Mehrwegbecher statt Kaffee to Go

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Wer am Samstag, den 27. April zwischen 10 und 13 Uhr in Limburg/Lahn am Beginn Bahnhofstraße, evangelischen Kirche seinen persönlichen Mehrwegbecher dabei hat, bekommt von BÜNDNIS´90/DIE GRÜNEN einen Kaffee-Chip geschenkt, um den Becher in einer Filiale der Bäckerei Huth ohne Kosten auffüllen zu können. Die Limburger und Hadamarer Grünen wollen den Europawahlkampf nutzen, um politisch die Wegwerfmentalität bei Kaffee-To-Go einzudämmen.   

Pro Sekunde werden in Deutschland 89 „To-go“-Becher weggeworfen. Dabei liegt eine Lösung für alle auf der Hand, um Müll zu vermeiden und etwas für den Klimaschutz zu tun: Mehrwegbecher nutzen.

Dem Klima helfen durch Eigeninitiative

Die Initiative, etwas gegen Wegwerfbecher zu unternehmen, geht von der Grünen Dienstagsgesellschaft in Hadamar aus, welche im Mai einen Grünen Ortsverband gründen wollen. Bereits im Januar fragten sie auf eine Initiative von Bernd Scholz bei den fünf größten Bäckereien der Region nach wie sie mit dem Thema umgehen. Die Bäckerei Huth, Moos, Simon, der Mühlenbäcker und Schäfer Dein Bäcker wurden angeschrieben und gebeten, mitzumachen. Sie schlugen die Nutzung von Mietsystemen wiederverwendbarer Kaffeebecher vor. Für Kunden mit Mehrwegbechern zum Nachfüllen könnte es Rabatte geben. Und die Kunden könnten allgemein zu einem umweltbewussten Verhalten ermuntert werden.

Nur die Westerwälder Bäckerei Simon und Dominique Huth, selbst Stadtverordneter der CDU in Limburg, reagierten. Die Bäckerei Huth, zudem bereits bei www.cup2gether.de engagiert, lud die Hadamarer Grünen in ihren Betrieb und zum Erfahrungsaustausch ein. Betriebswirtschaftlich bleibt natürlich für die hiesigen mittelständischen Backbetriebe ökologisches Engagement ein Wagnis, bei dem sie zunächst Geld vorlegen müssen. Je nachhaltiger sie mit ihren Rohstoffen und beim Wareneinsatz bereits wirtschaften, desto mehr müssen sie sich geschäftlich konzentrieren. Dafür hat grüne kommunale Wirtschaftspolitik immer Verständnis.

Auf die Lage reagieren

Doch es muss sich etwas tun, wenn die Müllbilanz betrachtet wird. So wie es noch vor wenigen Jahren schick war, mit einer Zigarette im Mund herumzulaufen, gehört heute es zum guten Ton, Kaffee oder Tee unterwegs im Becher dabei zu haben. Rings um die Stationen der Fastfood-Ketten türmt sich der Müll der Einwegbecher. Für 2,8 Milliarden  Kaffee-to-go Einwegbecher gehen in Deutschland jährlich 1,5 Milliarden Liter Wasser, 11 000 Tonnen Kunststoff und 43 000 Bäume drauf. Gut, dass es die Mehrwegbecher aus Bambus und Kokos gibt – für mindestens 12 Euro allerdings sehr teuer.
Die Lage ist ähnlich verheerend wie beim Plastikmüll: 2017 fielen 6,15 Millionen Tonnen in Deutschland an. Nur die Hälfte konnte wiederverwertet werden. Der Rest wurde verbrannt und brachte zwar Energie, aber auch hier geht die Nutzung von Mehrwegflaschen leider zurück.

Das Europäische Parlament hat am 27. März 2019 ein entsprechendes Gesetz auf den Weg gebracht. Demnach müssen 2021 viele Plastikverpackungen aus den Marktregalen verschwinden, um den Kohlendioxidausstoß zu verringern, der für die zu starke  Erderwärmung mit verantwortlich gemacht wird. Daher ist die Vermeidung des Kaffee-to-go-Mülls  mit der Verwendung von Mehrweg-Bechern ein guter Anfang.

Biologischer Mehrwegbecher

Im Großen dringen als Frage der Menschheit die Folgen der Klimaveränderung langsam in das Bewusstsein, aber im kleinen Alltag des Kaffeekonsums und des schnellen Essens im Vorbeigehen ist sie noch nicht angekommen. Bevor wieder der Staat, wie die Europäische Union beim Plastik, auf den Plan treten muss, fordern die Grünen dazu auf, selbstbestimmt umzudenken und anders zu handeln. Bündnis 90/ Die Grünen Limburg an der Lahn und Hadamar/Dornburg haben deshalb mit Hilfe eines örtlichen Technikbetriebes das Konzept eines auf Basis von biologischem plastikähnlichem Material hergestellten Mehrweg-Kaffeebecher entwickelt. Verschiedene Muster und Motive, wie vom kleinen Schweinswal, der sich in die Lahn und den Elbbach verschwommen hat, sind dazu entwickelt worden.

Der Becher könnte zu einem Viertel des Preises zum Beispiel der überall angebotenen Mehrwegbecher aus Bambus angeboten werden, wenn zunächst 6 000 Becher von zwei der ansässigen oben angesprochenen Bäckereien in den Vertrieb genommen und mit einer kleinen Werbekampagne unterstützt werden. Hier könnte der Landkreis Limburg-Weilburg mit seinem nicht kleinen Klima-Etat wirkungsvoll fördern. Die Vermeidung von Kaffee to go Müll wäre  ein praktischer Schritt, der dem Klima und damit allen hilft.

Das politische Interesse zur Wahl des Europa-Parlaments am 26. Mai 2019 nutzen die Grünen im Nassauer Land dazu, für das Projekt eines  regional aus Bioplastik produzierten und vertriebenen Mehrwegbechers zu werben und mit Hilfe unabhängiger gemeinnütziger Partner versuchen, eine Kooperation zwischen Hersteller, vor allem den Bäckereien und den kommunalen Verwaltungen  herzustellen.

 

 


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Heike Lachnit

Ich bin freie Lokaljournalistin in der Region um Limburg. Auf HL-Journal schreibe ich über die Themen, die nicht immer in der Zeitung Platz haben oder die mir am Herzen liegen.

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