Mehr Kontrollen oder eine Satzung für die Elzer Gärten?

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Am Mittwoch sowie am Samstag nahmen sich die beiden Elzer Fraktionen die Zeit, um sich bei einer Ortsbegehung mit den Elzer Bürgern einen Eindruck von den Kleingärten zu verschaffen.

Die Elzer Gärten zwischen Reitverein und Bahnhof sind seit Jahren immer wieder Thema in der Gemeindevertretung. In der Mai-Sitzung stimmten beide Parteien dafür, den Bereich positiv zu entwickeln. Gartenbesitzer meldete sich darauf hin und meinten, eine positive Entwicklung sei nur möglich, wenn das Müllproblem gelöst werden würde. Darauf hin beschlossen CDU wie auch SPD, sich die Probleme vor Ort anzuschauen.

Ärgernisse in den Gärten

Je nach dem, wo die Besitzer ihren Garten haben, sind die Themen ganz verschieden, die stören. Die Müllablagerungen wurden von den meisten kritisiert. Freitags und montags werden die Mülleimer durch die Gemeinde geleert und laut einem Bürger würden die Autos aus der ganzen Umgebung angefahren kommen und ihren Müll ablagern. Neben Müll in großen blauen Säcken werden auch gerne mal Sperrmüll entsorgt.

In den Gärten selbst wurde die Tierhaltung von Hühnern bis Schafe kritisiert. Neben einer Geruchsbelästigung führt die unsachgemäße Fütterung der Tiere zu einer Rattenplage. Freilaufende Hunde sowie deren Hinterlassenschaften sind ein großes Problem. Eine Leinenpflicht und Hundebeutelstationen wünschen sich die Bürger. Zudem habe sich die Verkehrssituation sehr verschlechtert und wenn die Autofahrer mit hohen Geschwindigkeiten durch die Gärten fahren, könnte das Obst und Gemüse nicht mehr gegessen werden wegen dem ganzen Staub. Auch benötigt die Brücke über den Erbach dringend ein neues Geländer. Mehrmals hätten Autos, darunter einmal auch die Polizei auf Verfolgungsjagd, versucht, über die Brücke zu fahren, wodurch das Geländer Schaden nahm.

Einschätzung des Gemeindebrandinspektors

Bei der Ortsbegehung der CDU war der Gemeindebrandinspektor Hilmar von Schenck mit dabei. Er wies darauf hin, dass die Feuerwehr in Planungen jeglicher Art mit einbezogen werden sollte. So standen sie bei einem Einsatz auf einmal am Ende des Weges, weil durch die Renaturierung des Erbaches der Umfahrungsweg weggefallen war. Dies habe unnötige Zeit gekostet. Auch riet er davon ab, Steine als Wegbegrenzung zu verteilen, weil dies für die Einsatzkräfte Zeit kosten würde, diese wegzuräumen. Zudem appellierte er an die Gartenbesitzer, sich ihren Weg zu merken, in denen ihr Garten liegt. In jedem Einsatzfahrzeug ist ein Plan der Gärten. Dennoch werden sie noch immer alarmiert „zwischen Reithalle und Bahnhof“. Auch dies kostet wertvolle Zeit.

Satzung für die Gärten

CDU-Fraktionsvorsitzender Bastian Hoffmann nahm die Ideen dankend auf. „Wir sind auf ihre Ideen angewiesen und nehmen diese gerne mit.“ Insgesamt sieht er eine gute Entwicklung vor Ort. Er gab jedoch auch zu, dass es nie allen Bürgern recht gemacht werden kann. „Wenn eine einhellige Meinung der Gartenbesitzer da ist, die Wege für den Verkehr zu sperren, dann machen wir das“, so seine Meinung. Aber bevor er diesen Schritt geht, würde er gerne nochmal mit allen Gartenbesitzern besprechen. Eine Möglichkeit könnte auch eine Schranke sein, welche nur zu bestimmten Zeiten geöffnet ist. Bürgermeister Kaiser lehnte strikt eine Bollerlösung ab mit Ausgabe von Schlüsseln. Aber Hoffmann zeigt auch auf, dass er so wenig wie möglich reglementieren möchte, denn je mehr Regulierung, umso mehr Ärger wird es in seinen Augen geben.

Bei der Ortsbegehung lobte die CDU die neue Freizeitanlage.

Kaiser empfand die Gärten, bei denen die Zäune mit grünen Bahnen abgehängt waren, nicht sehr einladend. Eine Hecke würde ihm das besser gefallen. Dann wies ihn ein Bürger jedoch darauf hin, dass die Hecken auch gepflegt werden müssen. Aber wenn sie in die Wege reinragen und ein Fahrradfahrer ausweichen muss, dann reißt er sich die Haut auf. Was Kaiser strikt ablehnte, war ein Hundebeutelstation. Diese würde sowieso nichts bringen.

Hoffmann möchte mit den Bürgern im Gespräch bleiben. „Wir kommen nur vorwärts, wenn wir miteinander reden.“ Schrittchenweise kommen sie gemeinsam der Lösung näher und es handelt sich um ein schönes Gebiet: „Es ist eine echte Perle im Ort.“ Kaiser wies noch darauf hin, dass sie in der Gemeinde derzeit eine Satzung für den Bereich erarbeiten.

Seit 14 Jahren nichts geschehen

Auch die SPD gab zu, dass sich seit der letzten Begehung einiges getan hat. Vor allem haben sich einige Gärten sehr gut entwickelt. Aber insgesamt kann sie nicht verstehen, dass sich seit ihrem ersten Antrag aus 2007 nicht wirklich etwas an den verschiedenen Problematiken geändert hat. „Unsere bisherigen Initiativen hatten keinen Erfolg“, so SPD-Fraktionsvorsitzender Thomas Lang, „aber wir werden dranbleiben.“

Er wies darauf hin, dass es für die Nutzung der Kleingärten im Rahmen des Bebauungsplanes „In den Gärten“ eine Informationsbroschüre gibt. Die Gartenbesitzer müssten nur darauf hingewiesen werden, was erlaubt sei und was nicht. Und dies müsste dann durch das Ordnungsamt kontrolliert werden. Die Gemeinde berufe sich immer darauf, dass auch die Gartenbesitzer jemanden melden können, der sich nicht an die Vorgaben hält. Lang könne aber verstehen, wenn diese davon kein Gebrauch machen und ihren Namen sagen, aus Angst, dass ihnen dann geschadet wird. Lang könne die Wünsche der Bürger nach mehr Präsenz der Ordnungskräfte und auch nach mehr Hinweisschildern, was erlaubt und was verboten sei, sehr gut verstehen.

Die Gemeindevertretung habe dem Antrag, dass die Ordnungskräfte, vor allem auch in den Abendstunden, mehr Präsenz in den Gärten zeigt zugestimmt. „Aber passiert ist nichts“, so lang. Er möchte nicht mehr über die Probleme reden, sondern sie angehen.

Elzer Gärten
Ayse-Seher Kaplan (li) und Thomas Lang schauen sich Bilder von Winfried Weimer an zur Gartensituation

Auszüge aus der Informationsbroschüre

Diese Broschüre gilt als Orientierungshilfe für diejenigen, die einen Garten betreiben. Wichtig ist das Zusammenleben der Kleingärtner. So haben alle auf Ruhe und Ordnung zu achten. Sogar Ruhezeiten sind festgeschrieben: Montag bis Samstag vor 8 Uhr, zwischen 12 und 15 Uhr und nach 22 Uhr, Sonn- und Feiertage ganztägig. Alle pflanzlichen Abfälle sind zu kompostieren. Nicht zu kompostierende Abfälle sind über den privaten Hausmüll zu entsorgen. Abfallablagerung sind nicht erlaubt. Ein Verbrennen von Abfällen ist nicht erlaubt.

Eine Kleintierhaltung von Hühnern, Tauben und Kaninchen ist zugelassen, wenn es die Nachbarn nicht stört. Andere Kleintiere sollen in den Gärten nicht gehalten werden.

Motorfahrzeuge dürfen nur auf gekennzeichneten Flächen geparkt werden. Die Wege in den Kleingärten sind nur in Ausnahmefällen zu befahren. Müssen in Ausnahmefällen Fahrzeuge vor den Gärten geparkt werden, dürfen Anlieger und Passanten nicht behindert werden. Eine Errichtung von Stellplätzen auf den Gartengrundstücken ist nicht erlaubt.

 

 

 

 


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Heike Lachnit

Ich bin freie Lokaljournalistin in der Region um Limburg. Auf HL-Journal schreibe ich über die Themen, die nicht immer in der Zeitung Platz haben oder die mir am Herzen liegen.

2 Gedanken zu „Mehr Kontrollen oder eine Satzung für die Elzer Gärten?

  • 5. Juli 2020 um 12:15
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    Das Problem ist am anderen Ende der Leine!

    Die immer wiederkehrende Forderung nach Stationen mit Hundekotbeuteln ist nicht mehr zu ertragen. Ich habe selbst einen Hund und müsste noch den ersten Haufen im Elzer Ortsgebiet liegen lassen, auch ohne solche Stationen. Solange sich die Grundhaltung beim Hundehalter nicht ändert, ist die Aufstellung rausgeschmissenes Geld. Wer das wirklich WILL (!), der kauft sich 50 Beutel für 1,50 Euro. Da helfen nur Kontrollen und empfindliche Bußgelder, z.B. 250 Euro bei einem Verstoß. Manche lernen eben nur durch „Schmerz“.

    Wer einen Beweis benötigt, dass die Aufstellung der Stationen völlig sinnlos ist, dem empfehle ich einen Spaziergang an der Lahn unter dem Dom. Dort sind mehrere solcher Stationen im Abstand von 150 bis 300 Metern und trotzdem findet man Hundekot in großen Mengen!?

    Und wer sagt eigentlich, dass es immer Hunde waren? Streunende Hunde sieht man äußerst selten, streunende Katzen mehrfach täglich. Das wird einfach geduldet und keiner macht daraus ein Thema. Tür/Fenster auf, Katze raus und nach Erledigung ihrer Bedürfnisse (wo auch immer?) wieder rein ins Haus. Wer das Ergebnis bestaunen will, den lade ich mal in unseren Garten ein. Stellt sich noch die Frage, warum gibt es eigentlich keine Katzensteuer?

    Antwort
    • 6. Juli 2020 um 5:51
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      Danke Für Ihre Anmerkungen. Ich denke, am Ende wird es darauf hinauslaufen, dass dort unten stärker kontrolliert werden muss und es auch mal Bußgelder geben muss.

      Antwort

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