Kunst gegen Bares – Was ist Kunst wert?

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Am Sonntagabend hieß es bei der Kleinkunstbühne Thing „Kunst gegen Bares“ und jeder Besucher konnte selbst entscheiden, was ihm welche Kunst wert war. Denn am Ende entscheiden die Besucher, welcher Künstler sie am meisten überzeugt hat und welcher nicht.

Wer sich gerne mal vor Publikum ausprobieren möchte, egal, ob mit Stand up Comedy, Gesang oder instrumental, hat bei „Kunst gegen Bares“ einen passenden Rahmen dazu. Zehn Minuten hat ein Künstler Zeit, um das Publikum von seinem Talent zu überzeugen. Am Ende besitzt jeder Künstler ein Sparschwein, in welches die Zuschauer Chipse verteilen. Wer die meisten Chipse sammeln konnte, wird „Kapitalistenschwein des Abends“. Bereits zum 10.Mal konnten sich Künstler auf der Thing Kleinkunstbühne präsentieren.

Goethe mal rezitiert mal gerappt

Erfinder von „Kunst gegen Bares“ ist der Autor, Schauspieler und Moderator Gerd Buurmann, der auch kurzweilig durch den Abend führte und die jeweiligen Talente vorstellte. Doch auch Buurmann selbst begeisterte an diesem Abend. Goethe habe zwei Seiten. Eine gediegene wie im „Osterspaziergang“, wo er sich freut „hier bin ich Mensch, hier darf ich sein“, aber auch eine schweinische wie im Faust. Daher forderte er auch ganz zu Beginn die Zuhörer auf, öfters mal auf Texte zu achten, denn sonst entgehe uns da einiges. Dann hielt er sich aber gar nicht mehr lange mit den Vorreden auf und machte Platz für die ersten Künstler.

Künstlerische Vielfalt

Es war einiges zu erleben auf der Bühne und der Abend zeigte, wie vielfältig Kunst sein kann und wie mit wenigen Mitteln das Publikum zu begeistern war. Den Anfang machten Torsten Dzeik und Stefan Jung. Torsten Dzeik spielt Klavier, ohne Noten zu kennen und was am Ende heraus kommt, wüsste er selbst nicht. Und so nahmen die beiden die Zuhörer auf eine Reise mit, in welcher die Melodien traumhaft durch den Saal schwebten und die Fantasie zu eigenen Flügen anregten. Stefan Jung musste dann auch eingestehen, dass er selbst nie weiß, wohin die Reise gehe und immer hinterher spiele, aber „allmählich gewöhnen wir uns aneinander.“ Buurmann wollte dies dann auch mal ausprobieren und gab Heinrich Heines „Deutschland- ein Wintermärchen“ zum Besten.

Alle Stadien der Bundesrepublik möchte Jens Kauen bespielen, auch wenn er nur auf dem Parkplatz steht. Mit seinen selbstgeschriebenen Songs regt er erstmal die Lachmuskeln an, wenn er vom Mistkäfer singt,welcher den ganzen Dreck wegmacht. „Irgendeiner muss es ja machen“. Aber etwas darüber nachgedacht, war es doch ein sehr tiefgründiges Lied. Auch sein Liebeslied von Peter, dem Pilz kam sehr gut an. Buurmann regte dies zu einer kleinen Unterrichtseinheit ein, dass Erdbeeren Nüsse sind und Kürbisse Beeren. „Es gibt Kröten, wenn man die leckt, wird man high“, so Buurmann, „Wer hat sowas herausgefunden?“

Youngster unter den Künstlern

Mit nur 15 Jahren traute sich bereits Singa auf die Bühne. Er präsentierte selbstgeschriebene Lieder mit einer Portion Rap. Durch seine natürliche Art, sein charmantes Lächeln und der leichten Verlegenheit hatte er das Publikum schnell für sich gewonnen. Buurmann ließ es sich nicht nehmen, in die Musikform des 21. Jahrhunderts Goethe aus dem 18.Jahrhundert reinzurappen. Auf die Frage, ob dieses vorher eingeübt war, gab er zu, dass alles improvisiert und spontan kommt. Das macht Entertainment aus.

Noch ein wenig hölzern präsentierte sich Thomas Artjomauf der Bühne mit seiner Stand Up Comedy. Leo Ghinis hatte da bereits etwas mehr Erfahrung und verpackt die Kritik an der Zerstörung der Erde oder an Diktatoren in einen Traum mit einer wunderschönen Außerirdischen.

Das Beste kommt zum Schluss

Ein absolutes Highlight waren die letzten beiden Vorträge. Dad`s Phonkey kreierte seinen eigenen Klangteppich. Bereits mit einem Leopardenanzug war er eine schillernde Gestalt. Doch was er dann mit seiner Stimme sowie einem Loop machte, war unbeschreiblich. Nach und nach erzeugte er eine ganze Band, imitierte Trompete, Gitarre oder auch Streicher, klang mal rauchig jazzig und mal ein wenig orientalisch.

Den Schluß bildete Timur Turga. Seit dem 16. Lebensjahr erblindet er langsam, doch anstatt darüber Trübsal zu blasen, geht er damit auf die Bühne und erzählt aus seinem Alltag. Da gibt es schon seltsame Begebenheiten wie dass er seine Mutter beim Einkaufen verliert oder doch einen ganz anderen Film im Kino schaute als seine Freunde, dank Audiodeskription. Aber das konnte ja niemand „kommen sehen“.

 

Am Ende hatte das Publikum die schwere Aufgabe, alle diese Beiträge zu bewerten und ihre Chipse unter den Künstlern zu verteilen. Die ersten drei Plätze haben verdient gewonnen:

1. Platz = Timur Turga
2. Platz = Dad’s Phonkey
3. Platz = Singa

Wenn ihr jetzt neugierig geworden seid auf dieses Format, dann habt ihr am 01. Dezember 2019 die nächste Gelegenheit dazu. Sehr empfehlenswert, denn es ist ein spaßiger, kurzweiliger Abend, bei dem niemand weiß, was auf ihn zukommt und bei dem man total überrascht werden kann.


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Heike Lachnit

Ich bin freie Lokaljournalistin in der Region um Limburg. Auf HL-Journal schreibe ich über die Themen, die nicht immer in der Zeitung Platz haben oder die mir am Herzen liegen.

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