Kommentar – Miteinander reden, nicht übereinander

Der Klimawandel und was wir als Menschen machen müssen, um diesen aufzuhalten, rückt  seit einigen Monaten in den Mittelpunkt meiner journalistischen Arbeit. Neben dem Blick vor Ort vernetze ich mich deutschlandweit und nehme an verschiedenen Veranstaltungen zum Thema teil. Es ist bekannt, was wir tun müssen. In den verschiedensten Bereichen ist ein Wandel notwendig.

Ganz weit vorne rangieren dabei die Bereiche Energie und Verkehr. In beiden Bereichen braucht es eine Wende, um den Klimaschutz voranzubringen. Bei allen Veranstaltungen, an denen ich teilnehme, wird immer wieder darauf hingewiesen, dass die Ziele am besten umzusetzen sind, wenn alle mitgenommen werden. Für das Gelingen der Verkehrs- und Energiewende ist eine gesellschaftliche Verankerung durch soziale Akzeptanz entscheidend. Nur, wenn alle mitgenommen werden, können Projekte erfolgreich und mit der nötigen Akzeptanz umgesetzt werden. Ganz wichtig ist es dabei, miteinander zu reden und nicht übereinander.

Akzeptanz sinkt bei Standortfrage

Zahlen des Fraunhofer Institutes ergaben, dass die höchste Zustimmung in der Gesellschaft für erneuerbare Energien mit 92 Prozent bei Solaranlagen auf Dachflächen liegen. Die Akzeptanz sinkt bei Photovoltaik-Freiflächenanlagen und liegt da nur noch bei 74 Prozent. Und die Prozesse geraten ins Stocken, sobald es um konkrete Standorte geht. Diese Frage steht gerade auch beim Solarpark Limburg im Raum. Hier konkurrieren der Wunsch nach regional produzierten, grünen Strom sowie die Produktion regionaler Lebensmittel um die gleichen Flächen. Und es zeigt sich , dass das miteinander Reden gar nicht so einfach ist. Da findet derzeit ein übereinander Reden statt. Doch nur im Miteinander können gemeinsam die Ziele erreicht werden.

Der Anfang des Projektes verlief unglücklich. Durch die öffentliche Aufmerksamkeit wurde inzwischen die Kommunikation etwas verbessert, dennoch findet sie noch nicht auf Augenhöhe statt. Die Energieversorgung Limburg hat eine Internetseite eingerichtet, auf welcher sie alle Fragen beantwortet. Dabei geht sie auch auf verschiedene Standortanregungen ein und begründet, warum diese nicht in Frage kommen. Auch die Stadtverwaltung ist bemüht, Antworten auf Fragen zu finden. So schrieb Bürgermeister Dr. Marius Hahn an das Bundesministerium für Digitales und Verkehr, um sich zu erkundigen, ob es eine Möglichkeit gebe, eine Solarüberdachung über der A3 zu realisieren. Kurz- oder mittelfristig ist eine solche Lösung nicht in Sicht.

Die SPD Limburg brachte das Thema Agri-Photovoltaik ins Spiel. Dies wäre eine Möglichkeit, eine Fläche gleichzeitig für die Lebensmittelerzeugung wie auch die Energieerzeugung zu nutzen. Aktuell fehlen leider noch die rechtlichen Rahmenbedingungen für eine wirtschaftliche Umsetzung dieser Anlagen. Außerdem handelt es sich noch um eine sehr junge Technologie und es fehlen Zahlen aus der Praxis. Erste positive Effekte konnten nachgewiesen werden. Dennoch bedarf es weiterer Praxisanlagen, um mehr Erkenntnisse zur Akzeptanz, Wirtschaftlichkeit und den Einsatzbereichen zu erhalten. Dafür müssen jedoch Landwirte und Energieunternehmen zusammenarbeiten (Quelle Proplanta)

Miteinander reden, nicht übereinander

Für dieses Miteinander müssen neue Wege gegangen werden, um ein gemeinsames Ziel zu definieren und dieses gemeinsam umzusetzen. Dies fehlt aktuell. In den sozialen Netzwerken redet man übereinander. So lobte der SPD-Kommunalpolitiker Robert Kleinmichel, dass die SPD sehr früh in der Debatte bereits auf die Möglichkeiten der Agri-PV-Anlagen aufmerksam gemacht habe. „Von den Landwirt*innen erwarte ich, dass sie von ihrem bisherigen „Nein! Zuerst Dächer und Parkflächen“ zu einer realistischen Haltung kommen und sich den neuen Möglichkeiten auf der Fläche nicht versperren. Gleiches gilt im übrigen für einige politische Entscheidungsträger in Linter und Lindenholzhausen“, so in seinem Beitrag.

Für die FDP-Politikerin Marion Schardt-Sauer ist dies ein Beitrag, der respektlos den Landwirten gegenüber sei, die immer wieder Flexibilität und Innovationsbereitschaft zeigen. Sie vermisse den Dialog mit den Landwirten.
Der Kreisbauernverband geht auf diesen Post ein. Agri-Photovoltaik kann eine Möglichkeit sein, aber dafür sollten vorher alle anderen Optionen ausgeschöpft werden und dies sei in Limburg noch nicht geschehen. „Anstatt die Errichtung von Photovoltaikanlagen auf landwirtschaftlichen Flächen zu erleichtern und sogar explizit auf Ackerland voranzutreiben, sollte die Politik die bürokratischen Hürden zur Nutzung bereits überbauter Flächen beseitigen und die Nutzung dieser sowieso schon für die Nahrungsmittelproduktion verlorener Flächen zur Energieerzeugung ermöglichen“, so der Kreisbauernverband in seinem Statement. Gerade auch die aktuelle Situation zeige doch, wie wichtig die Nahrungsmittelproduktion vor Ort sei. Und es brauche innovative Lösungen, um dies auch in Zukunft zu ermöglichen.

Zusammen an einen Tisch setzen

Ein erster Weg wäre es, wenn sich alle an einen Tisch setzen und darüber sprechen, was die Landwirte wirklich auf dieser Fläche anbauen. Große Teile der SPD äußern immer wieder, dass dort Pflanzen für Biogasanlagen angebaut werden, jedoch keine regionalen Produkte. Der Kreisbauernverband hingegen hat schon mehr als einmal darauf hingewiesen, dass auf diesen Flächen unter anderem Kartoffeln für die Region angebaut werden, welche direkt vor Ort zu erwerben sind. Es wäre ein Anfang, miteinander ins Gespräch zu kommen. In weiteren Schritten könnten alle Beteiligten ein gemeinsames Ziel definieren und überlegen, wie eine Umsetzung mit allen Partnern möglich ist. Der momentane Weg führt nur zu Frust auf den verschiedenen Seiten und einer Verhärtung der Fronten. Es braucht mehr Miteinander im Klimaschutz und der Energiewende.

Und da ist der Solarpark nur ein Punkt innerhalb des Klimaschutzes. Die Verkehrswende muss vorangetrieben werden. Naturschutz ist ein Thema und das Sparen von Wasser ebenso. Um die Themen voranzubringen und nachhaltig etwas zu ändern, müssen Naturschutzorganisationen, Bewegungen wie Fridays for Future, die Bürgerschaft und die Kommunen zusammenkommen, um gemeinsame Lösungen zu finden und gemeinsam etwas vor der eigenen Haustüre zu bewegen.

Alle Artikel zum Thema findet ihr unter “Solarpark Limburg” sowie eine Zusammenfassung auf Instagram. 

 

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Ein Beitrag geteilt von Heike Lachnit (@hl_journal)

 

Heike Lachnit

Ich bin freie Lokaljournalistin in der Region um Limburg. Auf HL-Journal schreibe ich über die Themen, die nicht immer in der Zeitung Platz haben oder die mir am Herzen liegen.

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