PM Stadt Limburg – Elf neue Stolpersteine in Limburg

Teilen erwünscht

Elf neue Stolpersteine sind heute, Mittwoch, von Gunter Demnig an drei Standorten in Limburg und Eschhofen verlegt worden, allein acht Steine am Missionshaus der Pallottiner. Insgesamt weisen nun 108 Stolpersteine in der gesamten Stadt auf Opfer des nationalsozialistischen Regimes hin.

Die Taufe von polnischen Kindern, der Vorwurf von „Lebensmittelschiebungen“, Umgang mit Kriegsgefangenen oder die Weigerung, gegen Mitbrüder auszusagen, sie zu denunzieren – es gab viele Gründe für die Geheime Staatspolizei in der NS-Zeit, Brüder der Pallottiner in Limburg zu verhaften, sie ins KZ zu sperren. Nun erinnern neun Stolpersteine in der Stadt an Patres und Brüder, die Opfer des NS-Regimes wurden.

Stolpersteine für Zeugen der Mitmenschlichkeit

„Die Erinnerung darf nicht enden.“ Mit dieser Aufforderung von Bürgermeister Dr. Marius Hahn startete die siebte Stolpersteinverlegung in Limburg. Zu den bereits vorhandenen 97 Stolpersteinen kamen am Mittwoch, 20. März, elf neue hinzu, acht davon am Missionshaus der Pallottiner in der Wiesbadener Straße. Auch die Pallottiner wurden Opfer des menschenfeindlichen Systems der Nationalsozialisten. Neben den acht Stolpersteinen am Missionshaus erinnert ein weiterer Stein an einen Pallottiner. In Eschhofen verlegte der Künstler Gunter Demnig einen Stolperstein vor dem Pfarrhaus. Dort war der Pallottinerpater, der in Eschhofen als Pfarrkurat tätig war, von der Gestapo am 22. Dezember 1942 abgeholt worden.

Die Pallottinerbrüder Franz Xaver Maier und Eduard Ossowski starben in der Haft, die Patres Joseph Friedrich, Karl Jacob Friedrich, Johannes Gerharz, Heinrich Schulte, Johannes Wimmer und Wilhelm Poiess sowie der Bruder Karl Mopper überlebten Gestapo-Haft und Konzentrationslager und kehrten nach Freilassung oder der Befreiung wieder nach Limburg zurück.

Für Pater Markus Hau, Missionssekretär der Pallottiner, sind die verlegten Steine die Aufforderung, über sie zu stolpern und sich zu vergegenwärtigen, weshalb die Menschen, an die sie erinnern, verfolgt wurden. Die Verfolgten haben nach seiner Einschätzung die Regeln der Mitmenschlichkeit beachtet und gelebt und damit gegen die Gebote der NS-Diktatur verstoßen, deren Ziel die Zerstörung der Mitmenschlichkeit gewesen sei. Die Stolpersteine forderten auch dazu auf, Widerstand gegen alle Bestrebungen zu zeigen, die die Durchsetzung des Ich oder eines Wir als kleine Gruppe in einer großen Gemeinschaft predigten.

Schulen wohnen der Verlegung bei

Bürgermeister Hahn zeigte sich froh darüber, dass nicht nur Vertreter der Pallottiner oder der Landtagsabgeordnete Tobias Eckert, sondern auch verschiedene Schulen an der Verlegung der Stolpersteine teilnahmen. Am Missionshaus der Pallottiner waren es Schüler*innen der benachbarten Goethe-Schule. In der Diezer Straße, dort wurden zwei Stolpersteine für das jüdische Ehepaar Jenny und Samuel Salomon verlegt, die an einem unbekannten Ort ermordet wurden, stießen Schülerinnen und Schüler der Theodor-Heuss-Schule hinzu.

Die Klasse 9bR der Leo-Sternberg-Schule begleitete die Stolpersteinverlegung an den drei Standorten Missionshaus, Diezer Straße und Eschhofen. Die Schülerinnen und Schüler verlasen jeweils Kurzbiographien der Opfer, die Stadtarchivar Dr. Christoph Waldecker zusammengestellt hatte.

Schulleiter Attilio Forte erinnerte daran, dass verschiedene Minderheiten Opfer der NS-Zeit wurden. Es sei eine wichtige Aufgabe der Erinnerungskultur, eine Wiederholung solch schrecklichen Geschehens zu vermeiden. Die Leo-Sternberg-Schule begleitet als Patenschule die Stolpersteinaktion, sammelt Gelder und säubert zum Beispiel auch die bereits verlegten Steine.

„Quantensprung der Erinnerungskultur“

Rabbiner Shimon Großberg begleitete die Stolpersteinverlegung ebenso wie Pater Leo mit einem Gebet. Elena Kopirovskaja als Vorsitzende der jüdischen Gemeinde bezeichnete die Stolpersteine und die von Gunter Demnig ins Leben gerufene Aktion als „Quantensprung der Erinnerungskultur“. Die Steine mit den Namen und biografischen Angaben, die grundsätzlich vor dem letzten frei gewählten Wohnsitz der Opfer verlegt werden, würden eine Begegnung im Alltag ermöglichen. „Geschichte wird erfahrbar im Schicksal von einzelnen Personen“, so die Vorsitzende der jüdischen Gemeinde.

Im Jahr 2013 wurde in Limburg nach einem Beschluss der Stadtverordnetenversammlung damit begonnen, Stolpersteine zu verlegen. Mit der jüngsten Aktion verteilen sich über die Stadt nun 108 Stolpersteine. Finanziert wird die Verlegung durch Spenden. So hat das Gemeinschaftswerk der Freunde Lions Club fünf der nun elf verlegten Steine finanziert. Die Leo-Sternberg-Schule sammelte im vergangenen Dezember 340 Euro. Ein Stolperstein kostet 120 Euro. Wer einen Beitrag zu dem Projekt leisten möchte, kann dies mit einer Überweisung auf das Konto der Stadt bei der Volksbank Rhein-Lahn-Limburg, IBAN DE 14 5709 2800 0000 7602 18 unter dem Verwendungszweck Stolpersteine tun.

Für weitere Auskünfte steht Stadtarchivar Dr. Christoph Waldecker telefonisch unter (06431) 203-368 zur Verfügung, per E-Mail an: christoph.waldecker@stadt.limburg.de.


Teilen erwünscht

Heike Lachnit

Ich bin freie Lokaljournalistin in der Region um Limburg. Auf HL-Journal schreibe ich über die Themen, die nicht immer in der Zeitung Platz haben oder die mir am Herzen liegen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.