Masterplan Mobilität gefährdet den Handelsstandort Limburg

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Der Masterplan Mobilität soll dazu führen, dass die Luft in Limburg sauberer wird. In den nächsten Jahren sollen verschiedene Maßnahmen umgesetzt werden. Die FDP sieht jedoch die Schwerpunkte falsch gesetzt.

Insgesamt sind es 120 Einzelmaßnahmen im Masterplan Mobilität, die in Zukunft für saubere Luft in der Stadt sorgen sollen. Zehn Schlüsselmaßnahmen sollen recht zügig umgesetzt werden. Es sollen Gelder in die Radwege, eine Fahrradkonzept sowie in eine Fahrradparkanlage am Bahnhof fließen. Weitere Verbesserungen soll es im Nahverkehr und auf den Schulwegen geben. Die Stadtverordneten sollen am Dienstag, 3. September über eine Erweiterung des Parkleitsystems und eine Erweiterung des Parkraummanagements sprechen.

Gefährdung der Handelsstadt Limburg

„Die FDP lehnt die Empfehlung des Magistrats zum Masterplan Mobilität ab“, erklärte die FDP-Fraktionsvorsitzende Marion Schardt-Sauer nach einer Sitzung der Limburger FDP. Die FDP ist der Meinung, dass die Verkehrssituation in Limburg durch den Masterplan fundiert analysiert wurde und auch viele diskussionswürdige Vorschläge präsentiert werden. Dennoch wird er in seiner Gesamtheit der aktuellen wie auch der zukünftigen Verkehrssituation sowie dem Einkaufsstandort Limburg und dem touristischen Schwerpunkt nicht gerecht. Durch den Abriss und Neubau der Lichfieldbrücke würde alleine bis 2028 ein Verkehrschaos drohen. „Gleichzeitig liegen alle Entlastungsvarianten in Form von Umgehungsstraßen für Limburg auf Eis oder sind begraben worden“, so Schardt-Sauer. Für den häufigen Ausweichverkehr bei einem Stau auf der Autobahn gebe es ebenfalls keinerlei Lösungsansätze.

Verschlechterung für Autofahrer

In dieser Situation kommt der Masterplan Mobilität, der die Lage für die Autofahrer weiter verschlechtern soll. „Die FDP-Fraktion fordert Offenheit für akke Angebote der Fortbewegung und neue technische Möglichkeiten. Die Politik muss ideologiefrei vor allem bessere Rahmenbedingungen für dieEntwicklung und den Einsatz vielfältiger umweltfreundlicher sowie nachhaltiger Technologien schaffen. Bei E-Mobilität sieht die Nachhaltigkeitsbilanz nicht sehr vorbildlich aus.“

Sicher entspräche die Fahrt mit dem eigenen Auto nicht in allen Fällen der Lebensrealität und stellt die optimale Verkehrslösung. „Doch eine Kommune wie Limburg kann doch nicht sehendes Auge und ohne entsprechendes Konzept für die weitere Stadtentwicklung unter dem Schlagwort Verkehrswende ins Chaos geführt werden“, so Schardt-Sauer. Der Masterplan spare an Lösungsansätzen zur nachhaltigen Reduzierung der Verkehrsbelastung und gängelt statt dessen die Bürger*innen. Laut FDP lassen sich die Probleme nicht lösen, wenn die Politik an die Bürger appelliert, ihr Verhalten zu ändern.

Spürbare Verkehrsentlastung

Es ist eine spürbare Verkehrsentlastung durch Reduzierung des Durchgangsverkehrs notwendig. Dafür bedarf es nötiger Infrastrukturmaßnahmen. Alle Varianten für eine Umgehung der Innenstadt und für eine B8-Umgehung sowie eine weitergehende Untertunnelung der Schiede müssten ohne Denkverbote auf den Tisch. „Die Kommunalpolitik muss den Druck auf die Entscheidungsträger in Bund und Land deutlich erhöhen. Sie darf nicht durch einen Masterplan aus der Verantwortung entlassen werden, der den Einkaufs- und Wirtschaftsstandort gefährdet. Die Limburger Bürger*innen werden einseitig belastet“, so Schardt-Sauer. Über eine neue Rad- und Fußgängerbrücke am Bahnhof neben der Unterführung könne man reden, darin aber ein Leuchtturmprojekt zur Förderung der Nahmobilität und zur Lösung der Limburger Verkehrsprobleme zu sehen, sei „geradezu absurd“, so die Limburger FDP-Politikerin.

Und wenn der Masterplan suggeriere, dass das Auto auf Strecken von zwei bis fünf Kilometer problemlos durch Radfahren oder Zufußgehen ersetzt werden könne, sei dies teilweise schlicht lebensfremd.  „Ist der Weg zum Getränkemarkt mit dem Einkauf ökologisch sinnvoller Getränkekisten mit Glasflaschen oder der Wocheneinkauf einer Familie wirklich ohne Auto einfach zu erledigen? Und glaubt jemand wirklich, die Menschen aus der ländlichen Umgebung kaufen weiterhin in Limburg ein, wenn der Kfz-Verkehr gezielt behindert wird?“, fragt Schardt-Sauer. Dafür gebe es heute viel zu viele Alternativen.

Sinnvolle Verkehrssteuerung

Statt die Bürger*innen zu bevormunden, müsse die Stadt den Verkehrsfluss durch eine intelligente Verkehrssteuerung optimieren und im Fluss halten, das Parkraummanagement verbessern und insbesondere den Druck auf Entscheidungsträger zur Realisierung von Infrastrukturvorhaben erhöhen. Gleichzeitig sei es richtig und zielführend, die Infrastruktur für Radfahrer und Fußgänger Schritt für Schritt zu verbessern. Die Bestandsanalysen des Masterplans hätten bereits den Zustand die Pflege der vorhandenen Radwege kritisiert. Hier gelte es genauso anzusetzen wie bei einer verbesserten Erreichbarkeit der Innenstadt mit dem Fahrrad. Das müsse Vorrang haben vor der Planung von Radfernverbindungen, damit Radfahren für die Menschen vor Ort je nach Bedarf eine echte Alternative zum Auto werden könne. Dazu könne auch ein autofreier Kornmarkt als Teil der Fußgängerzone beitragen, der innerstädtische Fahrradstellplätze ermögliche.

Abschließend appellierte Schardt-Sauer eindringlich an den Bürgermeister der Stadt Limburg: „Es muss Ihre dringlichste Aufgabe sein, mit großem und andauerndem Druck die Planung und Realisierung von notwendigen Infrastrukturvorhaben zur Entlastung der Stadt zu erreichen und nicht die Bürger*innen die Zeche dafür zahlen zu lassen, dass Bund und Land die Realisierung dringend benötigter Umgehungsstraßen verschleppen.“

 


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Heike Lachnit

Ich bin freie Lokaljournalistin in der Region um Limburg. Auf HL-Journal schreibe ich über die Themen, die nicht immer in der Zeitung Platz haben oder die mir am Herzen liegen.

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