Mehrfamilienhäuser am Ortseingang von Frickhofen und welche Fragen sich stellen

Die Nassauische Neue Presse berichtet heute davon, dass in Frickhofen auf dem Giesendorf-Gelände sowie auf dem Gelände des ehemaligen Sägewerks Bäroth rund 80 Wohnungen entstehen sollen. Während ein Teil der Kommunalpolitiker in die Projekte einbezogen sind, haben andere zwar von dem Projekt gehört, seien aber nicht mit einbezogen. 

Nach dem Artikel der Nassauischen Neuen Presse stehen zwei Investoren bereit, um die Gebiete zu entwickeln. Dies sind zum einen die Albert Weil GmbH, welche auf dem knapp 4.000 Quadratmeter großen Grundstück der früheren Gärtnerei Giesendorf drei Mehrfamilienhäuser mit 22 Wohnungen errichten möchte. Hierzu habe es bereits einen Austausch mit der CDU und FWG gegeben, welche dieses Projekt unterstützen. Die Fläche des ehemaligen Sägewerks Bäroth möchte ein Elzer Projektentwickler realisieren, der nicht genannt werden möchte. Ein Entwurf sieht 55 Wohneinheiten vor.

Beim Beitragsbild handelt es sich um ein Symbolbild und kein Bild zu den Planungen der Projekte

Gemeindeverträgliche Entwicklung

In dem Artikel wie auch auf Nachfrage meinerseits hielt sich Bürgermeister Andreas Höfner sehr bedeckt. Etwas konkretes liege nicht vor, so seine Aussage Anfang Dezember. Insgesamt habe die Gemeinde Interesse daran, dass etwas entwickelt wird, doch es müssen gemeindeverträglich sein. Er wies noch darauf hin, dass es bei konkreten Plänen ein zweistufiges Genehmigungsverfahren geben wird, bei dem alle beteiligt werden, auch die Öffentlichkeit.

Im Landkreis Limburg-Weilburg fehlt Wohnraum. Der Bedarf ist hoch und vor allem im sozialen Wohnungsbau gibt es große Defizite. In vielen Kommunen diskutieren die Kommunalpolitiker die Gründung einer Wohnungsbaugesellschaft, damit die Projekte in der Hand der Kommunen verbleibt. Dies wäre für Diana Jordan, welche in den Kommunalwahlen für Bündnis 90/Die Grünen Hadamar-Dornburg kandidierte, ebenfalls für Dornburg eine Lösung. Nur dann würde Dornburg dauerhaft direkten Einfluss auf die Gestaltung der Grundstücke, der Häuser und der Vermietung behalten. Doch nicht nur dies sei Thema bei der Entwicklung neuer Projekte. Alle Baumaßnahmen in Dornburg sollten nach ihrer Meinung ab sofort klimaschonend mit nachhaltigen Baumaterialen durchgeführt werden, um dem Pariser Klimaabkommen zu genügen. Schließlich nimmt Dornburg nicht nur am IKEK-Dorfentwicklungsprogramm teil, sondern ist auch Klimakommune. Beides muss von Anfang an in eine Planung einbezogen werden. Der Klima- und Ressourcenschutz ist heute
umzusetzen.

Dorfbild erhalten

Gebäude am Ortsrand prägen das Bild eines Dorfes. Sie sollten deshalb architektonisch ansprechend mit hoher Flexibilität und Qualität geplant und errichtet werden, so Jordan weiter in ihren Ausführungen. Heute müssen die Planungen bereits die Zukunft im Blick haben. Heute entstehende Neubauten erfahren eine Nutzung für Jahrzehnte. Menschen brauchen zwischen Gebäuden große Grün- und Freiflächen für einen Aufenthalt im Freien, für Begegnungen und zum Spielen. Denn wenn Menschen auf zu engem Raum zusammenleben, so wie es die Vorplanung vorsieht, kommt es oft zu Konflikten. Die Kommune muss diese entstehenden Konflikte dann lösen, nicht der Investor. Private Investoren investieren, um Gewinne zu machen. Auch im sozialen Wohnungsbau. Der Gewinn entsteht durch vergleichsweise geringe Mieten, die durch zu enge Bebauung mit vielen Mieteinheiten erhöht werden.

Umso wichtiger ist es, solche Bauprojekte inklusive des Baugrundstücks in die Hand der Gemeinde zu geben und dort zu belassen. Nur was der Gemeinde gehört, kann die Gemeinde vollinhaltlich steuern. Bei der Vermietung ist auf eine soziale Durchmischung zu achten. Wenn Einzelpersonen, Paare, Familien, junge und alte Menschen, Arbeitslose, Rentner, Erwerbstätige, Studierende, mit und ohne Migrationshintergrund zusammenwohnen, werden sie sich austauschen und können sich gegenseitig unterstützen. Auf diese Weise kann ein gutes Miteinander entstehen. Daher gehört eine durchdachte Planung der Gebäude dazu wie mit einem großen Außengelände, das zum Verweilen und zum Bewegen einlädt, mit Gärten und Spielplätzen für Erwachsene und Kinder.

Ist die Frickhöfer Infrastruktur ausreichend?

Bereits im Vorfeld sollte die Kommune klären, ob die vorhandene Infrastruktur von Frickhofen solche Baumaßnahmen überhaupt verträgt. Dazu gehört mehr als nur der Verkehr, wie Jordans Fragen gut verdeutlichen. In der Vergangenheit gab es Engpässe in der Trinkwasserversorgung. Gibt es inzwischen gesichert zu jeder Jahreszeit genügend Trinkwasser für alle? Während der Baumaßnahme, aber auch danach? Werden Hitze- und Starkregenereignisse für die Baumaßnahmen berücksichtigt? Genügen die aktuellen Kapazitäten der Ver- und Entsorgungsleitungen in Frickhofen? Gibt es ausreichend Personal und Platz in Kindergärten-, Kitas und der Grundschule? Gibt es ausreichende Kapazitäten von Sozialarbeitern und Integrationsbeauftragten in Dornburg? Überall könnte künftiger Personalmangel durch den demografischen Wandel zum Problem werden.

Hat Frickhofen genügend Ärzte und Apothekenversorgung für alle? Ausreichende und preiswerte Freizeit- und Kultureinrichtungen? Eine enge Taktung öffentlicher Verkehrsmittel? Nicht jeder wird
sich künftig E-Autos leisten können. Gibt es genügend Personal in den Verwaltungen, um alle notwendigen Arbeiten zu erledigen? Auch in den Behörden gehen in den nächsten Jahren viele
Menschen in Pension, fast 20 Prozent. Werden sie durch agiles Personal ersetzt, das für die Zukunft denken kann, in dem es die Vielschichtigkeit solcher Baumaßnahmen erkennt und danach handelt? Welche weiteren Herausforderungen kommen mit den Projekten auf die Gemeinde zu?

Diana Jordan ist es wichtig, zu diesem Thema zügig eine öffentliche Bürgerversammlung abzuhalten, um mit den Bürgern zu diskutieren, was genau geplant ist. Da bestehe ebenfalls die Möglichkeit, zu hören, was die Bürger von den Plänen halten und wie weiter vorgegangen werden sollte. Möglich wäre in ihren Augen auch, zu beiden Grundstücken einen Architektenwettbewerb auszuschreiben oder die Entwicklungsplanung des Geländes an eine Universität zu geben, damit Master-Studierende strukturierte und durchdachte Entwürfe anfertigen können, die zu Dornburg passen.

Dorfentwicklung und Wohnungsmangel

Dornburg nimmt am hessischen Dorfentwicklungsprogramm IKEK (integriertes kommunales Entwicklungsprogramm) teil. Wie die Nassauische Neue Presse weiter berichtet, fragte Bürgermeister Höfner bereits im Spätherbst 2019 beim Landkreis nach, ob ein solches Bauvorhaben den Förderbedingungen für das IKEK widersprächen. Doch laut Nassauischer Neuer Presse sieht die Fach- und Förderbehörde des Kreises keinen Konkurrenz, “weil das Grundstück nicht geteilt werde und weil die Nutzung überwiegend für soziale Mietwohnungszwecke erfolgt.”

Mit dem Bericht des IKEKs zum Handlungsbedarf, Strategie und Umsetzung waren Vera Lauber Raumplanung sowie Stadtplaner GmbB beauftragt. Im Endbericht vom 7. Dezember 2021 setzten sich die Verfasser mit verschiedenen möglichen Projekten auseinander, unter anderem auch mit geplanten Wohngebieten. Ein Bedarf an Wohnungen ist vorhanden, die Nachfrage groß. Die aktuelle Nachfrage steht in Konkurrenz zu den tatsächlich vorhandenen Angeboten. Die Verfasser des Konzeptes weisen darauf hin, dass die Zielsetzung des Förderprogramms darin besteht, die Innenentwicklung der Orte zu fördern. Die Betrachtung geplanter Wohngebiete muss daher immer im Kontext der Innenentwicklung stattfinden.

So forcieren die Verfasser zuerst einen Blick auf Baulücken und leerstehende Gebäude im Innenbereich, bevor es an die Erschließung neuer Baugebiete geht. Beide Projekte, das auf dem ehemaligen Gärtnereigelände sowie auf dem Gelände des ehemaligen Sägewerkes, sind in diesem Bericht mit aufgeführt. Das Bauprojekt auf dem Gärtnereigelände erfährt eine positive Betrachtung, da es sich um ein ortsteilprägendes Gelände handelt. Für das das Projekt auf dem Bäroth-Gelände gibt es die Empfehlung, es erst in Angriff zu nehmen, wenn andere Maßnahmen wie die Beseitigung von Leerständen, nicht fruchten.

Heike Lachnit

Ich bin freie Lokaljournalistin in der Region um Limburg. Auf HL-Journal schreibe ich über die Themen, die nicht immer in der Zeitung Platz haben oder die mir am Herzen liegen.

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