Mehrheit für „Jahrhundertchance“

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Für die einen war es eine Entscheidung für eine „Jahrhundertchance“, die anderen haben mehr die Kosten im Blick. Am Ende entschied sich die Mehrheit der Gemeindevertreter für den Grundstückstausch mit der Kreissparkasse und einer Realisierung eines Parkplatzes in der Bachgasse 22. 

Die Diskussionen zum geplanten Grundstückstausch mit der Kreissparkasse Limburg sowie die Gestaltung eines Parkplatzes in der Bachgasse 22 wurde in den letzten Wochen sehr kontrovers in der Gemeinde diskutiert. Am gestrigen warben nochmal beide Seiten für ihren Standpunkt vor der Abstimmung zu diesem Thema.

Überbauung wäre möglich

Vor der Sitzung hatte die SPD-Fraktion noch einige Fragen, die Bürgermeister Horst Kaiser versuchte zu klären. Eine Teilüberbauung des unteren Erbach an der Einfahrt zur Bachgasse ist möglich. Diesem Vorhaben stimmten die Untere Wasserbehörde sowie die Fischereibehörde zu. Ein weiteres Anliegen der SPD war eine Überbauung des Parkplatzes zur Schaffung von Wohnraum. Machbar wäre ein Stelzenbau mit drei Geschossen und sechs Wohnungen. Mindestens eine Wohnung müsste barrierefrei sein, wozu bei Stelzenbauweise ein Aufzug erforderlich werde. Dadurch lassen sich weniger Stellplätze auf dem geplanten Parkplatz realisieren und es müssten von den 32 Parkflächen gemäß Stellplatzsatzung elf für die Wohnungen freigehalten werden. Kaiser nutzte nochmal die Gelegenheit, die Gemeindevertreter um ihre Zustimmung für die Neugestaltung der Ortsmitte zu bitten.

„Jahrhundertchance“ für attraktive Ortsmitte

CDU-Fraktionsvorsitzender Bastian Hoffmann sieht in der Entscheidung ein wichtiges und zentrales Thema. Seit fünf Jahren ist die Gemeinde am Thema dran, die Ortsmitte attraktiver zu gestalten. Der Grundstückstausch und anschließende neue Parkplatz sei ein Baustein im Gesamtkonzept. Die verschiedensten Gruppierungen diskutierten das Thema kontrovers. Aber alle hatten das gemeinsame Ziel gehabt, die Ortsmitte attraktiver zu gestalten. Hoffmann bezeichnete die Entscheidung als „Jahrhundertchance, als einmalige Gelegenheit.“ Mit dieser Entscheidung gewinnt die Gemeinde ein zentrales Puzzlestück zur Gestaltung des Ortskerns. „In der Summe geht es um deutlich mehr als um Geld“, so Hoffmann weiter, “ es geht auch um ideelle und materielle Werte.“ Er zitierte noch einen Presseartikel der SPD aus 2019, wo sie eine Vision aufzeigte von einer fußläufigen, begrünten Verbindung von der Weberstraße bis zum Rathausplatz. „Diese Vision ist deckungsgleich mit unserer Vision“, so der Fraktionsvorsitzende. „Wir stimmen heute über die Attraktivität unseres Ortskerns ab“, so sein Appell an die Gemeindevertreter.

Steady

Kosten nicht darstellbar

SPD-Fraktionsvorsitzender Thomas Lang warb für die Ablehnung dieser Vision. In den eineinhalb Jahren, seit sie ihre Vision veröffentlicht haben, haben sich einige Bedingungen geändert, so dass die Mehrheit der Fraktion nicht mehr zustimmen möchte. „Wir erwerben ein Gebäude mit, was wir so nicht wollten und welches wir 130 Jahre vermieten müssten, damit sich die Kosten tragen“, so Lang zur Bachgasse 22, welches unter Denkmalschutz steht und nicht wie geplant abgerissen werden darf. Es fehlen die Kosten für die Teilüberbauung des Erbach, es fehlen die Kosten für den möglichen Stelzenbau.

„Am Ende haben wir und eine Millionen Euro investiert, um 30 Parkplätze zu verlagern und sonst haben wir nichts erreicht“, rechnete er vor. Laut der Mehrheit wird dieses Grundstück nicht benötigt, um einen attraktiven Dorfmittelpunkt zu gestalten. In der heutigen Zeit seien solche Kosten nicht darstellbar. Zudem findet er es nicht gut, die Fußgänger von der Geschäftsstraße abzuziehen und hinter die Rathausstraße zu verlagern.

Realisierung 2020/21

Entgegen der mehrheitlichen Entscheidung der SPD-Fraktion stimmte Frank Zei, Vorsitzender vom Bauausschuss, für das Projekt, betonte aber, dass er dies mit vielen Bauchschmerzen tue. In seinen Augen sind noch einige Fragen ungeklärt, aber er sehe die Chance für den Ortskern. Michael Eidt, Vorsitzender Haupt- und Finanzausschuss, (CDU) warb auch nochmal für das Projekt und wies darauf hin, dass die Kosten nur eine Seite der Medaille sind. Demgegenüber stehen die Chancen und die Entwicklungsmöglichkeiten. Der Grundstückstausch habe eine große Bedeutung für die Entwicklung des Gesamtkonzeptes Ortskern.

Am Ende stimmte die CDU plus eine Stimme SPD für den Grundstückstausch, die restliche SPD stimmte dagegen und es gab eine Enthaltung aus Reihen der CDU. Somit findet der Grundstückstausch statt und die Gemeinde realisiert in der Bachgasse 22 einen Parkplatz. Vom Landkreis Limburg-Weilburg gab es die Zusage, das Projekt aus dem Zukunftsfonds mit 75.000 Euro zu fördern. Bereits zum Jahreswechsel 2020/21 könnte das Projekt realisiert werden.

 

 


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Heike Lachnit

Ich bin freie Lokaljournalistin in der Region um Limburg. Auf HL-Journal schreibe ich über die Themen, die nicht immer in der Zeitung Platz haben oder die mir am Herzen liegen.

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