Nicht meckern, sondern machen – Stark im Ehrenamt

Ein wichtiges Ehrenamt ist das Engagement in der Kommunalpolitik. Dieses Engagement ist nicht nur mit viel Zeit verknüpft. Es ist ein Amt mit viel Verantwortung, denn sie tragen eine große Verantwortung für ihre Kommunen und die Bürger.

Vor der Kommunalwahl waren ein Drittel der SPD-Fraktion in Weilmünster Frauen, nach der Wahl sind es die Hälfte. Einige der Frauen haben sich vorher noch nicht kommunalpolitisch engagiert. Nach knapp acht Monaten kommunalpolitischen Wirkens sind sie überzeugt, dass es genau der richtige Weg war. Denn statt zu meckern und nur von außen auf das Geschehen zu blicken, sei es viel besser, mitzuwirken und dadurch etwas zu bewirken.

Auf dem Foto seht ihr von links: Ann-Kathrin Jung, Christian Horn, Kathrin Mangi, Larissa Radu und Monika Christ

Gemeinsam etwas bewirken

Die vier Frauen, die einen kleinen Einblick in ihre erste Zeit in der Kommunalpolitik geben, sind sich einig, dass die erste Zeit etwas anstrengend war, aber sie äußern sich alle froh, diesen Schritt gegangen zu sein. Denn jetzt können sie gemeinsam etwas bewirken. Monika Christ wollte eigentlich nur für den Ortsbeirat Wolfenhausen kandidieren. Dieser unterstützte sie und ihre Mitstreiter 2019 bei einer Bilderausstellung zur 850-Jahr-Feier. Davor habe sie auch schon einen Ortsbeirat erlebt, der nicht viel machte. Und da sie merkte, wie leicht etwas geht, wenn man es zusammen macht, hatte sie „richtig Lust darauf“, selbst im Ortsbeirat aktiv zu werden. SPD-Mitglied war sie schon davor, seit rund 30 Jahre. Engagiert hatte sie sich bisher nie und zwischendurch wollte sie sogar austreten. Aber jetzt hatte sie es gepackt. Und dann kam noch Rudi Baumann auf sie zu und meinte, Wolfenhausen müsste auch in der Gemeindevertretung präsent sein. Und inzwischen ist sie die Fraktionsgeschäftsführerin der SPD Weilmünster. „Es ist viel Arbeit, aber sehr spannend“, so ihre Zusammenfassung.

Von null auf 100

Larissa Radu hat keinerlei Vorerfahrung mit Kommunalpolitik, auch nicht über die Familie. Viele Jahre machte sie auch einen großen Bogen um die Politik. Bei ihr war es auch eher das Interesse an der Arbeit im Ortsbeirat in Ernsthausen, der sie zur Kommunalpolitik führte. Christian Horn, Ortsvorsteher von Weilmünster, warb sie dann auch für die Gemeindevertretung. Sie habe sich aufstellen lasse, wer weiß, ob sie überhaupt gewählt werde. Mit der Kommunalwahl kam für sie totale Wende, praktisch von null auf 100. Denn sie wurde nicht nur in den Ortsbeirat gewählt, nein sie ist auch die Ortsvorsteherin. Und sie sagt: „Ich bereue nichts. Es ist eine Entscheidung für mich, für die Gemeinde und für den Ortsteil.“ Natürlich muss sie sich in viele Themen einarbeiten, lernt sehr viel Neues und es ist für sie auch die Möglichkeit, sich selbst und ihre Gedanken zu einem Thema selbst zu reflektieren.

Ganz anders mit Ann-Kathrin Jung. Ihr Vater Helmut Jung war der Erste Kreisbeigeordnete des Landkreises Limburg-Weilburg und Politik somit auch immer zu Hause gegenwärtig. Wobei das nicht viel heißen muss, wie sie aufzeigt, denn ihre zwei großen Schwestern haben kein Interesse an Politik, während Ann-Kathrin sich stark für die Politik interessiert und ihr Bruder Daniel Jung erster Stadtrat in Braunatal ist. In der Schule faszinierte sie das Thema sehr und mit 13 Jahren trat sie bereits in die SPD ein. Besonders faszinierte sie der Ausspruch von Otto Wells (SPD) in seiner letzten freien Rede im Deutschen Reichstag: „Freiheit und Leben kann man uns nehmen, unsere Ehre nicht.“ Schon damals zeigte ihr dieses Zitat, was Politik allesbewirken kann und für sie war es mit die Erkenntnis, „ich kann was bewegen, wenn ich mich einbringe.“

Mentoring für Frauen

Kathrin Mangi war schon immer engagiert im Ort: „Ich bin ein richtiges Dorfkind und habe mich in den Vereinen engagiert.“ Das Projekt Bankpate fand sie total klasse. Hierbei wurden Paten für eine Bank gesucht, welche jetzt rund um Weilmünster zum Verweilen einladen. Darüber kam sie in Kontakt mit Christian Horn, welcher sie für die Mitarbeit im Ortsbeirat und der Gemeindevertretung geworben hat. Parallel dazu habe sie sich aber auch mit einigen Frauen auf den Weg gemacht und alle Parteien besucht, denn in Weilmünster waren zu wenige Frauen und der Altersdurchschnitt der Kommunalpolitiker zu hoch. Sie wollte von den Parteien wissen, warum sie sich für diese oder jene Partei aufstellen lassen sollte. „Die SPD hat mir am besten gefallen und ich habe mich für sie aufstellen lassen“, so Mangi. Sie sei nach der Wahl auch vom Kreisfrauenbüro zum Mentoring-Programm eingeladen worden und schöpft diese Möglichkeit auch aus. Ihre Mentorin ist Kommunalpolitikerin aus Villmar und gibt ihr somit nochmal einen ganz anderen Blick auf Themen, als wie sie selbst hat. Sie habe viele Menschen seit der Wahl kennengelernt, was sie sehr toll findet. Ohne dieses Engagement hätte sie sich dieses Netzwerk wohl kaum aufbauen können.

Keine paritätische Wahlliste

Christian Horn, welcher sehr aktiv in der Werbung für neue Kommunalpolitikerinnen war, erzählt, dass sie die Stimmzettel zwar nicht paritätisch besetzt hätten wie die anderen SPD-Verbände im Landkreis. Aber dennoch habe der Wähler für eine paritätische Zusammensetzung gesorgt. „Unsere Frauen sind nicht im Parlament wegen der Frauenquote, sondern wegen ihrer Mitarbeit“, so Horn. Das Mentoringprogramm findet er großartig. Er würde sich wünschen, dass es ein solches Programm auch für junge Männer gebe, um ihnen die Angst vor einem kommunalpolitischen Engagement zu nehmen.

Und die Damen sitzen nicht nur im Parlament, sondern sie bewirken auch etwas. Kathrin Mangi, welche als Erzieherin mit Kindern zu tun hat, hat sich stark für ein Kinder- und Jugendparlament gemacht. Ihr Vorbild seien dabei die Strukturen aus Villmar, während der Jugendpfleger in Weilmünster andere Strukturen im Sinn hat. Dabei hat sie kein Problem damit, dass unterschiedliche Ideen existieren. Wenn das Thema umgesetzt wird, dann ist es ihr gelungen, die anderen Kommunalpolitiker mit ihrer Idee mitzunehmen. Das Thema kam immer wieder bei ihr zu Hause auf, wenn Freunde ihrer Kinder zu Besuch waren. Sie würden einen Raum für sich vermissen. Da formte sich in ihrem Kopf die Idee, dass die Jugendlichen in Weilmünster eine eigene Stimme bräuchten. Die erhalte manchmal mehr Gehör, als wenn der Jugendpfleger die Ideen der Jugendlichen weitergibt.

In der letzten Gemeindevertretersitzung in Weilmünster war die Einbeziehung von Kindern und Jugendlichen Thema. Der Antrag der Sozialdemokraten wurde einstimmig angenommen und in den Ausschüssen weiter diskutiert (Quelle Mittelhessen, 01. Dezember 2021)

Heike Lachnit

Ich bin freie Lokaljournalistin in der Region um Limburg. Auf HL-Journal schreibe ich über die Themen, die nicht immer in der Zeitung Platz haben oder die mir am Herzen liegen.

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