#Mutmachergeschichten: Tagesstruktur und raus in die Natur

Corona wirkt auf alle Lebensbereiche ein. Mit den #Mutmachergeschichten gibt es Einblicke in die verschiedenen Themen, die von dem Virus beeinflusst sind und wie die Menschen damit umgehen. 

Anna Lena Kunz aus Limburg ist Mutter von 4 Kindern (Mio 12, Lola 11, Matti 9 und Charlie 5) und Kunstlehrerin an der Fürst-Johann-Ludwig-Schule in Hadamar. Eine Herausforderung war der Altersunterschied der Kinder und damit verbunden die verschiedenen Bedürfnisse sowie Frakturen an beiden Armen in den Sommerferien.

Anfangsschwierigkeiten im Lockdown

Im März 2020 kam für alle der Lockdown recht plötzlich. Wie jeder kämpften sie auch mit Startschwierigkeiten mit hängenden Netzen, fehlender Hardware, zwei berufstätigen Elternteilen und ohne Betreuungsmöglichkeiten von außen. „Die Kinder vermissten ihre Freunde, ihre Hobbies und ihre Großeltern“, fasst sie diese erste Zeit zusammen. „Nach dem ersten Schock war es uns von Anfang an wichtig, dass die Kinder trotz wegfallender fester Programmpunkte weiterhin eine Struktur haben.“ Dafür erstellte sie Stundenpläne der etwas anderen Art, die am Kühlschrank hingen.  Die Tage wurden von morgens bis abends aufgeteilt in „Homeschooling/Stillbeschäftigung“, „Digitale Lernzeit“ (Wissenssendungen auf dem Tablett gucken), „Hilfe im Haushalt“, „Lesen/Vorlesen“, „Bewegung im Freien“ und auch „Videospielzeit“.

Bis auf die ersten drei Wochen vor den Osterferien 2020 war Kunz als Lehrerin von Abschlussklassen durchgängig in der Schule. Vormittags kümmerte sich der Papa um die Kinder. Da er selbständig arbeitet, konnte er sich dies entsprechend einteilen. Nachmittags übernahm sie dann. Je nach Beschäftigungsphase der Kinder versuchten sie, noch nebenher etwas zu machen. „Draußenzeit und Konsolenzeit ließen kurzes paralleles Arbeiten zu“, so Kunz. Und auch abends, wenn die Kinder dann im Bett waren, saßen sie oftmals noch am Schreibtisch.

Unterschiedliche Bedürfnisse der Kinder

Die größte Herausforderung in dieser Zeit war für sie mit der Altersspagat zwischen den Kindern und die damit einhergehenden unterschiedlichen Bedürfnisse. Den Jüngsten und den Ältesten trennen sieben Jahre und sie musste den unterschiedlichen Interessen der Kinder gerecht werden. Zudem haben alle Kinder kaum Außenkontakte zu gleichaltrigen Freunden, da das jüngste Kind Charlie als ehemaliges Frühchen mit zahlreichen Komplikationen und häufigen Atemwegsinfekten Risikopatient ist. Die Atemwegsinfektionen sind nicht ohne, denn sie mussten in der Vergangenheit bereits mit stationärem Aufenthalt und Sauerstoffgaben behandelt werden. „Zwar spielen die Geschwister überwiegend sehr gut und über längere Zeit miteinander. Häufig haben sie auch nachts noch ihre Matratzen zusammengeschoben und beieinander geschlafen. Doch es gab natürlich auch Phasen, in denen sie aneinandergerieten“, so die Lehrerin.

Frakturen der Arme

Und als ob dies nicht Herausforderung genug war, zog sich Anna Lena zu Beginn der Sommerferien bei einem Fahrradsturz Fraktionen an beiden Armen zu. Dabei hatte sie einfach nur die Hoffnung, ein paar entspannte Wochen ohne den täglichen Schulstress zu verleben. Das war dann auch so ein Tiefpunkt in der ganzen Zeit. Wobei sie direkt einräumt, dass sie so richtig verzweifelt nie war. Natürlich hatte sie auch ihre Gedanken und wünscht sie wie jeder, dass „dieser ganze Mist mal ein Ende hat. Auf der anderen Seite war ihr aber auch bewusst, dass die Pandemie dazu führte, dass sie eine sehr intensive Zeit miteinander verbringen. Sicher käme eine solche eine lange Zeit nie mehr und so wollten sie von Anfang an mit Ausflügen und Erlebnissen in der Natur das Beste aus der Zeit machen.

Raus in die Natur

„Ich bin froh, dass wir es geschafft haben, alle gesund zu bleiben“, so ihre Meinung. Obwohl es bei so vielen Familienmitgliedern auch bei ihnen immer mal Schreckmomente und Quarantänen gab. „Aus Sorge um Charlie habe ich nur einen einzigen Wunsch- dass die Kinder bald eine Impfung erhalten können“, so Anna Lena. „Charlie wird bis dahin weiterhin nicht, oder allenfalls stundenweise und als einziges Kind ausgestattet mit FFP-Maske den Kindergarten besuchen dürfen.“

Auch wenn der Altersunterschied der Kinder für sie teilweise eine Herausforderung war, so waren es auch ihre vier Kindern, um gut durch die Pandemie zu kommen. „Für die Kinder war und ist es wirklich schön, dass sie sich haben und damit immer jemanden zum Spielen“, so Kunz, „und für die Erwachsene ist es schön, dass sie nicht immer mitspielen müssen.“ Sie haben viele Ausflüge in der Umgebung unternommen und sich Plätze gesucht, wo die Kinder ausgelassen spielen konnten. Mit dem Fahrrad ging es raus in die Natur und an abgelegenen Stellen wurde ein Zelt für den Tag aufgestellt und dann konnte sich jeder beschäftigen, bis er müde war.

Wichtig für Anna Lena war vor allem auch, die Kontrolle über den Medienkonsum zu behalten. „Zwar weiß ich durch die Jugendlichen in der Schule, dass das mit zunehmendem Alter immer schwieriger wird, sehe aber auch, dass der analoge Ausgleich dringend benötigt wird und dass nahezu alle Altersgruppen, wenn sie sich denn mal darauf einlassen, alternative Beschäftigungen viel erfüllender finden.“ Daher versucht sie immer, dass sich die Medienzeit und Draußenzeit in etwa die Waage halten.

Ihr habt auch eine #Mutmachergeschichte? Habt in der Pandemie neue Rituale entwickelt, etwas Neues für Euch entdeckt oder Euch neu orientiert? Dann schreibt mich gerne an info@hl-journal.de

 

Heike Lachnit

Ich bin freie Lokaljournalistin in der Region um Limburg. Auf HL-Journal schreibe ich über die Themen, die nicht immer in der Zeitung Platz haben oder die mir am Herzen liegen.

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