PM Grüne Hadamar/Dornburg – Denkmal Graue Busse für Hadamar

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Mitte Juni 2020 hat der Haupt- und Finanzausschuss der Stadtverordnetenversammlung Hadamar mit Mehrheit festgelegt, dass ein Abguss des von dem Kasseler Künstler Horst Hoheisel und von Andreas Knitz geschaffenen Mahnmals „Grauer Bus“ am Bahnhof errichtet wird.

Der Bündnis 90/ Die Grünen Ortsverband Hadamar/ Dornburg begrüßt dieses Mahnmal und damit verbunden die geschichtspolitische Aufarbeitung als Mahnung, das nach wie vor Gefahren für die Demokratie bestehen.

Nationalsozialistische Verbrechen auf dem Mönchberg

Mit dem Mahnmal des Grauen Bus wird die Erinnerung an das von 1941 bis 1945 in der ehemaligen Landesheilanstalt auf dem Mönchberg begangene national-sozialistische Verbrechen des Krankenmordes an rund 15.000 Menschen einen Platz im Herzen der Stadt finden. Der Bündnis 90/ Die Grünen Ortsverband begrüßt geschichtspolitisch diese Entscheidung und hofft, dass sie – ähnlich wie das Gedenken an die NS-Verbrechen, der Vertreibung und Ermordung der Hadamarer Bürger jüdischen Glaubens, die Zwangsarbeit und Repression von SA und Gestapo gegen kritische Menschen und Priester von der Bevölkerung angenommen und helfen wird, nach wie vor bestehende Gefahren für die Demokratie abzuwehren.

Sicher wird die Gedenkstätte mit ihrer wissenschaftlichen Basis das künftige Erinnerungszeichen in der Nähe des Bahnhofs gut dokumentieren und in ihre Arbeit einbeziehen. Denn die Mordopfer kamen nicht nur mit Bussen an. Am Bahnhof trafen in den Jahren 1943 und 1944 mit Zügen insbesondere zahlreiche psychisch kranke Kinder und Jugendliche aus der sogenannten Heilanstalt Hamburg-Langenhorn ein, was historisch gut belegt ist, und an dem neuen Mahnmal erläutert werden könnte.

Ähnliches gilt für Transporte Jugendlicher zum Beispiel aus Wien, die in keiner Weise erkrankt oder körperlich eingeschränkt waren, sondern in Hadamar als jüdisch geltende Menschen ermordet wurden. Der frühere Leiter der Gedenkstätte Hadamar, Georg Lilienthal, hat darauf in einem stark beachteten Beitrag 2009 ( www.medaon.de/de/artikel/juedische-patienten-als-opfer-der-ns-euthanasie-verbrechen/ ) aufmerksam gemacht.

Geschichtliche Aufarbeitung notwenig

Die Kontroversen im Hadamarer Land zur Errichtung eines in der Stadt sichtbaren Ortes der Erinnerung haben deutlich gemacht, dass einerseits geschichtliche Aufklärung notwendig bleibt, aber andererseits starke humanistische Empathie für die Opfer der Nazi-Verbrechen und ihrer Folgen aktivierbar sind.
Von 1939 bis 1945 wurden mehr als 300.000 kranke Menschen in deutschen psychiatrischen Pflege- und sogenannten Wohlfahrtseinrichtungen umgebracht. Dieser Massenmord kann nicht ohne die Vernichtung der deutschen und europäischen jüdischen Bevölkerung ab 1941 betrachtet werden.

Die Tötungsaktion „T4“ (benannt nach dem Sitz des Berliner Organisationsbüros in der Tiergartenstraße 4), erfolgte zwar auf unmittelbare Anordnung Adolf Hitlers schon 1939, aber mit Unterstützung der wissenschaftlich einflussreichsten deutschen Psychiater. Das zunächst bis 1941 gegen die kranken Menschen eingesetzte Mordmittel durch Kohlenmonoxid in Gaskammern wurde später in der Vernichtung europäischen Jüdinnen und Juden perfektioniert.

Ab 1942 erfolgte die Tötung unter anderem der Kinder wie den erwähnten aus Hamburg und Wien, durch überdosierte Medikamente, meist per Injektion, vorenthaltener medizinischer Hilfe oder durch einfaches verhungern lassen. Viele der nationalsozialistischen Täter entgingen einer Strafe.

Drei in Hadamar aktive Täter wurden in den „Hadamar Trials“ vor Gericht gestellt und am 14. März 1947 hingerichtet.
Die Einrichtung des Mahnmals kann entsprechend Anerkennung der Verbrechen und als Symbol der Hoffnung auf die Versöhnung mit der Vergangenheit betrachtet werden kann. Indem man sich erinnert, kann Heilung geschehen und für die Gegenwart gelernt werden.


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Heike Lachnit

Ich bin freie Lokaljournalistin in der Region um Limburg. Auf HL-Journal schreibe ich über die Themen, die nicht immer in der Zeitung Platz haben oder die mir am Herzen liegen.

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