffwechselprodukt der Fische) in toxisches Ammoniak umgewandelt wird. Dies kann immer wieder in der Lahn bei längerer, intensiver Sonneneinstrahlung beobachtet werden. Weiterhin produzieren die Algen Sauerstoff und führen zu einer bis zu 280prozentigen Sauerstoffübersättigung. Diese wiederum ist toxisch für die Fische und führt beispielsweise zu verbrannten Kiemen.

Am Ufer senkt sich Faulschlamm ab, den die Motorboote aufwirbeln. Dieser legt sich wiederum auf die Laichprodukte von Fischen und Amphibien und lässt sie absterben. Alleine durch die Beseitigung der Wehre sowie die Aufhebung der Stauung erhält das Wasser wieder eine bessere Wasserqualität. Zusätzlich dazu sollte das Gewässer renaturiert und in einen ursprünglichen Zustand gebracht werden. Gegen die Wasserkraftwerke, welche an der Lahn betrieben werden, setzen sich die Verbände schon länger ein. Es laufen Wasserwerke mit rund 20 MW Leistung, die bei rund 4000 Volllaststunden rund 80 MVh/a betragen. „Der durch Wasserkraft angerichtete ökologische Schaden am Gewässer und die tierschutzwidrigen Fischschäden stehen in keinem Verhältnis zu der Stromausbeute“, so die Verbände in ihrem Schreiben.

„Wir fordern die strikte Umsetzung der EU-Wasserrahmenrichtlinie, denn nur so können die gesamteuropäischen Ziele und Vorgaben erfolgreich umgesetzt und die Gewässer in den gewünschten Zustand versetzt werden“, so die Verbände weiter. Und nur dann ist es auch möglich, dass die Lahn wieder Lachsgewässer wird und sich die Lachse erfolgreich in der Lahn fortpflanzen können.

Begrüßung der Investitionen

Während die Verbände Sturm laufen und die Pläne des Bundes kritisieren, gibt es auch Politiker, welche diese Investitionen begrüßen. Dazu zählt die SPD-Abgeordnete für den Rhein-Lahn-Kreis, Gabi Weber. Planung und Schaffung von Baurecht müssten ihrer Meinung nach jetzt weiter vorangetrieben werden. Sie setzt sich dafür ein, die Lahn als Bundeswasserstraße und touristisches Naherholungsgebiet zu erhalten. (Quelle Homepage der Abgeordneten)


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Heike Lachnit

Ich bin freie Lokaljournalistin in der Region um Limburg. Auf HL-Journal schreibe ich über die Themen, die nicht immer in der Zeitung Platz haben oder die mir am Herzen liegen.

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