Kunst in der Mittagspause: „Der Heilige Wandel“

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Corona machte dem Diözesanmuseum einen dicken Strich durch die Jahresplanung. Die zwei jährlichen Sonderausstellungen konnten nicht wie geplant stattfinden. Auch Führungen kommen zu kurz. Mit dem Format „Kunst in der Mittagspause“ möchte das Museum Kunstinteressierte ansprechen und ein Angebot machen.
In den 20-minütigen Führungen steht jeweils ein Exponat aus dem Programm „Schätze aus dem Depot“ im Mittelpunkt und der Besucher erhält einige wissenswerte Fakten sowie Einblicke in den kulturhistorischen Hintergrund zu dem Objekt. Los ging es mit der Skulpturengruppe „Der Heilige Wandel“.

Spaziergang der heiligen Familie

„Der Heilige Wandel“ hat verschiedene Namen: Rückkehr aus Ägypten, Rückkehr aus dem Tempel oder auch Gang der Heiligen Familie. Dieses Bildmotiv stellt die Heilige Familie als Gehende oder auch Spazierende dar. Der Wandel steht hierfür für das Wandeln oder Gehen. Das Exponat im Museum stammt aus 1740/50 und es handelt sich um eine Mainzer Arbeit, welche aus Beständen von Eltville stammt.

Bereits im Mittelalter handelte es sich um ein sehr populäres Motiv, doch vor allem in der Gegenreformation im 16. Jahrhundert gewann dieses Motiv an Kraft und verbreitete sich von Kärnten und Süddeutschland aus bis hoch in den Norden sowie ganz Mitteleuropa. Es diente dazu, den durch Martin Luther entstandenen Protestantismus zurückzudrängen. Dieses Motiv der Familie stellte eine Beziehung zu den Menschen dar und so fiel es leichter, diese zurück in den Schoß der katholischen Kirche zu holen.

Der Heilige Wandel Diözesanmuseum Limburg

Neben der Darstellung als Skulptur war es auch ein beliebtes Bildmotiv und wurde in zahlreichen Kupferstichen umgesetzt. Die Gegenreformation wurde vor allem von den Jesuiten getragen. Auch die hiesige Region war von Reformation und Gegenreformation betroffen. Um 1530 wurde Nassau lutherisch. Der spätere Fürst Johann Ludwig in Hadamar kehrte zum katholischen Glauben zurück. Und was der Herr glaubt, haben auch seine Untertanen zu glauben. Dennoch war es dem Fürsten wichtig, dass die Menschen friedlich und nicht mit Gewalt, wie in Frankreich, vom katholischen Glauben überzeugt werden sollten.

Der Heilige Wandel Diözesanmuseum Limburg

Familie im Mittelpunkt

Und da stellte die heilige Familie eine gute Grundlage dar, denn sie rückte die Familie in den Mittelpunkt. Dies war für die Menschen damals eine starke Botschaft. Gerade auch während des 30-Jährigen Krieges, wo die klassischen Familienstrukturen aufgrund der äußeren Umstände oft nicht mehr vorhanden waren. Über diese Familie zeigte die Kirche auch, wie ein katholischer Glauben mit dem Lebenswandel des einzelnen verknüpft werden kann. Die Jesuiten nutzten dieses Bild sogar für Theaterspiele. Die Menschen konnten sich mit dem Bild identifizieren.

Der Heilige Wandel Diözesanmuseum Limburg

Wer mehr über einzelne Stücke erfahren möchte, ist zu weiteren Führungen in der Mittagspause eingeladen. Aber auch so kann das Museum jederzeit besucht werden. Mit einem Begleitzettel gibt es einiges zu den Exponaten zu erfahren.

Weitere Termine zu Kunst in der Mittagspause
21. Oktober: Künstlerfürsten und Kopie – Rubens und Rembrandt im Diözesanmuseum (Prof. Dr. Matthias Theodor Kloft)

28. Oktober: Marias neue Kleider – Über Ankleidefiguren und bekleidete Bildwerke (Dominik Müller)
Die Führungen beginnen jeweils um 12:15 Uhr. Treffpunkt ist im Innenhof des Museums. Der Eintritt ist frei.
Diözesanmuseum Limburg

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Heike Lachnit

Ich bin freie Lokaljournalistin in der Region um Limburg. Auf HL-Journal schreibe ich über die Themen, die nicht immer in der Zeitung Platz haben oder die mir am Herzen liegen.

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