Ohne uns ist Stille – Solidarität mit der Veranstaltungsbranche

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Unter dem Begriff Kulturgesichter machen derzeit deutschlandweit Menschen aus der Veranstaltungsbranche aufmerksam auf ihr Los während der Corona-Pandemie. Unter ihnen auch die regional bekannte Sängerin Diane King und der Projektmanager Uli Heene.

Schwarz-weiße Bilder vor schwarzem Hintergrund, die Arme vor der Brust verschränkt, kein Lächeln auf dem Gesicht. Davor der Schriftzug „Ohne uns ist Stille“, darunter der Vorname, der Beruf und seit wie vielen Jahren in der Branche tätig – diese Bilder sind derzeit in den sozialen Netzwerken zu finden. Deutschlandweit finden Fotoaktionen unter dem Titel „Kulturgesichter“ statt, um ein Zeichen für die Menschen aus der Veranstaltungsbranche zu setzen. In Koblenz fotografiert Herbert Piel unter „Kulturgesichert056“ die Personen. Die Menschen aus der Veranstaltungsbranche haben seit März keine Aufträge, keine Auftritte und somit auch keine Einnahmen.

Veranstaltungsbranche geht leer aus

Die Veranstaltungsbranche betraf es als erstes. Noch vor dem ersten Lockdown als der Virus in Deutschland mit einzelnen Fällen angekommen war, wurden die Veranstaltungen abgesagt. Es bestand dann die ganze Zeit die Hoffnung, dass im Herbst ein Re-Start gelingen könnte. Doch statt dessen steigende Zahlen, ein erneuter Lockdown light, welcher wohl noch verschärft wird. Laut dem deutschen Kulturrat wurden im ersten Lockdown über 80.000 Veranstaltungen abgesagt. Ein aktuellere Statistik war nicht zu finden, aber die Zahl dürfte inzwischen sechsstellig sein.

Kulturgesichter ist nur eine weitere Aktion, welche sich in die verschiedenen Aktionen der Branche einreiht. Unter „Alarmstufe rot“ finden sich alle Aktionen. Vom 22. auf den 23. Juni wurden deutschlandweit Gebäude rot angestrahlt in der „Night of light“ – auch hier im Landkreis leuchteten einige Gebäude auf. Alle diese Aktionen weisen darauf hin, dass einem kompletten Wirtschaftszweig die Arbeitsgrundlage entzogen wurde und für einen Großteil der Menschen auch die Soforthilfen nicht greifen. „Die Veranstaltungswirtschaft steht auf der Roten Liste der akut vom Aussterben bedrohten Branchen!“, ist auf einer Seite zu lesen.

Das Problem, was diese Branche hat und welches immer wieder aufgegriffen wird, ist die große Heterogenität dieser Branche. Es sind nicht nur die Sänger:innen, Schauspieler:innen oder Musiker:innen, welche auf der Bühne stehen. Es sind die Techniker:innen, Manager:innen, die Busfahrer:innen für die Tourenfahrten, Dozent:innen oder Karnevalist:innen. Und diese Heterogenität macht es so schwierig, diese zusammenzufassen. Die einen haben Lagerhallen und Mitarbeitende, wofür sie Soforthilfen noch geltend machen konnten. Aber die Künstler:innen, welche nur ihre eigene Person haben, konnten bisher keine Hilfe geltend machen. Und so kommt es bereits jetzt dazu, dass die Branche kleiner wird, denn die ersten geben auf und halten nicht weiter durch.

Kontakt zur Branche suchen

Uli Heene würde sich freuen, wenn die Politiker mal mit den Menschen aus der Branche reden würden, statt nur über sie. „Fragt sie, wie es ihnen geht!“, so Heene, „doch ihr hört nicht richtig zu.“ Als Projektmanager hat er recht früh umgesattelt und verkauft Desinfektionsmittel sowie Zubehör. „Ich kann einigermaßen davon leben“, so Heene. Dennoch ärgert ihn die Situation. Niemand von außen würde so richtig die Veranstaltungsbranche durchblicken und über 80 Prozent der Beschäftigten fallen durch das Raster der Soforthilfen hindurch. Es gebe über 150 Berufsgruppen in der Branche, doch von außen weiß das niemand.

„Einige sind bereits jetzt kaputt und die Branche wird rein aus wirtschaftlichen Gründen kleiner“, so der Ellarer. Er hofft, dass es im Sommer oder Herbst 2021 mit Auflagen langsam wieder losgehen kann. Mit dem Planen von Veranstaltungen halten sich jedoch derzeit alle zurück. Und dennoch muss er sagen, dass diese Krise auch gezeigt hat, auf wenn er sich verlassen kann und wo er sich sicher ist, dass es nach der Krise weiter geht. Dabei komme ihm zugute, dass er immer ehrlich mit seinen Partner umgeht und dies erhält er jetzt auch zurück.

Unterhaltung fehlt

Die Sängerin Diane King ist semiprofessionell neben ihrem Vollzeitjob unterwegs. Finanziell trifft es sie nicht so sehr, aber einige ihrer Bekannten müssen schauen, wie sie zurecht kommen. Sie spricht noch einen ganz anderen Bereich an. „Die Unterhaltung, der Spaß auf der Bühne und die Kommunikation zu den Menschen fehlen“, so King. Sie hat daher an der Aktion teilgenommen, weil die Musik auch anderen Menschen gut tut. „Ich kann nicht verstehen, dass den Menschen die Kultur genommen wird“, bedauert sie. Die Verträge der abgesagten Auftritte für 2020 wurden erstmal ins nächste Jahr übernommen. „Jeder hofft, dass es im nächsten Jahr weitergeht.“ Für sie wäre eventuell bei Neustart eine Lösung, das ganze Jahr über Veranstaltungen mit guter Musik anzubieten und es nicht auf einzelne Events zu beziehen.

Und so ist es in diesem Jahr sehr ruhig geworden. Vereinzelt fanden zwar Gartenkonzerte im kleinen Rahmen statt, doch die dürfen kaum zum Unterhalt gereicht haben. Keine Konzerte, keine Theatervorstellungen, keine anderen Veranstaltungen. Einiges wurde mit Livestreams aufgefangen, doch ein Liveevent lässt sich dadurch nicht ersetzen. Wobei Diane King und Uli Heene die Krankheit nicht verharmlosen. Doch sie fordern eine kritischere Betrachtung der Branche und damit auch bessere Hilfen für alle Betroffenen.

Kopfschütteln zu neuen Soforthilfen

Mit dem neuen Lockdown light Anfang November hatte es den Anschein, dass die Politik die Situation der Veranstaltungsbranche erkannt hat und diese mit in ihr Soforthilfeprogramm mit einbezogen hat. Wer aufgrund der Maßgaben im November nicht arbeiten könnte, könne als Soforthilfe 75 Prozent der Einnahmen vom November 2019 geltend machen. Die Initiative #Alarmstufe Rot äußert sich dazu wie folgt „Novemberhilfe der Bundesregierung ist ein 10 Mrd. Euro teurer Etikettenschwindel“, denn die Hürden im Kleingedruckten seien so hoch, dass die meisten der Veranstaltungsbranche wieder durchs Raster fallen. Und weiter heißt es: „„Die Regierung betreibt gerade eine kolossale Triage. Sie beurteilt, welche Branchen rettungswürdig sind und welche Wirtschaftszweige Deutschland in Zukunft nicht mehr braucht.“ (Quelle Pressemitteilung #AlarmstufeRot)


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Heike Lachnit

Ich bin freie Lokaljournalistin in der Region um Limburg. Auf HL-Journal schreibe ich über die Themen, die nicht immer in der Zeitung Platz haben oder die mir am Herzen liegen.

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