Landwirtschaft leidet unter der Dürre

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Im April gab es zu wenig Niederschläge und auch für die nächsten Tage sieht es nicht nach mehr Regen aus. Dies hat Auswirkungen auf die Landwirtschaft.

Seit Wochen hat es nicht mehr geregnet. Die Dürre lässt die Waldbrandgefahr steigen. Der Waldbrandgefahrenindex im Landkreis steht bei 3/5. Noch schlimmer sieht es bei offenen Grasflächen aus. Dort steht der Index bei 4/5. Über den Winter sind die ganzen Wasserspeicher des Bodens aufgefüllt worden, doch seit Mitte März fielen weniger als zehn Liter pro Quadratmeter Niederschlag. Laut Dürremonitor steht den Pflanzen derzeit nur wenig Wasser zur Verfügung. Dies hat Auswirkungen auf die Landwirtschaft.

Freude über Schönwetterperiode

Dabei freuten sich die Landwirte nach dem Dauerregen zuerst über die Schönwetterperiode. In den Niederschlagsmengen stach der Februar klar heraus. Das Niederschlagssoll wurde deutlich übererfüllt. „Es herrschte große Erleichterung über das Ende des Dauerregens“, so Jonas Bachmann vom Kreisbauernverband Limburg-Weilburg. Die Landwirte hatten dadurch die Möglichkeit, ihre notwendigen Bestell- und Pflegemaßnahmen, wie Düngung und die Aussaat von Sommergetreide und Körnerleguminosen, durchzuführen. Zudem ermöglicht die trockene Witterung eine problemlose Aussaat von Mais und Zuckerrüben sowie das Legen von Kartoffeln. Aber er gibt zu bedenken, dass trotz aller Vorteile, die die trockene Witterung mit sich bringt, viele Landwirte mittlerweile befürchten, dass es aufgrund der ausbleibenden Niederschläge zu einer erneuten Dürre kommt.

Der Raps steht in voller Blüte und überall im Landkreis leuchtet es gelb.

Durchschnittlicher Ertrag beim Raps

Die Rapsfelder blühen, wie gelber Staub liegen die Pollen auf allen Oberflächen. Saftig sehen die Felder aus und leuchten hellgelb. Doch bei näherer Betrachtung sind die Böden trocken und reißen an einigen Stellen schon auf. In den Beständen gibt es Lücken. Der Raps scheint nicht so dicht gewachsen wie sonst. Im Herbst und zeitigen Frühjahr sahen die Rapsbestände noch gut aus und zeigten auch einen guten Wachstumsstart, berichtet Bachmann. Doch die Nachtfröste beschädigten die Triebe und Blütenstände. „Zusammen beeinflussten der Mangel an Niederschlägen und niedrige Temperaturen mit Nachtfrösten das Wachstumsverhalten der Rapspflanzen. Die Pflanzen fokussierten das Wachstum hauptsächlich auf den Haupttrieb, wodurch weniger Seitentriebe ausgebildet wurden. Diese tragen jedoch unter Normalbedingungen einen bedeutenden Anteil am Gesamtertrag pro Pflanze“, so Bachmann. Daher gehen die Landwirte zum jetzigen Stand mit einem durchschnittlichen Ertrag bei der Rapsernte aus.

Zur derzeitigen Wettersituation kommt hinzu, dass das Ertragsniveau des Winterraps in den letzten Jahren bereits stark schwankte. Dies ist auf massiven Schädlings- und Krankheitsdruck zurückzuführen. Wetterereignisse wie Starkregen und Hagel, die zum Aufplatzen der Schoten und damit zum Verlust der Körner führen, Ernteverluste beim Mähen sowie Fraßverluste durch Wildtiere beeinflussen ebenfalls die Ernteerträge des Raps.

Landwirtschaft Dürre 2020

Dürre beeinflusst Keimung des Saatgutes

Wie genau sich die derzeitigen fehlenden Niederschläge auf die Ernten auswirken, kann der Kreisbauernverband noch nicht beziffern. Jedoch sind Schäden bereits zu sehen. „Im  Moment beschränkt sich der Schaden im Kreisgebiet vor allem auf schlecht gekeimte und unregelmäßig aufgelaufene Sommerkulturen wie Sommergerste, Hafer, Erbsen oder Ackerbohnen“, erläutert Bachmann, „Auf sandigen Standorten zeigt das Getreide in geringem Umfang erste Schäden durch Trockenheit. Die meisten Standorte mit lehmigen Böden, die sich durch eine sehr gute Wasserhaltefähigkeit auszeichnen, weisen noch keine Schäden an den Kulturpflanzen infolge Wassermangels auf. Doch lange können auch diese Standorte mit ihrem Wasservorrat die Trockenheit nicht kompensieren. Ohne baldigen Regen drohen in allen Kulturen erhebliche Ertragsausfälle, da auch nötige Nährstoffe für das Pflanzenwachstum ohne Wasser nicht aus dem Erdreich aufgenommen werden können!“

Die Aufnahme von Stickstoff in die Pflanze erfolgt zu 98 Prozent mit dem Massenstrom, d.h. der Nährstoff wird gelöst über den Transpirationsog, der bei der Verdunstung von Wasser während der Fotosynthese entsteht, aufgenommen. Weitere für Wachstum und Ertragsbildung wichtige Nährstoffe wie Magnesium, Calcium, Schwefel und andere Spurenelemente werden mit demselben Mechanismus zu großen Teilen durch die Pflanze aufgenommen. Eine kleine Entwarnung gibt es: „Sollten in den nächsten zwei Wochen noch ergiebige Niederschläge auftreten, können die Nutzpflanzen auf den Äckern noch viel kompensieren.“

Landwirtschaft Dürre 2020

Auch die Futterbaubetriebe mit Tierhaltung sind von der Dürre betroffen. Sie benötigen den Schnitt vom Grünland, um ihre Rinder und Milchkühe zu versorgen. Doch auch die Grünlandflächen mit ihren verschiedenen Gräsern sind durch die letzten Jahre beeinträchtigt. „Durch die trockenen Sommer der vergangenen Jahre sind die Bestände der verschiedenen Gräser geschwächt. Bei ausreichend Niederschlägen würde in ein bis zwei Wochen der erste Schnitt eingeholt werden“, erläutert Bachmann, „Zurzeit sind die Grünlandflächen aber so schwach entwickelt, dass bei einer Mahd deutlich niedrigere Erntemengen zu erwarten sind.“ Zudem hat das Wetter Auswirkungen auf die Qualität des Schnittes: „In Jahren mit ausreichend Niederschlag ist der erste Schnitt häufig sowohl qualitativ als auch quantitativ nicht von den Folgeschnitten zu übertreffen.“

Kommende Woche soll es Niederschläge geben. Ob diese ausreichen, wird sich erst im Laufe des Jahres zeigen. Danke an Jonas Bachmann vom Kreisbauernverband für die Einblicke in die derzeitige Situation.


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Heike Lachnit

Ich bin freie Lokaljournalistin in der Region um Limburg. Auf HL-Journal schreibe ich über die Themen, die nicht immer in der Zeitung Platz haben oder die mir am Herzen liegen.

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