PM St. Vincenz – Plötzlicher Herztod – Vorboten erkennen und richtig reagieren

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Alptraum plötzlicher Herztod – scheinbar ohne Anlass hört das Herz auf zu schlagen. Betroffen können nicht nur Menschen mit entsprechenden Vorerkrankungen sein, sondern auch junge, scheinbar gesunde Sportler. Welche möglichen Vorboten es eventuell doch gibt und wie man sich am besten schützen kann, erläuterten kardiologische Experten im Rahmen der Herzwochen 2019 in der Limburger Stadthalle.

Im Nachgang beantwortet Prof. Dr. Stephan Steiner, Chefarzt der Kardiologie am St. Vincenz-Krankenhaus Limburg, im Interview die wichtigsten Fragen.

Die Vorboten erkennen und richtig reagieren

Ein Interview mit Chefarzt Prof. Dr. Stephan Steiner anlässlich der Herzwochen 2019

 Alptraum plötzlicher Herztod – scheinbar ohne Anlass hört das Herz auf zu schlagen. Werden keine Gegenmaßnahmen durchgeführt, tritt nach etwa zehn Minuten der Tod ein. Das auch als „Sekundentod“ bezeichnete Krankheitsbild kann nicht nur Menschen mit entsprechenden Vorerkrankungen treffen – auch junge, aktive, scheinbar gesunde Sportler können gefährdet sein. Wie man sich am besten schützen kann, welche möglichen Vorboten es eventuell doch gibt und weitere wichtige Fragen beantwortet Chefarzt Prof. Dr. Stephan Steiner  im Interview:

 Jedes Jahr fallen dem plötzlichen Herztod etwa 65.000 Menschen zum Opfer – allein in Deutschland. Gibt es Risikogruppen, die besonders gefährdet sind?

Steiner: In den meisten Fällen liegt dem plötzlichen Herztod die sogenannte koronare Herzkrankheit zugrunde – eine Durchblutungsstörung des Herzmuskels aufgrund von Einengungen der Herzkranzgefäße. Diese kann zu einem Herzinfarkt oder einer Herzschwäche führen. Bei jüngeren Patienten vor dem 40. Lebensjahr können Herzmuskelentzündungen, angeborene Herzfehler sowie genetisch bedingte elektrische Herzerkrankungen einen plötzlichen Herztod begünstigen.

Was können diese Risikogruppen tun, um einem plötzlichen Herztod vorzubeugen?

Steiner: Das Allerwichtigste ist, Symptome schon vor dem Eintreten der Notfallsituation zu erkennen. Das Problem dabei ist, dass die Patienten im Voraus häufig nur uncharakteristische Beschwerden verspüren und diese falsch einschätzen. So können sich Herzerkrankungen ganz unterschiedlich äußern. Bei Frauen sind im Falle einer koronaren Herzkrankheit beispielsweise oft leichte Brust- oder Rückenschmerzen oder auch ein Unwohlsein unter Belastungsbedingungen ein Äquivalent zur klassischen Angina Pectoris (Brustschmerz); oft werden diese Warnzeichen von PatientInnen unterschätzt. Dabei wäre es bei solchen Symptomen wichtig, sie eben nicht auf die leichte Schulter zu nehmen, sondern von einem Arzt abklären zu lassen.

Sport gilt bekanntermaßen bei vielen (Herz-)krankheiten als gesundheitsfördernd. Dennoch gibt es Fälle, bei denen Leistungs-, aber auch Amateursportler, während des Trainings einen plötzlichen Herztod erlitten. Geht mit dem Sporttreiben also eventuell doch ein erhöhtes Risiko für einen plötzlichen Herztod einher?

Steiner: Kardiologen sind Freunde des Sports und im Gegensatz zu früher vertritt man heutzutage die Meinung, dass auch Patienten mit Herzschwäche oder nach Herzinfarkt sich durchaus körperlich belasten sollten. Die Frage, ob beispielsweise Extremsport, wie etwa ein Marathonlauf, wirklich gesund oder sinnvoll ist, kann kontrovers diskutiert werden. Beispielsweise brach der Legende des antiken Marathonlaufs nach der Bote Pheidippides auf dem Athener Marktplatz zusammen, nachdem er etwa 40 km gerannt war, um den Sieg über die Perser zu verkünden. In jedem Fall würde ich empfehlen, sich vor dem Beginn einer leistungssportlichen Tätigkeit auch kardiologisch untersuchen zu lassen. Noch ein kurzes Beispiel: Ein Gewichtheber auf olympischem Niveau hat teilweise während des Gewichthebens einen Blutdruck von bis zu 330 mmHg (maximal systolischer Wert) – das kann auf Dauer nicht gesund sein. Also deshalb: lieber sportmedizinische Vorsorgeuntersuchungen machen lassen oder eben diese ganz großen Belastungen meiden. Das ist aber meine ganz persönliche Meinung.

Der Begriff „plötzlicher Herztod“ suggeriert, dass dieser die Betroffenen quasi jederzeit ohne Vorwarnung ereilen kann. Gibt es keine Vorboten, mit Hilfe derer man einen drohenden plötzlichen Herztod erkennen kann?

Steiner: Im Extremfall gibt es keine Vorboten. Wir werden auch nie in der Lage sein, den plötzlichen Herztod in jedem Falle zu vermeiden oder zu behandeln. Bei den sogenannten Ionenkanal-Erkrankungen des Herzens beispielsweise sind die Patienten jung, sportlich, aktiv und werden quasi von jetzt auf gleich synkopal (fallen um) und ihr Kreislauf bricht zusammen. Diese Patienten suchen vorher in der Regel keinen Arzt auf, da sie überhaupt kein Krankheitsgefühl verspüren. Wir werden es also nicht immer schaffen, Vorboten zu erkennen und den plötzlichen Herztod zu vermeiden. Allerdings können wir bei den anfangs genannten Risikopatienten durchaus Symptome erkennen, Diagnosen stellen und daraufhin zielgerichtete Therapiepläne festlegen.

Wie sollten Umstehende reagieren, wenn vor ihnen ein Mensch scheinbar grundlos zusammenbricht?

Steiner: Sie sollten auch jeden Fall reagieren und sie sollten vor allen Dingen keine Angst haben. Man kann nichts verkehrt machen, denn ohne Hilfe tritt der Tod mit Sicherheit ein.
Die Deutsche Herzstiftung empfiehlt folgende vier Schritte:

  1. Prüfen: Überprüfen Sie, ob die betroffene Person ansprechbar ist und kontrollieren Sie ihre Atmung.
  2. Rufen: Machen Sie auf sich aufmerksam und verständigen Sie den Notruf (112).
  3. Drücken: Das wohl Wichtigste: Bis der Rettungswagen eintrifft, muss eine Herzdruckmassage durchgeführt werden. Dabei drücken Sie mit gestreckten Armen das Brustbein des Bewusstlosen etwa 5 bis 6 cm ein – und das ca. 100 bis 120 Mal in der Minute.
  4. Schocken: Falls zwei Helfer vor Ort sind, kann einer der beiden in der Umgebung nach einem Defibrillator suchen, während der andere weiter Wiederbelebungsmaßnahmen durchführt. Ist ein Defibrillator vorhanden, kann dieser eingesetzt werden, um Kammerflimmern zu beseitigen. Das Sprachmodul des Geräts gibt Anweisungen hierfür.

Im Erste-Hilfe-Kurs wird im Rahmen der Reanimation auch die Atemspende (Mund-zu-Mund-Beatmung) gelehrt. Kann die „einfache“ Herzdruckmassage ohne Atemspende denn überhaupt eine lebensrettende Wirkung haben?

Steiner: Ja, sie kann auf jeden Fall lebensrettend sein. Denn ihr Vorteil ist, dass sie vielleicht eher eingesetzt wird, während es gegenüber der Mund-zu-Mund-Beatmung erhebliche Hemmschwellen gibt. Im Blut ist noch ein Restsauerstoffgehalt vorhanden. Die einfache Herdruckmassage sorgt dafür, dass die Blutzirkulation erhalten bleibt und der noch vorhandene Sauerstoff dadurch ins Gehirn transportiert wird bis die Rettungskräfteeintreffen. Sofern Wissen um die Beatmung vorhanden ist, kann diese natürlich eingesetzt werden. In diesem Fall sollten Kompressionen und Beatmung in einem Verhältnis von 30 zu zwei (mit etwa zwei Kompressionen pro Sekunde) erfolgen.


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Heike Lachnit

Ich bin freie Lokaljournalistin in der Region um Limburg. Auf HL-Journal schreibe ich über die Themen, die nicht immer in der Zeitung Platz haben oder die mir am Herzen liegen.

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