#Mutmachergeschichten: Wir machen weiter!

Corona wirkt auf alle Lebensbereiche ein. Mit den #Mutmachergeschichten gibt es Einblicke in die verschiedenen Themen, die von dem Virus beeinflusst sind und wie die Menschen damit umgehen. 

Für die Notfallseelsorge Limburg-Weilburg war das Jahr nicht einfach. Einsätze wie sonst waren nicht möglich, um die Mitglieder zu schützen. Der langjährige Vorsitzende Alois Heun verstarb. Das Team wurde aus verschiedenen Gründen kleiner. Ausbildungen für neue Notfallseelsorger:innen mussten aufgrund von Corona immer wieder verschoben werden. Doch die Interessenten blieben am Ball und die Vorsitzende Hedi Sehr sagt: „Wir machen weiter!“

Nicht leicht mit Corona

Seit nahezu 25 Jahren ist die Notfallseelsorge Limburg-Weilburg Teil der Rettungskette im Landkreis. Doch Corona hatte Auswirkungen auf das Team. Zu Beginn der Pandemie kamen die Mitglieder der Notfallseelsorge gar nicht mehr vor Ort, aus Angst vor dem Unbekannten. Sie halfen telefonisch, erzählt Hedi Sehr, aber das sei nicht das selbst gewesen. Bis heute werden sie nur bei besonderen Anlässen alarmiert und befinden sich aktuell nicht in der allgemeinen Alarmschleife. Dieser Schritt war notwendig, um das Team vor einen Infektion zu schützen. Erst, wenn die Inzidenz wieder unter 100 ist, wird die Notfallseelsorge wieder in die Alarmierung aufgenommen.

Hinzu kam eine Verkleinerung des Teams. Zum einen verstarb der langjährige Vorsitzende Alois Heun. Weiterhin gab es bei zwei verdienten Teammitgliedern private Veränderungen, so dass sich das Team weiter verkleinerte. Und in der Pandemie Werbung zu machen, war auch nicht leicht. Daher bedankt sich Hedi Sehr beim Ersten Kreisbeigeordneten Jörg Sauer, der Ende Mai 2020 auf die Unterstützung der Notfallseelsorge aufmerksam machte. „Dies war ein Glück für uns“, so Hedi Sehr, denn auf diesen Aufruf hin meldeten sich etliche Interessenten. Und dann musste sie diese immer wieder vertrösten, weil die Ausbildung verschoben wurde. Doch durch viele Telefonate blieben die Interessenten am Ball. Und trotz der schwierigen Zeit und den Herausforderungen war Hedi Sehr die ganze Zeit klar, nicht aufzugeben: „Ich habe die Notfallseelsorge über 20 Jahre aufgebaut, da gebe ich  nicht auf, sondern mache weiter.“

Endlich Ausbildungsbeginn

Jetzt begann endlich die Ausbildung und neun neue Mitarbeitende werden zukünftig, wenn die Ausbildung abgeschlossen ist, die Notfallseelsorge verstärken. Darüber freut sich die Vorsitzende sehr. Zwei Wochenende sind bereits geschafft, vier Wochenende liegen noch vor ihnen. Im August ist die Ausbildung beendet. Dennoch möchte Sehr die Neuen bereits mit in den Einsatz nehmen, wenn es wieder losgeht. „Ich halte die seit einem Jahr warm“, erklärt sie dies, „die wollen jetzt alle aktiv werden.“  Am Ende der Ausbildung werden die Teilnehmenden zertifiziert.

Im Basis-Seminar gibt es eine fundierte, fachliche Grundlage über den Malteser Hilfsdienst durch die Ausbilder Rainer Boos, Heinz-Georg Muth und Regina Stelzer unter der Koordination von Sebastian A. Schindler, stellvertretenden Diözesanreferent Psychosoziale Notfallversorgung (PSNV). Die ersten beiden Wochenende fanden am Priesterseminar in Limburg statt. Zwei der neuen Mitarbeiterinnen sind Andrea Köhler aus Falkenbach sowie Grit Rodestock aus Weilburg. Beiden ist die Arbeit der Notfallseelsorge nicht fremd, sind ihre Männer bei der Freiwilligen Feuerwehr tätig. Und so haben sich beide auch schon länger mit dem Gedanken befasst, das Team der Notfallseelsorge zu unterstützen.

Länger mit dem Gedanken befasst

Bei Andrea Köhler waren es bisher Beruf und Kinder, welche ein Engagement verhinderten, aber jetzt passte alles. Seit 1,5 Jahren ist sie schon dabei und sie gibt ehrlich zu, dass sie zwischendurch auch der Mut verließ. „Es hat sich einfach nichts getan“, erinnert sie sich. Aber Hedi Sehr wie auch ihre Familie sprachen ihr gut zu. Und so fasst sie den Ausbildungsbeginn mit einem Wort zusammen: „Endlich!“ Sie habe großen Respekt vor der Arbeit, freue sich aber auch darauf. „Es ist ein tolles Team, auch wenn ich es bisher nur online kennengelernt habe“, so Köhler. Und sie wird nicht nur Teil des Teams, sondern hat kommissarisch auch die Aufgabe der Stellvertreterin übernommen. „Nach zwei Wochen habe ich schon das Gefühl von einem Team“, so Köhler abschließend.

Auch Grit Rodestock befasst sich schon länger mit dem Gedanken. Sie möchte etwas Gutes tun und den Menschen in schwierigen Situation helfen. Sie hat Achondroplastie und ist kleinwüchsig. Für sie steht daher auch die Frage mit im Raum, wie die Betroffenen auf sie reagieren. Sie hat schon viel erlebt in ihrem Leben und möchte die Erfahrungen gerne an andere weitergeben. Bisher engagierte sie sich als stellvertretende Vorsitzende im Verein der Freiwilligen Feuerwehr und erhält immer viele positive Rückmeldungen. „Wenn ich etwas anfange, möchte ich es auch zu Ende bringen“, so Rodestock. In dem Team fühlt sie sich gut aufgehoben. Es ist eine nette, offene Gruppe ohne Distanzierungsgefühlen. Nun möchte sie nach draußen gehen und den Menschen mit ihrer positiven Ausstrahlung helfen. Und sie gibt zu, dass diese Arbeit trotz Handicap gut für ihr Selbstwertgefühl ist.

Wunsch nach mehr Integration

Leider musste sich die Notfallseelsorge auch von zwei Teammitgliedern verabschieden, die sich beruflich verändern und aus dem Landkreis wegziehen. Karin Couvé war drei Jahre lang Teil des Teams. Auch sie musste damals in ihrer Anfangszeit lange warten, bis ihr ein Ausbildungsangebot gemacht werden konnte. Für 14 Jahre bedankte sich Hedi Sehr bei Elisabeth Geller, welche seit 2007 viele Bereitschaften und Einsätze geleistet hat. „Hat Elisabeth die Bereitschaft übernommen, war ihr Auto stets gesattelt und die Einsatzklamotten griffbereit“, erinnert sich Sehr in ihren Dankesworten. Nach dem Tod von Alois Heun übernahm sie kommissarisch den stellvertretenden Vorsitz. Sie war als zuverlässig und souverän bei der Zentralen Leitstelle bekannt.

Leider bremste Corona ein weiteres wichtiges Thema aus. Seit Jahren bemüht sich Hedi Sehr darum, dass die Notfallseelsorge besser in das gesamte Rettungsdienst-System des Landkreises integriert wird. „Wir gehören zum Rettungsdienst, wenn es um die Ausbildung geht“, so Sehr, „aber nicht, wenn es um die Impfungen geht.“ Dabei leisten sie einen wichtigen Beitrag, was die Vorsitzende durch Zahlen belegen kann. Im Jahr 2019 betreute die Notfallseelsorge bei 192 Einsätzen 806 Menschen in besonders belastenden Situationen. Und selbst in der Corona-Pandemie leistete die Notfallseelsorge noch 132 Einsätze mit der Betreuung von 385 Menschen. In diesem Jahr wurde das Team bereits zu 40 Einsätzen alarmiert. Und dabei finden Alarmierung bisher nur in besonderen Situationen statt, um die Mitarbeiter zu schützen.

Nach der Immunisierung des Teams sowie einer Inzidenz unter 100 könne das Team wieder für umfangreichere Alarmierungen über den Meldeempfänger zur Verfügung stehen. Neben den Einsätzen vor Ort hält das Team als Prävention den Vortrag „Stress und Stressbewältigung für Einsatzkräfte“. Und sie stehen für die Einsatznachsorge zur Verfügung. „Das Führungsteam freut sich auf Normalität, damit die monatlichen Treffen wie Supervision, Dienstabende sowie verschiedene Ausbildungsmodule zur Unterstützung der Einsatzbereitschaft der Mitarbeitenden wieder stattfinden können“, so Hedi Sehr abschließend.

Ihr habt auch eine #Mutmachergeschichte? Habt in der Pandemie neue Rituale entwickelt, etwas Neues für Euch entdeckt oder Euch neu orientiert? Dann schreibt mich gerne an info@hl-journal.de

Heike Lachnit

Ich bin freie Lokaljournalistin in der Region um Limburg. Auf HL-Journal schreibe ich über die Themen, die nicht immer in der Zeitung Platz haben oder die mir am Herzen liegen.

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