Michael Ruoff: “Es ist gut, einen erfahrenen Bürgermeister zu haben”

Am 14. März wählen die Hadamarer Bürger einen neuen Bürgermeister. Der amtierende Bürgermeister Michael Ruoff tritt für eine dritte Amtszeit an. 

Er habe in den vergangenen Jahren bereits einiges erreicht. Einige Projekte hat er angestoßen, welche er gerne zu Ende bringen möchte.

Bitten stellen Sie sich kurz vor?

Michael Ruoff: Mein Name ist Michael Ruoff, ich bin 56 Jahre alt und bin seit elf Jahren Bürgermeister meiner Heimatstadt Hadamar. Vorher war ich fast 30 Jahre bei der Kreisverwaltung. Somit bin ich rund 40 Jahre in der kommunalen Verwaltung hauptamtlich tätig. Meine gesamte Aus- und Weiterbildung bis zum Diplom-Finanzwirt habe ich in der Kreisverwaltung gemacht, wofür ich sehr dankbar bin. Zuletzt war ich Amtsrat beim Gesundheitsamt.

Ehrenamtlich war ich 17 Jahre Vorsitzender und Wehrführer bei der Feuerwehr Niederhadamar und habe in der Kirche sowie der Kulturvereinigung mitgearbeitet. Inzwischen bin ich Vorsitzender der St. Anna Stiftung und kann mich mit diesem Amt hervorragend in die gesundheitliche Versorgung in der Region einbringen. Im Ehrenamt bin ich Vorsitzender des Vereines zur Förderung des Glasmuseums Hadamar und sitze im Kreistag.Privat bin ich seit über 30 Jahren verheiratet und habe zwei Söhne. Ich mache sehr gerne Gartenarbeit. In der Freizeit ist Radfahren und Wandern meine große Leidenschaft.

Was sind die Stärken von Hadamar?

Michael Ruoff: Die Stärke ist die große Geschichte, die Hadamar hat. Wenn man durch Hadamar durchfährt, sieht man das Schloss, die alten Gebäude, das ehemalige Jesuitenkloster, die St. Nepomukkirche, das Konvikt, das Amtsgericht und die Liebfrauenkirche. Dann spürt man, dass Hadamar ein Ort der Mitte ist. Die Stadt ist in meinen Augen ein Mittelzentrum, auch wenn wir es offiziell nicht mehr sind. Ich bedauere es sehr, dass auch im neusten Landesentwicklungsplan, Hadamar wieder nicht die alte Funktion „Grundzentrum mit Teilfunktion eines Mittelzentrums“ oder überhaupt Mittelzentrum nicht zurückerhalten haben. Obwohl ich mich dafür eingesetzt habe.

Ich sehe nach wie vor diese Funktion bei uns. Wir haben ein Amtsgericht, ein Gesundheitszentrum mit 17 Ärzten aus neun Fachrichtungen, das Rentamt, die vielen Ämter des Landkreises im Schloss und die große Vitos Klinik mit 630 Arbeitsplätzen. Das zeigt für mich, dass Hadamar noch immer das Potential hat, ein kleines, feines Zentrum zu sein. Bis auf einen Augenarzt haben wir hier alles vor Ort und da bin ich auch seit Jahren dran. Ich würde gerne dafür arbeiten, dass wir dieses Zentrum wieder mehr in den Blickpunkt bekommen.

Rückblick auf die Amtszeit

Was haben Sie in den letzten elf Jahren erreicht? Worauf sind Sie stolz?

Michael Ruoff: In meiner Amtszeit ist es mir gelungen, die U3-Betreuung fest zu installieren. Als ich angefangen habe, war dies noch im Aufbau und für die vorhandenen U3-Plätze gab es nur eine sehr kleine Förderung von der Stadt. Besonders gut gelungen ist mir die Idee, Frau Lobenhofer (von den Lahn-Kinderkrippen) davon zu überzeugen, nicht auf der grünen Wiese zu bauen, sondern auf der ehemaligen Supermarktbrache am Neumarkt mit allen Problemen, die es gab wie Parkplätze und Denkmalschutz. Da bin ich stolz drauf, was für die Kinderbetreuung, die Revitalisierung der Mitte sowie für ein familienfreundliches Hadamar getan zu haben.

Unser Personal in der Verwaltung konnte modernisiert werden, wir haben einen Generationenwechsel mit top ausgebildeten Leuten geschafft und das spürt auch der Bürger. Ich bin stolz, dass wir eine vor einige Jahren eine Grünschnittsammelstelle eingerichtet haben, die jeden Freitag und Samstag geöffnet hat. Wir nehmen die höheren Kosten in Kauf, nehmen in Kauf, dass die Menschen auch mal Müll abladen, der da nicht hingehört. Aber der landet nicht auf den Feldwegen. Das ist ein Service, der gut bei der Bevölkerung angekommen ist. Dies wollen wir zusammen mit dem Kreis in einem kreisweiten Projekt neu organisieren. Am jetzigen Standort wollen wir die Grünschnittsammelstelle auf Dauer nicht lassen.

Dann freue ich mich auf die beauftragte Kommunal-App, mit der wir über Push-Nachrichten aktuell die Bürger informieren können. Mitte des Jahres wird diese kommen. Dies geht über zum Stichwort Digitalisierung. Wir waren mit die ersten, die im Hadamarer Land Glasfaser verlegt haben. Im letzten Jahr konnte ich einen Kooperationsvertrag mit der Syna und der Telekom unterschreiben, dass ab Januar der Ausbau fortgesetzt wird. Es ist noch nicht alles optimal, aber wir haben die Digitalisierung mit großen Schritten vorangetrieben und sind besser aufgestellt als andere Gemeinden auf dem flachen Land. Mitte 2021 sollen auch die Gewerbegebiete alle angeschlossen werden.

In der Radwegeinfrastruktur haben Sie ebenfalls einiges vorangetrieben. Der Radweg von Faulbach nach Ahlbach wurde neu geschaffen sowie der Radweg durch das Naturschutzgebiet am Elbbach lang.

Michael Ruoff: Radwege sind meine große Leidenschaft. Der Radweg durch das Naturschutzgebiet war sehr umstritten und dies war eine harte Zeit für mich. Dieser Radweg hat mich schlaflose Nächte gekostet. Ich stand da so im Feuer, musste immer wieder begründen, wieso und warum. Der NABU hatte mich kritisiert und die Bevölkerung konnte sich diesen Weg nicht vorstellen. Aber ich hatte eine Vorstellung, es war mein Projekt, es war meine Idee. Ich hatte nicht viele Unterstützer zu Beginn. Doch jetzt sind die Bürger begeistert, wenn sie den Weg entlanglaufen. Ich hatte immer gedacht, dass es etwas besonderes ist. Auf dieses Projekt bin ich unheimlich stolz. Jetzt können wir auf meine Initiative den Radweg Thalheim-Niederzeuzheim bauen. Mit dem Radweg von Steinbach nach Oberzeuzheim haben wir einen Lückenschluss zwischen allen Stadtteilen. Hier wird der erste Spatenstich wohl Ende des Jahres sein.

Ausblick auf weitere Projekte

Gibt es Projekte oder Visionen, die Sie noch umsetzen möchten?

Michael Ruoff: Ich glaube, es ist gut, einen erfahrenen Bürgermeister zu haben, der sich auskennt und keine Einarbeitung braucht, allein bei dem großen Thema Bebauungsplan Altstadt Hadamar. Wir wollen das Quartier aufwerten, indem wir künftig bestimmte Nutzungen ausschließen wollen. Die Veränderungssperre ist bereits in Kraft. Aber bestimmte Nutzungen wie Shisha-Bars und Wettbüros wollen wir nicht in der Innenstadt haben. Ebenfalls bedarfs es einen erfahrenen Bürgermeister bei dem großen Thema Sanierung Mainzer Landstraße in drei Bauabschnitten. Dies gibt die größte Baumaßnahme der letzten Jahre – mit neuen Kanälen, beidseitigen Radwegen, neuer Bepflanzung. Das war eine lange Vorarbeit. Für mich war immer klar, wenn, dann vom Kreisel Niederhadamar bis zum Schloss. Hessen Mobil befand den ersten Abschnitt bis zum Kreisel für gut und wollte diesen nicht machen. Da ich die Ansprechpartner kenne, konnte ich sie immer darauf hinweisen, was wir wollen.

Ich möchte zwei zusätzliche Gruppen für die Ü3-Betreuung schaffen, und zwar auch im Zentrum von Hadamar. Diese Baumaßnahme soll ebenfalls in der Innenstadt stattfinden auf einem Grundstück, wo derzeit kein schönes Gebäude steht, um die Erscheinung des gesamten Ensembles zu verbessern. Wie kann man die Innenstadt besser revitalisieren als mit jungen Eltern und ihren Kindern. Eines dürfen wir uns nicht vormachen. Wir werden es nicht schaffen, wieder eine Einkaufsstadt vorzufinden, wie wir es kannten. Dafür sind wir zu nah an Limburg, dafür haben wir die großen Einkaufszentren und der Internethandel. Daher sind andere Projekte notwendig, um die Innenstadt zu revitalisieren.

Im Haushalt habe ich 1,4 Millionen Euro reserviert für den Neubau des Kindergartens in Niederzeuzheim. Da warte ich noch auf die Machbarkeitsstudie, die wir den Gremien vorstellen können. Dieses Projekt habe ich angestoßen und dies möchte ich gerne zu Ende begleiten.

Und auch die zentrale Sportanlage Hadamar möchte ich begleiten. Ich weiß, wie die Stimmung zu dem Thema ist. Wir sprechen hier nicht von einem Sportplatz in Niederhadamar. Wir sprechen von einer zentralen Sportanlage für unseren Hessenligisten Rot-Weiß-Hadamar, der den Namen der Stadt weit über die Grenzen des Kreises hinausträgt. Der Verein macht eine ganz hervorragende Jugendarbeit und leistet einen hervorragenden Beitrag zur Integration. Ich lasse mich nicht in die Ecke drängen, dass dies nur für den Sportverein ist. Die zentrale Sportanlage ist für ganz Hadamar. Wir finanzieren dies über die Hessenkasse. Ich muss keine anderen Projekte dafür streichen. Gleichzeitig gibt der Sportverein sein Gelände an der Faulbacher Straße auf, die die Stadt vermarkten kann. Das Geld aus der Vermarktung kann dann für andere Projekte verwendet werden.

Ein weiteres Projekt, wo ich hoffe, dass mir die Bevölkerung nochmal das Mandat dafür gibt, ist die Entwicklung des Geländes des Konvikts. Wir werden das Weggehen der Domsingknaben nicht verhindern können. Aber wir haben die Chance, mitzuarbeiten an der Weiterentwicklung. Ein spannendes Projekt, in welches ich meine Erfahrung, meine Ortskenntnisse und meine Liebe zur Stadt hineinfließen lassen kann.

In Hadamar existiert eine Diskrepanz zwischen der Kernstadt und Niederhadamar sowie den stark ländlich geprägten Ortsteilen. Es kommt immer wieder zur Sprache, dass es eine Bevorzugung von Niederhadamar gibt gegenüber den anderen Ortsteilen. Viele Kommunalpolitiker und auch Sie als Bürgermeister wohnen in Niederhadamar. Wie wollen Sie diese Diskrepanz angehen und sagen, dass Sie Bürgermeister für alle sind?

Michael Ruoff: Dieses Thema begleitet mich bereits bei allen Wahlkämpfen. Die Menschen, die mich kennen und die mit mir zusammengearbeitet haben, wissen eigentlich, dass es nicht so ist. Ich versuche auch immer wieder, keinen Anlass zu geben, der diesen Eindruck verstärkt. Aber in der Tat müssen wir zur Kenntnis nehmen, dass wir viele Leute aus Niederhadamar haben, die sich engagieren. Dies kann man denen nicht zum Vorwurf machen. Das sind nicht nur Menschen aus der CDU, sondern dies ist auch Thema in den anderen Parteien. Wenn die Vereine etwas haben, komme ich zu ihnen. Ich fahre zu den Veranstaltungen. Ich bin da. Sie können auch die Ortsvorsteher fragen, ich bin da, wenn etwas ist.

Manchmal entstehen Mythen, die dann auch bewusst gepflegt werden. Ich glaube, wenn die Menschen in den Stadtteilen meine Präsenz mal fair betrachten auf Festen und Veranstaltungen, wie aufgeschlossen ich Projekten gegenüber bin, dann erkennen sie, dass Niederhadamar nicht bevorzugt betrachtet wurde. Und ansonsten mögen sie es konkret benennen und dann können wir gerne darüber sprechen. Wir haben in den letzten Jahren in den Ortsteilen einige Projekte wie Dorferneuerung umgesetzt. Ich habe nicht das Gefühl, dass die Ortsteile darunter leiden müssen, dass ich aus Niederhadamar bin.

Kritik an der Kommunikation

Oft kritisieren Bürger die Kommunikation mit der Verwaltung. Manchmal wünschen sich die Bürger eine bessere Kommunikation. Ist dies für Sie ein Punkt, die Kommunikation mal auf den Prüfstand zu stellen und etwas zu verbessern, um die Bürger besser mitzunehmen?

Michael Ruoff: Seit einem Jahr nutzen wir die sozialen Netzwerke von der Verwaltung aus sowie Kontaktformulare auf der Homepage, was die Bürger nutzen können. Zudem stehe ich im Telefonbuch. Die Bürger können mich zu Hause erreichen und ich rufe auch zurück. Ich glaube schon, dass ich ansprechbar bin. Was jedoch oftmals als Kritik angesehen wird, dass ich nicht jedem erzähle, was er hören will. Dies ist für mich ein großer Unterschied. Ansprechbar bin ich, aber bei manchen Dingen muss ich mich an Vorschriften halten.

Wie beim Verkehr, bei manchen Dingen sind mir die Hände gebunden. Ich kann nichts daran ändern, dass in Niederzeuzheim die LKWs durch den Ort fahren. Aber das will man nicht hören. Oder ich sage, dass ich Hadamar für den Lärmaktionsplan oder für Teilortsumgehungen angemeldet habe. In den Ortsteilen habe ich Verkehrsinseln und Zebrasteifen vorgeschlagen. Wenn Hessen Mobil aber sagt, es geht nicht, dann ist dies keine fehlende Kommunikation meinerseits. Dies ist dann ungerechtfertigt. Es macht keinen Sinn, die Leute hinzuhalten. Wenn ich weiß, dass etwas nicht geht, dann sage ich dies sofort. Da spielt auch meine Erfahrung wieder eine Rolle.

Das betrifft meine persönliche Kommunikationsebene. Und auch auf der amtlichen Kommunikationsebene sind wir um Welten besser geworden, wir antworten auf Kritik. Das funktioniert gut.

Wie sieht Ihr Wahlkampf in Zeiten von Corona aus?

Michael Ruoff: Ich setze viel auf die digitalen Medien. Das geplante Walk`n`Talk Format mit Spaziergängen in der Gemarkung können aufgrund der aktuellen Situation nicht stattfinden. Termine zu weiteren Veranstaltungen finden sich auf meiner Internetseite.

Parallel zur Bürgermeisterwahl finden Kommunalwahlen statt und es könnte in Hadamar passieren, dass eine fünfte Partei ins Stadtparlament einzieht. Haben Sie sich darüber schon Gedanken gemacht?

Michael Ruoff: Ich bin schon immer gewöhnt, dass ich mit wechselnden Mehrheiten Vorschläge umsetzen muss. Ich war schon immer in der Situation, nicht nur meine Fraktion überzeugen zu müssen. Daher habe ich damit schon Erfahrung. Zu Beginn meiner Amtszeit gab es eine Kooperation von SPD, WfH und FWG und die CDU war fern aller Mehrheiten. Es war nicht immer eine einfache Situation, aber wir haben sie hinbekommen. Es geht in der Kommunalpolitik um sachliche Themen und nicht um Parteipolitik. Ich würde mir wünschen und bin guten Mutes, dass dies auch in der nächsten Legislaturperiode so funktioniert.

Was sind Ihre Lieblingsplätze in Hadamar?

Michael Ruoff: Mein Lieblingsplatz ist der Schlossinnenhof, das ist ein schönes Kleinod. Ein weiterer schöner Ort ist der Ziergarten oberhalb des Weinberges mit schönem Blick ins Limburger Becken. Hoch zum Herzenberg laufe ich auch gerne mal nach der Arbeit, bevor ich nach Hause gehe. Aber auch rund um Hadamar gibt es schöne Plätze, die man entlang gehen kann.

Mehr zu den Zielen erfahrt ihr auf der Homepage von Michael Ruoff.

Eine Übersicht zu den Kandidaten findet ihr hier.

 

 

Heike Lachnit

Ich bin freie Lokaljournalistin in der Region um Limburg. Auf HL-Journal schreibe ich über die Themen, die nicht immer in der Zeitung Platz haben oder die mir am Herzen liegen.

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