PM St. Vincenz – Diabetes ist heilbar und vermeidbar

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Diabetes Typ 2, der so genannte Altersdiabetes, ist nicht nur heilbar, sondern auch vermeidbar – und beides relativ einfach: durch eine gesunde Lebensweise, insbesondere durch eine Low-Carb/Flexi-Carb-Ernährung, also einer kohlenhydratarmen Ernährung. Dies war die Kernbotschaft eines Vortrags von Professorin Helene von Bibra, Kardiologin mit diabetologischer Spezialisierung und Ernährungsmedizinerin, aus München.

Die Referentin sprach auf Einladung der Lions Clubs aus Limburg, Diez, Weilburg und Wetzlar im Katharina-Kasper-Konferenzraum im St. Vincenz-Krankenhaus Limburg. Der Titel ihres Vortrags: „Prävention durch Vermeiden von Insulinresistenz, dem Übeltäter zwischen Kohlenhydraten und Kalorien“. Im Anschluss an den Vortrag nutzten zahlreiche Besucher die Gelegenheit, persönlich mit der Referentin ins Gespräch zu kommen. Viele Besucher nahmen das Angebot am Rande des Vortrags wahr, ihren Langzeitblutzuckerwert bestimmen zu lassen, um so ihr Risiko, an Diabetes zu erkranken, einschätzen zu können.

Diabetes ist heilbar und vermeidbar: mit Low-Carb!

 415 Millionen Menschen weltweit sind an Diabetes Typ 2 erkrankt, gab Professorin Helene von Bibra zu bedenken. Im europäischen Vergleich habe Deutschland die höchste Zuwachsrate: mit rund 1 400 Neuerkrankungen täglich! Patienten mit Diabetes Typ 2 drohten Fußgeschwüre bis hin zur Amputation, Nierenversagen, Erblindung, Schlaganfall und Herzinfarkt. Dabei gibt es durchaus einfache und effektive Maßnahmen zur Prävention: ein gesunder Lebensstil, insbesondere eine gesunde Ernährung. „Es ist wissenschaftlich erwiesen, dass mit Low-Carb, also einer kohlenhydratarmen Ernährung, hohe Blutzuckerwerte und somit hohe Insulinspitzen vermieden werden können“, so die Referentin. In der Folge verbesserten sich dadurch unter anderem die Blutdruckwerte, Herzfunktion, Leistungsfähigkeit sowie die Insulinsensitivität.

Typ 2 als Stoffwechselstörung

Diabetes Typ 2 ist eine Stoffwechselstörung. In 90 Prozent der Fälle hervorgerufen durch chronische Überernährung. Ausführlich erläuterte die Referentin die Mechanismen im Körper, durch die Diabetes entsteht. Der übermäßige Konsum an Nahrung, insbesondere von Kohlenhydraten, führt nicht nur zu einem bauchbetonten Übergewicht, sondern auch zur Insulinresistenz. Der Körper habe keine Kapazitäten mehr, das Überangebot an Glukose zu verarbeiten. Dadurch werde der Fettstoffwechsel gestört. Es folgen Fehlregulierungen der Durchblutung sowie eine Überlastung der Bauchspeicheldrüse. In der Folge entwickelten sich verschiedene Erkrankungen, darunter diverse kardiovaskuläre Krankheiten sowie Diabetes. „Eine Insulinresistenz ist eine Stoffwechselreaktion des Körpers bei übermäßigem Konsum von Kohlenhydraten im Verhältnis zur Bewegung“, so Helene von Bibra, „genetisch angepasst ist unser Körper eigentlich auf Hungerphasen. Verzehrte, aber nicht benötigte Kalorien können also nicht ausgeschieden werden.“ Die gute Nachricht: die gestörten Stoffwechselreaktionen seien durch Nahrung beeinflussbar und eine Insulinresistenz sei sogar umkehrbar.

Richtiges Essen ist wichtig

Deshalb sei das richtige Essen wichtig. Unsere Nahrung besteht aus Fetten, Kohlenhydraten und Eiweiß. Fette hatten über lange Zeit einen schlechten Ruf – zu Unrecht, wie die Referentin sagte. Denn Fette sorgen für immerhin vier bis fünf Stunden für ein Sättigungsgefühl, wie auch Eiweiße. Fett sei ein guter Energielieferant. Eiweiß sorge für Wachstum und Zellersatz und sei als Lieferant bis ins hohe Alter wichtig für die Zellerneuerung. Kohlenhydrate dagegen sättigten nur für etwa zwei bis vier Stunden, würden alle in Glukose umgewandelt und führten alle zur Insulinausschüttung. Ein ständig hoher Insulinspiegel führe zur Resistenz und schließlich zu Fettablagerungen in Gewebe und Bauch, wodurch wiederum die Insulinresistenz verstärkt werde. Dadurch steige das Risiko nicht nur für Diabetes, Arteriosklerose, Herzinfarkt und Herzversagen, sondern auch das Krebsrisiko. Anschaulich schilderte die Medizinerin die Rolle des Glykämischen Index‘ und die Auswirkungen der verschiedenen Nahrungsmittel auf den Insulinspiegel. Die Vorteile von Low-Carb-Kost gegenüber fettarmer Ernährung liegen auf der Hand: . In zahlreichen Studien konnte wissenschaftlich nachgewiesen werden, dass Low-Carb zur Gewichtsreduktion führt bei gleichzeitiger Sättigung sowie Verbesserung von Blutdruck, Herzfunktion, Leistungsfähigkeit und Insulinresistenz sowie  Reduktion von Blut- sowie Langzeitzucker. Diabetiker konnten durch Low-Carb-Ernährung ihre Diabetes-Medikamente zumeist auf die Hälfte reduzieren und brauchten teilweise kein Insulin mehr zu spritzen.

Pilotprojekt desLions Clubs

Um viele Menschen über die Möglichkeiten zur Prävention und Therapie von Diabetes aufzuklären, haben Lions Clubs im vergangenen Jahr ein internetbasiertes Pilotprojekt durchgeführt. Aufgrund der damit erzielten Erfolge startet ab 1. Juni 2019 auf Initiative von Helene von Bibra und unterstützt von der AG Diabetes, Lions Deutschland, nun die interaktive Website Mindcarb. Diese bietet Informationen und Einsichten in den Zusammenhang von Essen, Stoffwechsel und Krankheiten an und für angemeldete Teilnehmer Anleitung und Betreuung während der zwölfwöchigen Umstellung auf Low-Carb/Flexi-Carb-Ernährung. Ihr Anliegen: Viele Menschen zu erreichen und zu motivieren, um den Diabetes Typ 2 zurückzudrängen.

Infolge der dramatischen Zunahme der Erkrankung haben die Lions Clubs weltweit dem Diabetes den Kampf angesagt. Dr. Peter Rothkegel, District-Governor, hat den Diabetes zum Jahresthema auch der hiesigen Lions Clubs erhoben, die sich somit der Kampagne angeschlossen haben. Dr. Ulrike Valeske, Past-Präsidentin des „Lions Clubs Limburg-Goldener Grund“ und Zonenleiterin: „Wir wollen die Bevölkerung wachrütteln und möglichst viele Menschen mit der Botschaft, dass man durchaus etwas dagegen tun kann, erreichen“, sagte sie. „Denn Diabetes hat sich inzwischen zu einem Kostenfaktor entwickelt, der die Volkswirtschaft stark belastet.“


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Heike Lachnit

Ich bin freie Lokaljournalistin in der Region um Limburg. Auf HL-Journal schreibe ich über die Themen, die nicht immer in der Zeitung Platz haben oder die mir am Herzen liegen.

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