Kulturenwerkstatt Limburg – Wertvolle Jugendarbeit mit viel Idealismus

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Seit zehn Jahren gibt es die Wortwerkstatt, 2012 wurde dann die Kulturenwerkstatt Limburg gegründet. Dahinter stehen Tobias Kurth und Annie Vollmers. Die beiden arbeiten mit viel Idealismus mit Jugendlichen zwischen 16 und 22 Jahren. Trotz einiger Hürden sind es die Jugendlichen, weshalb sie die Arbeit gerne machen.

Manchmal fragen sich Tobias Kurth und Annie Vollmers, warum sie das alles machen. Warum nehmen sie die frustrierende Arbeit auf sich, Fördertöpfe zu suchen, Anträge zu stellen, bang auf einen Förderbescheid zu warten, um ein Projekt durchzuführen? Warum leisten sie diese Arbeit, bei der von außen nicht immer erkennbar ist, was sie da eigentlich machen? Und dann stehen sie vor den Jugendlichen, schauen in ihre Gesichter und sagen sich „Doch“. Denn sie wissen, was sie bei den Jugendlichen erreichen können. „Das wir bei den Jugendlichen etwas bewirken, ist der einzige Grund, warum wir diese Arbeit machen“, so Annie Vollmers und Tobias Kurth stimmt ihr zu.

Anfang mit Medienprojekten

Ihre soziale Arbeit begann noch viel früher. Bereits vor 20 Jahren schafften sie sich Computer an und waren als mobile Computerschule unterwegs. Damals gab es an den Schulen noch keine Computer und daher nahmen die Schulen dieses Angebot an. Ab 2004 gestalteten sie im Rahmen dieser Medienprojekte Internetseiten zu verschiedenen Themen. Es gab Stadtführungen, Rathauserkundungen, Geschichts- und Interviewprojekte. Deutschlandweit wurde dieses Angebot angenommen. In Limburg selbst fand bereits damals einen Zusammenarbeit mit der Stadtjugendpflege statt, welche bis heute besteht.

2007 wurde ein EU-Programm „Lokales Kapital für soziale Zwecke“ ausgeschrieben, welches später in „Stärken vor Ort“ umbenannt wurde. Damals kam auch die Idee, Literatur für Jugendliche attraktiv zu machen. so wurde 2009 die Wortwerkstatt als eigentlich zeitlich begrenztes Projekt für Mädchen und junge Frauen ins Leben gerufen. Und dieses besteht bis heute. Am Wochenende wurde das 10-jährige Jubiläum der Wortwerkstatt gefeiert. 2012 gründeten Tobias Kurth und Annie Vollmers dann die Kulturenwerkstatt, in welche auch die Wortwerkstatt integriert ist.

Potentiale erkennen und aufzeigen

Selbst ohne geradlinigen Lebenslauf sehen sich die beiden besonders geeignet für diese Arbeit. „Wir mussten uns immer alles erarbeiten und unter Potential nutzen. Daher können wir nachvollziehen, was schwierige Situationen und Brüche im Leben bedeuten können“, so Kurth. Wenn sich Menschen in schwierigen Situationen befinden, sei es ihre Aufgabe, die Potentiale in den Jugendlichen zu finden und zu beleuchten. Sie möchten den Jugendlichen diese Potentiale sichtbar machen, damit diese die für ihr Leben nutzen können. „Wir können die Situationen der Jugendlichen nachvollziehen und ihnen helfen.“ Und bei den Jugendlichen etwas zu bewirken, ist der einzige Grund, warum sie ihre Arbeit machen.

Doch diese Arbeit, welche sie tagtäglich leisten, ist nicht zu beziffern und auch nicht zu planen. „Es ist von außen nicht immer erkennbar, was wir machen und leisten. Bei uns geht es viel um Gefühle, um Befindlichkeiten von Menschen, die sich nicht in Zahlen fassen lassen“, so die beiden. Und es ist schwierig, für diese Arbeit einen Jahresplan vorzulegen. „Ich weiß doch jetzt nicht, was wir in einem Jahr machen“, so Kurth. „Die Jugendlichen kommen, wenn sie das Bedürfnis haben zu reden“, ergänzt Vollmers. Daher geschieht bei ihrer Arbeit viel auf der zwischenmenschlichen Ebene, sie erfahren von Einzelschicksalen, bilden Hilfe an und hören einfach nur zu.

Bezug zum Grundgesetz

Dabei hat ihre Arbeit auch viel mit dem Grundgesetz zu tun. „Die jungen Menschen wissen oftmals nicht über das Grundgesetz Bescheid.“ Und so haben die Projekte immer einen Bezug dazu, auch wenn es erstmal so aussieht, als ob „nur“ Theater gespielt wird. So beschäftigten sie sich 2017 mit dem Thema Integration im Projekt „Sald Bowl Culture“ oder 2018 „Antigone #Grundgesetz“. Ihnen ist klar, dass sie nicht die Welt von heute auf morgen ändern können, aber sie können Anregungen geben. „Wenn eine junge Frau später ihrem Kind vorliest, dann haben wir etwas bewirkt“, ist sich Vollmers sicher. Dies ist eine nachhaltige Arbeit in die nächste Generation hinein. Behutsam können sie den Jugendlichen aufzeigen, was hier gilt und was richtig oder falsch ist. Immerhin sei es noch nicht lange her, dass Frauen aus katholischen Dörfern keine Männer aus evangelischen Dörfern heiraten durften. „Es ist ein Prozess der Aufklärung“, so Vollmers weiter.

Auch kleine Dinge können etwas bewirken und so leisten sie Stück für Stück Aufklärung bei den Jugendlichen. Dabei wollen sie nicht mit der Tür ins Haus fallen, sondern den Menschen zuhören, ihnen Raum geben, ihnen Input geben und sie selbst entscheiden lassen, wie sie das für sich mitnehmen. „Es ist eine dankbare Aufgabe, weil wir die Entwicklung bei den Jugendlichen sehen können“, sind sich beide einig. Viele Jugendliche haben schon einiges in ihrem jungen Leben mitgemacht. Durch verschiedene Projekte schenken die beiden den jungen Menschen zum einen Selbstbewusstsein, aber sie schenken ihnen auch positive Erfahrungen und Erlebnisse, die sie in ihr Leben mitnehmen können.

Immer 100 Prozent

Beide geben immer 100 Prozent bei ihrer Arbeit und fordern dies auch von den Jugendlichen ein, wenn sich diese auf das Miteinander einlassen. „Das nehmen die Jugendlichen auch in andere Lebensbereiche mit“, so Vollmers, „sie wissen für sich, der Moment ist gerade wichtig.“ Und dies kann auch von außen gesehen werden, wenn öffentliche Veranstaltungen sind und die jungen Menschen auf der Bühne ein Programm gestalten. Dann sind sie mit voller Leidenschaft dabei und leben im Hier und Jetzt. Aber mit diesen Jugendlichen ist kein Jahresplan möglich. „Wir greifen ihre Welt auf und arbeiten mit ihnen daher sehr kurzfristig“, so beide Sozialpädagogen.

Ihre Arbeit gibt ihnen Recht. Ab 16 Jahren erreichen sie Jugendliche, die sonst keiner erreicht. Zudem handelt es sich hierbei um eine Gruppe, für die es auch sonst keine Angebote gibt. Und sie schaffen es, dass Jugendliche miteinander arbeiten, die sonst nichts zusammen machen würden. Und dabei werden nicht nur Jugendliche aus Limburg angesprochen, sondern aus dem gesamten Landkreis. Eine Arbeit, welche Unterstützung verdient.


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Heike Lachnit

Ich bin freie Lokaljournalistin in der Region um Limburg. Auf HL-Journal schreibe ich über die Themen, die nicht immer in der Zeitung Platz haben oder die mir am Herzen liegen.

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