Michael Schröter: „Mit mir gibt es kein Weiter so“

Am 14. März haben die Dornburger Bürger die Wahl und können einen neuen Bürgermeister wählen. 

Gegen dem amtierenden Bürgermeister tritt Michael Schröter an. Er möchte den Bürgern ein Angebot machen, möchte kein Weiter so und setzt sich für Transparenz sowie eine ordentliche Diskussionskultur ein. Im persönlichem Gespräch zeigt er auf, was ihm wichtig ist.

Langjährig kommunalpolitisch aktiv

Bitte stellen Sie sich kurz vor?

Michael Schröter: Ich heiße Michael Schröter, bin 58 Jahre alt und Vater einer erwachsenen Tochter. Seit über 20 Jahre ist Dornburg meine Heimat. Insgesamt 15 Jahre war ich Mitglied im Gemeindevorstand Dornburg, davon zehn Jahre Stellvertreter des Bürgermeisters. Lange Zeit arbeitete ich aktiv im CDU-Vorstand als Beisitzer und Vorsitzender mit. Seit fast fünf Jahren bin ich Ortsvorsteher von Wilsenroth.
Beruflich arbeite ich seit 26 Jahren bei einer großen Sachverständigenorganisation in verschiedenen Positionen – als Sachverständiger, Teamleiter, Standort- sowie Regionalleiter und nun als fachverantwortlicher Produktmanager.

Bei den letzten Kommunalwahlen haben Sie sich aus der Gemeinde zurückgezogen und waren auf Ortsteilebene, als Ortsvorsteher in Wilsenroth, aktiv. Welcher Wunsch stand dahinter?

Michael Schröter: Ich wollte nicht im Weg stehen. Und weil ich nicht gegen meine Überzeugungen gehen wollte, habe ich auf Gemeindeebene aufgehört. Ich bin zurück ins Dorf reingegangen. Aber jetzt möchte ich, dass es anders läuft, als wie es läuft.

Was sind die Stärken von Dornburg?

Michael Schröter: Dornburg ist malerisch gelegen. Dann die Menschen – in jedem Ortsteil haben die Menschen ihre Eigenarten. Die Vielschichtigkeit an Menschen und Vereinen macht mich glücklich. Und man kann überall hingehen. Ich fühle mich hier sehr wohl.

Fehlende Informationen

Ich habe in den letzten Jahren das Gefühl, dass Kirchturmdenken in der Gemeinde hat nachgelassen. Wie ist Ihr Empfinden dazu?

Michael Schröter: Wenn man sich viele Jahre engagiert hat und dann merkt, dass sich einiges zum Negativen entwickelt hat, dann macht mich dies traurig. Eigentlich hätte Dornburg schon viel näher zusammengerückt sein müssen. Wir hatten politisch den Kirchturm mal beiseitegeschoben, doch in meinen Beobachtungen ist dieser wieder da. Bürgernähe und Zusammenarbeit ist mir wichtig. Und als ich auf Gemeindeebene aktiv war, hatten wir die Gräben fast alle beseitigt. Sie waren wesentlich geringer als heute.

Was fehlt Ihnen momentan?

Michael Schröter: Mir fehlt die Informationsdichte, die eigentlich als Loch zu bezeichnen ist. Das ist nicht schön und deswegen gibt es nicht immer nur die positiven Stimmen. Der Faden zieht sich durch und dreht sich immer um uns Menschen. Ich möchte nicht über Ängste und Resignation reden, sondern über Chancen. Wenn ich jetzt die Bürgerschaft sehe, dann haben wir Chancen, die wir nutzen können. Einmal, um zu gestalten und um zu verändern.

Wir hatten in Wilsenroth mehrere Bürgergespräche, bei dem mindestens 40 gute Vorschläge zusammenkamen, was uns im Ort fehlt. Dies waren Themen aus verschiedenen Bereichen wie dem Umweltschutz oder eine Möglichkeit zum Treffen. Wir haben einen Raum unten in der Kirche die Unterkirche, der geschlossen ist und wir nicht mehr reinkommen. Wo können wir in Zukunft feiern? Was ist mit unserer Grundschule? Wir haben uns um das Thema Mobilität gekümmert. Diese Ideen wurden zusammengetragen und dann tut sich nichts. Diese Dinge möchte ich benennen, ohne den Finger in die Wunde zu legen.

Dorfentwicklung und Wald

Dies ist jetzt alles nicht so recht greifbar. Sie wünschen sich mehr Bürgernähe, mehr Diskussionskultur auch überparteilich. Gibt es denn Dinge, welche Sie direkt benennen können, wo Sie sich mehr erwünscht hätten?

Michael Schröter: Da kann ich direkt ein Beispiel nennen – das IKEK (integrierte kommunale Entwicklungskonzept). Im November 2019 bildete sich der Steuerungskreis. Seitdem ist nichts mehr keine Beteiligung des Steuerungskreises passiert. 2020 erhielten wir im Sommer auf Nachfrage eine E-Mail, dass es im Oktober eine Zusammenfassung gebe. Aber nichts ist bis heute geschehen. Das ganze Konzept ist auf Bürgerbeteiligung ausgelegt. Es kam Corona. Doch dann hätte man eine Internetplattform gestalten können, um Ideen zu sammeln und zu informieren.

Was bisher gelaufen ist, ist vom Ergebnis her schwach. Wenn wir als Arbeitsgruppe noch nicht mal eingebunden sind, dann geht das nicht. Es ist ein wichtiges Projekt, wo wir die Chance haben, in den Dörfern und miteinander gemeinsam etwas hinzubekommen. Nehmen wir das Radwegenetz. Über die Feldwege sind wir gut miteinander verbunden, nur Langendernbach nicht. Das wäre für mich ein Anknüpfungspunkt, was wir da machen könnten. Aber wir müssen in der Öffentlichkeit darüber sprechen. Der Steuerungskreis und die Ortsvorsteher haben keine Beteiligung. Wenn ich dann in der Zeitung lese, dass alles toll ist, dann stimmt das nicht und so geht das nicht. Das funktioniert nicht. IKEK kann nicht nur im Rathaus stattfinden.

Ein weiteres Thema ist das Thema Wald. Wenn Sie an den Waldrändern entlanggehen, können Sie nur noch heulen. „Kein Konzept. Wir warten jetzt ab. Aber das ist es nicht. Im Parlament wurden Fragen dazu gestellt, aber es kam keine klare Antwort. Man möchte warten und schauen, was über die natürliche Verjüngung kommt. Das ist kein Konzept. Es gibt Wald und Wald, es hat Naherholungscharakter. Da muss man sich doch was einfallen lassen und nicht so vergammelt liegen lassen. Aber es wird nicht ernst genommen.

Sind Sie so gefestigt in der Gemeinde, dass Sie auch von den Bürgern der anderen Ortsteile wissen, was sie bewegt?

Michael Schröter: Ich weiß es nicht bis ins Kleinste. Natürlich hört man Dinge und wird angesprochen. Zum Beispiel ist in Frickhofen der Verkehr ein Thema. Ein großes Ärgernis ist auch der Ablageplatz in Frickhofen. Jedes Dorf hat sein eigenes Thema. In den Vereinen besteht teilweise Resignation. Jetzt wurden die Vereine zusätzlich finanziell unterstützt. Dieses Scheckbuch musste im Wahlkampf nicht sein. Das geht in die falsche Richtung. Wir müssen mit den Menschen Themen erarbeiten. Das Parlament muss darauf aufmerksam gemacht werden, was die Bürger wünschen. Aber wir haben eine Unzufriedenheit hier. Die Menschen haben gemerkt, dass es Chancen gibt, die nicht genutzt werden. Dies habe ich schon lange mit mir getragen. Aber wenn man nicht direkt mitwirken kann, kann man nichts ändern.

Überparteiliche Kandidatur

Haben Sie das Gefühl, dass sich auch im parlamentarischen Betrieb Dinge eingeschlichen haben, wo Sie gerne etwas ändern möchten?

Michael Schröter: Es muss Transparenz und Rechtzeitigkeit eingeführt/ eingefordert werden. Nach einer Periode im Gemeindevorstand hatte ich einen riesen Berg Papier fast bis zur Decke hier. Dabei können Papiere Dokumente heute in Echtzeit vorgelegt werden. Das muss anders werden.

Ich mache etwas nicht als Bürgermeister, sondern wir machen es. Die Rolle des Bürgermeisters sieht in meinen Augen anders als, als wie sie aktuell ist. Ein Direktkandidat ist vom Bürger gewählt und hat große Möglichkeiten, zu lenken, zu handeln und sich auszutauschen. Der Bürgermeister ist Kraft Amtes der Vorsitzende des Gemeindevorstandes. Er bereitet die Beschlüsse vor in einem Kollegialorgan. Dies bedeutet, Gleicher unter Gleichen zu sein. Er ist Leiter der Verwaltung. Dafür ist er verantwortlich. Der Gemeindevorstand besorgt nach den Beschlüssen der Gemeindevertretung die laufende Verwaltung der Gemeinde.

Das Parlament wird die nächsten sechs Jahre nur die Themen aus dem Rathaus abarbeiten.

Was würden Sie angehen, wenn Sie gewählt werden?

Michael Schröter: Ich würde dies anders tun. Gerne würde ich die Vereine an einen Tisch holen und was Dornburg-übergreifendes wie einen Vereinsring generieren. Die Vereine sind ein wichtiger Bestandteil der Gemeinde. Es ist wichtig, dass wir etwas tun, was wir alle brauchen.  Was die Gemeinschaft fördert, was das Dorfkonstrukt verbindet. Ich möchte die Menschen an den Themen mit beteiligen.

Es sind so viele Kleinigkeiten, die meiner Meinung nach zu lösen wären. Und wenn man diese alle zusammennimmt, die Bürger beteiligt, dann haben wir die Debatte, die Ideen. Und da, wo viele Ideen sind, kommen meist auch gute umsetzbare Lösungen raus. Diesen Weg würde ich gehen – politisch, mit den Bürgern, mit den Vereinen. Ich muss nicht alles allein machen. Für die Umsetzung habe ich /wir eine Verwaltung. Ich muss mich nicht hinstellen und sagen „ich habe getan“. Nein, wir machen.

Ich möchte bürgernah sein. Und ich möchte die Politik wieder auf einen Stand bringen, dass Politiker wieder stolz auf sich und ihre Arbeit sind. Derzeit ist keine Linie drin und kein Ziel. Der Weg ist von einem Haushalt zum nächsten. Das ist keine Politik für mich und das möchte ich ändern.

Sie sind CDU-Mitglied, treten aber überparteilich an?

Michael Schröter: Die CDU hat ihren eigenen Kandidaten, daher trete ich überparteilich an. Ich sehe es nicht ein, weil ich ein anderes Verständnis für die Arbeit des Bürgermeisters habe, meinen Partei-zugehörigkeit einfach aufzugeben.
Im Juni habe ich gesagt, dass ich mir vorstellen könnte zu kandidieren. Dann hat sich die CDU für Andreas Höfner festgelegt. Da war mir klar, dass ich ein eigenes Angebot an die Dornburger Bürger machen möchte. Ich möchte gerne, dass es anders wird. Das ist kein Kandidieren gegen die CDU, aber ich kann ihren Kandidaten nicht unterstützen. Ich möchte eine Veränderung haben. Und leider ist die CDU nicht bereit, eine Veränderung mitzugehen.

Mir geht es nicht um die Partei, sondern um die Menschen. Ich möchte mit ihnen wieder in die Diskussionen eintreten und Debatten führen. Am Ende entscheidet der Bürger, was er will. Aber ein „Weiter so“ wird es mit Michael Schröter nicht geben.

Wofür stehen Sie?

Michael Schröter: Ich stehe für Offenheit, Transparenz, Miteinander leben, miteinander reden, andere Meinungen zulassen. Dies ist für mich ein hohes Gut und ich lasse nichts darauf kommen.

Mehr zum Kandidaten auf seiner Homepage.

Zur Wahl in Dornburg treten zwei Kandidaten für das Amt des Bürgermeisters an.

Heike Lachnit

Ich bin freie Lokaljournalistin in der Region um Limburg. Auf HL-Journal schreibe ich über die Themen, die nicht immer in der Zeitung Platz haben oder die mir am Herzen liegen.

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