Krötenwanderung: Vorschulkinder helfen Kröten über die Straße

Die Krötenwanderung ist im vollen Gange. Aus dem Wald hüpfen die Kröten zu ihrem Geburtstümpel, um dort Hochzeit zu feiern. Doch vor dem Tümpel liegt eine Straße. Und damit die langsamen Kröten auf der Straße nicht überfahren werden, helfen jedes Jahr die Vorschulkinder aus Elz den Kröten beim Überqueren der Straße.

30 Kinder stehen erwartungsvoll um den Daniel Mörsdorf, Revierförster der Gemeinde Elz, und lauschen gespannt seinen Ausführungen. Dabei beobachten sie genau, was in seiner Hand passiert. Denn in dieser hält Daniel Mörsdorf eine braune, kleine Kröte, die leise Protesttöne von sich gibt.

Krötenwanderung zum Geburtsteich

Jedes Jahr im Frühjahr setzt die Krötenwanderung ein, wenn die Kröten zum Teich wollen, um Hochzeit zu feiern und abzulaichen. Eine Woche verbringen sie am Teich. Danach wandern sie zurück in den Wald. Da es in den letzten Tagen sehr warm war, fand die Hochzeit bereits statt und im Elzer Wald befinden sich die Kröten schon wieder auf dem Rückweg. Hilfe brauchen die Tiere, weil sie sehr langsam sind. „Die krabbeln mehr als das sie hüpfen“, so Daniel Mörsdorf. Durch die fehlende Schnelligkeit ist die Straße eine große Gefahr.

400 Meter Krötenzaun

Bei den Angelteichen Richtung Niedererbach sind beidseitig der Straße rund 400 Meter Krötenzaun aufgestellt, damit die Kröten nicht über die Straße können. „Der Drang, zum Wasser zu kommen und wieder zurück, ist aber so groß, dass die Kröten am Zaun entlang krabbeln auf der Suche nach einem Loch“, so Mörsdorf. In Abständen von 20 bis 25 Metern stehen Eimer, in welche die Kröten hineinfallen und nicht mehr hinauskönnen. Diese Eimer werden abgelaufen. Daniel Mörsdorf gibt jedem Kind eine Kröte in die Hand und diese tragen diese auf die andere Straßenseite, wo sie hinter dem Zaun in die Böschung gesetzt werden. Nicht jedes Kind mag direkt beherzt zupacken, manche haben Handschuhe an. Doch nach dem ersten Transport lachen die meisten. Manche Kröten sind nass, manche voller Erde. Aber in der Hand fühlen sie sich einfach nur lustig an.

Bevor es richtig los geht, nimmt er den Kindern die Angst vor den Kröten. „Die strampeln ein wenig oder quietschen, sonst machen sie nichts“, erklärt er. Wichtig beim Tragen der Kröten ist, dass die Hände eine Höhle um die Kröte bilden, wo der Kopf hinausschaut, damit die Tiere Luft bekommen. Auf dem Hinweg der Krötenwanderung ist mehr los als auf dem Rückweg. Die kleineren Männchen suchen sich recht früh ein Weibchen und krallen sich auf deren Rücken fest. Die Kinder haben Glück, dass auch an diesem Tag noch ein Pärchen unterwegs ist und der Förster ihnen den Huckepack-Transport zeigen kann. Er erzählt den Kindern, dass auf ein Weibchen rund zehn Männchen kommen.

Bis zu 900 Tiere am Tag

Letztes Jahr war ein Rekordjahr. Da wurden über 5.000 Kröten über die Straße transportiert. An einem Gurt hat Mörsdorf einen Zähler, auf den er drückt, wenn er die Kröten durchzählt. Bereits einen Tag vorher transportierte er mit den Vorschulkindern rund 900 Tiere über die Straße. „Die Zahlen sind witterungsabhängig und können von Jahr zu Jahr um 1000 Tiere variieren“, erzählt er. Aber insgesamt steigen die Zahlen an. Als er vor zehn Jahren anfing, wurden gerade mal 800 Tiere insgesamt transportiert. „Die Aktion lohnt sich auf alle Fälle.“ Jeden Morgen läuft er die Zäune ab, denn die Zeit im Eimer bedeutet für die Tiere großen Stress. Zudem kann die Sonne tagsüber gefährlich werden. Dies passt, da die Tiere nachts wandern und sich tagsüber in den Waldboden eingraben.

Die Vorschulkinder aller drei Kindergärten in Elz beteiligen sich jedes Jahr an der Aktion und helfen den Kröten beim Überqueren der Straße. Unterstützt wurde Daniel Mörsdorf von Markus Schmidt von der Gemeinde Elz, der die Straße mit sicherte, damit diese ohne Gefahr überquert werden konnte.

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Heike Lachnit

Ich bin freie Lokaljournalistin in der Region um Limburg. Auf HL-Journal schreibe ich über die Themen, die nicht immer in der Zeitung Platz haben oder die mir am Herzen liegen.

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