Lesemittwoch bei Thalia – Anne Jacobs liest

Mit einem Lesemittwoch möchte Thalia Autoren und Leser im Ambiente der Buchhandlung zusammenbringen und das gelesene Wort zwischen all den Büchern in den Raum schweben lassen. Beim gestrigen Lesemittwoch war Anne Jacobs, mit richtigem Namen Hilke Sellnick, vor Ort und las aus ihrem neuen Buch „Das Guthaus – Stürmische Zeiten“.

Lesen macht Spaß. Man kann sich in fremde Welten träumen, spannende Geschichten erleben, sich einfach fallen lassen und abschalten. Noch spannender wird es, wenn auf einer Lesung ein Autor aus seinem Buch liest und man die Chance hat, etwas über seine Gedanken zu erfahren. Was bewegt ihn zu schreiben, existiert das komplette Werk von Anfang an oder entwickelt es sich? Diese Möglichkeit erhalten die Leser beim Lesemittwoch von Thalia in Limburg. Zu Gast war Hilke Sellnick, sie unter ihrem Pseudonym Anne Jacobs aus ihrem zweiten Band „Das Gutshaus“ las und ein wenig aus dem Nähkästchen plauderte.

Schriftstellerei nie so geplant

Die Schriftstellerei habe sie nie so angepeilt, es habe sich so ergeben, erzählte sie. Sie sei ausgebildete Lehrerin für Französisch und Russisch. Nur als sie mit dem Referendariat fertig war, fand sie keine Anstellung und blieb erstmal bei den Kindern zu Hause. Sie begann mit kleinen Geschichten und Gedichten. Da auch ihr Vater schrieb und Bühnenstücke entwickelte, „war Schreiben immer anerkannt und wurde belohnt“. Ihre Kurzgeschichten wurden in der Yellow Press veröffentlicht-„eine gute Schule“. Und dann schrieb sie die dreibändige Familiensaga „Die Tuchvilla“ – „das schlug ein wie eine Bombe und war der absolute Super-Gau in meinem Leben.“ Warum diese Sagaso einschlug, könne sie bis heute nicht sagen, da sie nichts an ihrem Schreibstil geändert habe. Und danach musste was Neues her. Um 2000 rum machte sie eine Reise durch Mecklenburg-Vorpommern und war fasziniert von der Gegend. Dort siedelte sie ihre neue Familiensage „Das Guthaus“ an, wo inzwischen der zweite Band erschien.

Freiheiten einer Autorin

Amüsant war die Plauderei aus dem Nähkästchen und ihre Freiheiten als Autorin. Sie kann anziehen, was sie möchte, hat keine Anreise in ihr Büro und kann umräumen, wie sie möchte. Sie ist eine Nachteule und fängt abends gegen 18 Uhr mit Schreiben an bis nach Mitternacht. Aber natürlich hat so ein Arbeiten zu Hause auch seine Tücken. Wenn die Nachbarin auf einen Plausch vorbeikommt, die Freundin anruft oder die Post klingelt. Und auch selbst kennt sie das Gefühl, sich um die Arbeit zu drücken. Dann lockt der Kühlschrank mit leckerer Minzschokolade und irgendwie schreiben ihre Finger dann nur noch über die süße Versuchung, statt im Geschehen zu bleiben. Oder die sozialen Netzwerke locken. Auch kann sie sich so richtig schön in Recherchen hineinfallen lassen. Zwar habe sie auch viele Bücher zu jedem Thema, aber im Internet geht es schneller und dann suche sie weiter und weiter.

Sehr amüsant auch ihr Blick auf Rezensionen. Am Anfang frotzelte sie ein wenig rum, dass Rezensionen sie völlig kalt lassen und sie drüber stehe. „Glauben Sie kein Wort! Wir hängen an jedem Wort, ärgern uns und fluchen.“ Und dann gab sie einen kleinen Einblick in sogenannte Ein-Stern-Rezensionen zu ihren Büchern. Buch käme beschädigt oder zu spät – ein Stern für die Autorin. Band drei sei genauso langweilig wie Band eins und zwei -„Ich kann dann nicht verstehen, warum sie sich noch das dritte Band angetan haben.“ Sie nahm es doch sehr mit Humor. Und dann las sie zwei Rezensionen vor, die es nicht für ihre Bücher gab. „Schlechtester Fantasy Roman den ich je gelesen hab.“ sowie „Die Story ist lahm und enthält sehr viele logische Fehler. Nicht empfehlenswert für Kinder“. Sie löste auf. Diese Rezensionen gab es auf Amazon für die Bibel. Und wenn selbst die Bibel Ein-Stern-Rezensionen bekäme, müsse sie sich keinen Kopf machen.

Das Gutshaus

Die Familiensaga „Das Guthaus“ dreht sich um die Familie von Dranitz, welche in den Wirren des Zweiten Weltkrieges von ihrem Gut in der Nähe der Müritz vertrieben wurden. In den 90er Jahren kehrt Franziska von Dranitz als 70-Jährige zurück und möchte das Gutshaus zurück. Dies ist alles nicht sehr einfach, aber sie erhält Unterstützung und auch ihre Jugendliebe findet sie wieder. Im zweiten Band geht es dann darum, dieses Gut umzuwandeln. Franziska von Dranitz heiratet ihre Jugendliebe Walter Iversen. Neben den aktuellen Geschehnissen lässt Anne Jacobs auch immer wieder die Vergangenheit aufleben.

In den drei Stücken, aus denen sie liest, stellte sie einige Charaktere vor, die eine Rolle im Buch spielen. Da ist zum einen Uli, der als Schiffsbauingenieur Richtung Bremen strebt. Doch seine Oma möchte nicht, dass er geht und lässt sich einiges einfallen, dass er an der Müritz bleibt. Oder Minne und Karl-Erich, beide ehemalige Bedienste vom Gut, die sich an ihr Kennenlernen erinnern. Zu lustig, wie Anne Jacobs vorliest, wie Karl-Erich ein ganzes Jahr um seine Minne warb. Oder Sonja, die Tierärztin, welche an der Müritz einen Tiergarten für alte Haustierrassen eröffnen möchte und dafür einen Verein gründet. Die Gründungsversammlung erinnerte eher an ein Kaffeekränzchen als an eine Vereinsgründung.

Fragen an die Autorin

Nach der Lesung hatten die Zuhörer auch die Möglichkeit, die Autorin zu fragen, was sie so bewegt. So wollte ein Besucher wissen,ob sie die komplette Geschichte bereits vorher im Kopf hat oder sich diese entwickelt. Daraufhin erzählt die Autorin, dass sie dem Verlag immer ein Expose vorlegen muss, bevor sie anfängt zu schreiben. „Ich weiß, wo ich rein gehe und wie ich raus gehe, aber nicht immer, wo dazwischen die ganzen Wege hinführen. Das ist wie ein Gang durch den Dschungel.“ Auf die Frage nach ihren Lieblingsbüchern, antworte sie, dass sie viel mehr lesen möchte, als wie sie kann (was wohl jeder Leser kennt). Sie mag Charles Dickens, russische Klassiker sowie moderne russische Literatur, aber auch englische und amerikanische Schriftsteller. Auf die Frage nach ihren Pseudonymen antwortete sie, dass diese einem Autor oft vom Verlag verpasst werden. Damit würde auch vermieden werden, dass nach einem schlechter verkauften Buch das nächste Buch automatisch einen schlechten Start hat.

Ich kannte die Autorin selbst noch nicht und daher auch ihre Bücher nicht. Aber ich fand das Format sehr interessant. In regelmäßigen Abständen bietet Thalia solche Lesungen an.
Informationen dazu findet Ihr auf der Facebook-Seite oder auf der Homepage von Thalia.


Heike Lachnit

Ich bin freie Lokaljournalistin in der Region um Limburg. Auf HL-Journal schreibe ich über die Themen, die nicht immer in der Zeitung Platz haben oder die mir am Herzen liegen.

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