Nein zum ungebremsten Flächenverbrauch – Jetzt!

Pressemitteilung – Dem ungezügelten Flächenverbrauch im Landkreis ein Ende setzen! So lautet die Zielsetzung, welche in einer Videokonferenz verschiedener Naturschutz- und Flächenschutzverbände, Bürgerinitiativen, politischer Gruppierungen und dem Kreisbauernverband Limburg-Weilburg kürzlich erörtert wurde.

So fordert die „Bürgerinitiative Blumenrod V und VI – So nicht!“, nicht nur den geplanten Flächenverbrauch der nächsten Jahre, sondern auch den der letzten 40 Jahre im Landkreis detailliert offen zu legen. Dies soll zum Aufzeigen des Ausmaßes des Landverbrauchs im Landkreis dienen.

Zuwachs der versiegelten Fläche um 27,7 Prozent

Michael Albrecht vom „Bundesbündnis Bodenschutz“ hat dies überregional für ganz Deutschland schon getan: „Von 1992-2019 hat sich die versiegelte Fläche in Deutschland von 40.305 Quadratkilometer auf 51.489 Kilometer erhöht, ein Zuwachs um 27,7 Prozent. Eine unglaubliche Steigerung um über 11.000 Quadratkilometer, über die Hälfte der Gesamtfläche des Landes Hessen. Hier ist nun kein Ackerbau mehr möglich. Regen, der insgesamt weniger geworden ist, kann durch die
Versiegelung nicht mehr versickern und läuft sehr rasch und ungenutzt ab, die Grundwasserneubildung findet also nur noch eingeschränkt statt“, stellt Albrecht fest.

Für Norbert Bandur von der „Bürgerliste Beselich“ stellt sich weiterhin die Frage, wie sich die geforderte Agrarwende mit einer stärkeren Zuwendung zu ökologischer Landbewirtschaftung mit dem Flächenverbrauch vereinbaren lässt. „Der Ökolandbau benötigt eine wesentlich größere Fläche für die gleichen Erträge. Brauchen wir dann nicht unser Land zur Nahrungsmittelproduktion?“

Einig waren sich alle Teilnehmer der Konferenz darüber, dass alle Möglichkeiten des „Nachverdichtens“ sowie ein Leerstandsregister in allen Kommunen des Landkreises
angewendet bzw. erstellt werden sollten. „Neue Siedlungsgebiete bringen auch immer neue Verkehrs- und Konsuminfrastruktur mit sich. Es wird also gleich doppelt Land zerstört“, lautet eine der Feststellungen.

Interesse an Baulandverkauf

Die Kritik, Landwirte würden ihre Flächen auch stets gerne zur Verfügung stellen, konnte der Geschäftsführer des Kreisbauernverbandes, Jonas Bachmann, zumindest teilweise entkräften: „Viele Flächen sind nicht im Eigentum der Landwirte, sondern gepachtet. Die Eigentümer sind bei den gebotenen Preisen am Baulandverkauf sehr interessiert“, so Bachmann. „Dies gilt dann letztlich auch für die wenigen Eigentumsflächen der Landwirte“, stellte Kreislandwirt Jürgen Engel dazu fest. „Geld regiert eben leider die Welt“.

In regelmäßigen Abständen wollen sich die Akteure nun abstimmen, um gemeinsam gegen den Flächenverbrauch vorzugehen. Dies versicherten sich alle Beteiligten bei einem Fototermin am Rande des Gewerbegebietes Obertiefenbach. Genug Platz für ein Bild selbst in Coronazeiten war für alle vorhanden – auf einer geplanten Erweiterungsfläche des Gebiets, über 6 ha groß.

Auf dem Foto vom Kreisbauernverband befinden sich folgende Personen v.l.n.r.: Norbert Bandur, Bürgerliste Beselich; Barbara Sylla-Belok, Bürgerinitiative Blumenrod & „Laudato si“; Michael Albrecht, Bundesbündnis Bodenschutz; Jonas Büger, Landwirt; Herwig Steinitz, BI Blumenrod & „Laudato si“; Jürgen Engel, Kreislandwirt Limburg-Weilburg; Marco Hepp, Vorsitzender KBV Limburg-Weilburg e.V. sowie Gerd Zimmermann, BUND Limburg-Weilburg

Lesenswert dazu auch „Umdenken muss in der Gesellschaft stattfinden“ – in dieser Podiumsdiskussion zum Thema Klimaschutz und Umwelt kam auch der Punkkt Flächenfraß zur Sprache. Zu hoch sei dieser und es sei bisher nicht gelungen, diesen zu reduzieren. 

Heike Lachnit

Ich bin freie Lokaljournalistin in der Region um Limburg. Auf HL-Journal schreibe ich über die Themen, die nicht immer in der Zeitung Platz haben oder die mir am Herzen liegen.

One thought on “Nein zum ungebremsten Flächenverbrauch – Jetzt!

  • 1. Mai 2021 um 22:29
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    Es ist schon eine besondere Nachricht, wenn sich Landwirtschaft, Naturschützer und kirchliche Gruppen geimeinsam gegen den nach wie vor (zu) hohen Flächenverbrauch in Deutschland wenden. Die Ziele sind in der Nachhaltigkeitsstrategie der Bundesregierung klar gesetzt, doch beachtet werden sie nicht. Das Thema wird einfach vor Ort nicht ernst genommen, obwohl das Baugesetzbuch und andere Regelwerke den Vorrang für die Innenentwicklung nennen. Bauen auf der grünen Wiese geht eben leichter als qualitiätsvolle Weiterentwicklung des vorhandenen Bestandes. Den Kommunen fehlt es am Willen und dem Fachpersonal dafür und in der Welt der Architekten und Stadtplaner setzt sich erst langsam die Erkenntnis durch, dass der Entwicklung des Bestands die Zukunft gehört. Bodenschutz ist Klimaschutz, auch diese Erkenntnis muss noch wachsen, denn durch die Versiegelung wird wertvoller Boden dauerhaft vernichtet, die Wärmeabstrahlung erhöht sich und die Überflutungsgefahr bei Starkregen steigt. Alles keine neuen Erkenntnisse, doch die Verantwortlichen vor Ort ignorieren das. Den Initiatoren möchte ich an dieser Stelle viel Erfolg wünschen, denn ohne den öffentlichen Druck wird der Flächenfrass ungebremst weiter gehen, im Landkreis Limburg-Weilburg und überall.

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