Ländlichen Raum neu denken – Bürgerbeteiligung erwünscht

Wie soll sich der ländliche Raum in Zukunft entwickeln? Was brauchen wir im Landkreis Limburg-Weilburg? Diesen Fragen stellt sich aktuell der Verein Regionalentwicklung Limburg-Weilburg und möchte auch die Bürger dazu hören. Nur gemeinsam lässt sich eine starke Heimat gestalten.

Der Landkreis Limburg-Weilburg befindet sich in dem europäischen Förderprogramm LEADER und muss nun für die kommende Förderperiode eine lokale Entwicklungsstrategie erarbeiten. Dazu sind auch die Bürger angehalten, ihre Ideen einzubringen. Dies ist durch eine Umfrage möglich, aber auch durch die Teilnahme an verschiedenen Workshops. Die ersten beiden Workshops mit den Themen Daseinsfürsorge sowie gleichwertige Lebensverhältnisse für alle und Wirtschaft sind bereits gelaufen. Zwei weitere Workshops mit den Themen Erholungsräume für Naherholung und ländlicher Tourismus sowie Bioökonomie-Anpassungsstrategien zu einem nachhaltigen Konsumverhalten finden nächste Woche statt und es kann sich noch angemeldet werden.

Unterschiedliche Sicht auf die Region

Die Teilnahme interessierter Bürger war an den beiden ersten Workshops noch etwas gering. Je mehr jedoch daran teilnehmen, umso vielfältiger ist das Bild von unserem Landkreis. Menschen, welche in Weinbach wohnen, haben ganz andere Ideen und Vorstellungen als Menschen, die aus dem Südkreis kommen. Ortschaften entlang der Bahnlinie haben andere Ansprüche an den ÖPNV als Ortschaften, welche nicht direkt am Schienenverkehr liegen. Und für den Tourismus entlang der Lahn existieren abweichende Vorstellungen als für den Westerwald. Doch diese Wünsche und Ideen müssen bekannt sein, um sie in die lokale Entwicklungsstrategie einfließen zu lassen und Projekte zu entwickeln, welche diese Gedanken aufnehmen und am langen Ende durch die Umsetzung zu einer Weiterentwicklung der Region führen.

Ideen neu denken

Trotz geringer Beteiligung gibt es interessante Erkenntnisse aus den ersten beiden Workshops. Diese lassen sich damit umschreiben, dass der ländliche Raum und Projekte in diesem neu gedacht werden müssen. Es müssen neue Strukturen gedacht werden, wenn es um gleichwertige Lebensverhältnisse geht. Es ist inzwischen bekannt, dass nicht in jedem Ort ein Tante-Emma-Laden öffnen kann. Diese lohnen sich wirtschaftlich selten und können eigentlich nur durch enormes ehrenamtliches Engagement existieren. Viel wichtiger sind neue Wege wie ein mobiler Dorfladen oder auch Automaten, die teilweise bereits existieren. Auch die Wochenmärkte in der Region sind gute Anlaufpunkte, doch sie müssen angenommen werden, damit die Marktbeschicker davon leben können. Damit verbunden nimmt auch die Digitalisierung immer mehr Raum ein.

Ein Wunsch aus den Runden war ebenfalls die Forderung nach alternativen Wohnkonzepten. Die Gesellschaft überaltert, Wohnraum ist knapp und es müssen neue Ideen her wie generationenübergreifendes Wohnen oder auch mobile Wohnformen. Zudem müsse jede Kommune ihren Beitrag zur Kohlendioxidreduzierung beitragen. Dies könnte schon gelingen, wenn jede Kommune fünf Windkraftanlagen errichtet. Nur so sei auch in Zukunft ein gutes Leben möglich.

Leitbild für die Region

Zudem sehen alle, die bisher an den Workshops teilgenommen haben, eine Chance in der Vernetzung. Im Goldenen Grund mit Bad Camberg, Brechen, Hünfelden und Selters laufe dies bereits sehr gut. Diese vier Kommunen arbeiten in verschiedenen Bereichen eng zusammen. Es wäre schön, wenn sich dies auf den ganzen Landkreis erstreckt und das Konkurrenzdenken mehr und mehr abnimmt. Dafür gilt es, ein gemeinsames Leitbild für die Region zu entwickeln, mit welchem sich alle identifizieren können. Und dies ist gar nicht so einfach. Es kam die Idee, die Lahn als verbindendes Band zu sehen, welches zu konservieren und zu schützen gilt. Doch aus vergangenen Diskussionen ist bekannt, dass sich nicht jeder mit der Lahn identifizieren kann. Daher ist es wichtig, Alleinstellungsmerkmale zu finden und mit diesen das Profil der Region zu schärfen und zu stärken.

Und damit sind wir wieder zu Beginn des Artikels angelangt. Um die Region voranzubringen, braucht es mehr Partizipation der Menschen, die hier leben. Denn je mehr sich einbringen, umso eher lässt sich ein Leitbild finden, dem alle zustimmen. Der Prozess ist noch völlig offen und wer darin mitwirken möchte, hat jetzt die Gelegenheit dazu. Und ein Gewinn dieses Prozesses ist es wiederum, dass die Menschen am Ende zusammenkommen und sich mit ihrer Region identifizieren.

Auf der Seite des Vereins Regionalentwicklung Limburg-Weilburg könnt ihr euch für die Workshops anmelden.

Mehr zum LEADER-Programm und der neuen Förderperiode findet ihr im Artikel „Fühlt ihr euch wohl im Landkreis?“

Heike Lachnit

Ich bin freie Lokaljournalistin in der Region um Limburg. Auf HL-Journal schreibe ich über die Themen, die nicht immer in der Zeitung Platz haben oder die mir am Herzen liegen.

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