Podiumsdiskussion zu Mobbing und Stalking – Die Opfer sind nicht alleine

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Stalking und Mobbing sind Formen psychischer Gewalt, die in der Schule, der Familie, im Berufsleben oder auch im Wohnumfeld auftreten können. Wie sich die beiden Begrifflichkeiten voneinander unterscheiden und welche Möglichkeiten die Betroffenen haben, war Thema einer Podiumsdiskussion, organisiert von Joachim Veyhelmann, MdL.

Mobbing ist die regelmäßige, wiederholte, seelische Schikane eines Einzelnen, häufig durch eine Gruppe. Stalking hingegen ist die regelmäßige Nachstellung eines Opfers durch einen Täter, was zur physischen und psychischen Bedrohung ausarten kann. Der Täter möchte sein Opfer kontrollieren. Während Mobbing bereits in der Schule Thema werden kann, kommt Stalking häufig bei Erwachsenen und da häufig nach einer Trennung.

Phänomen von verschiedenen Seiten betrachten

Da psychische Gewalt in jeglicher Form sehr stark verbreitet ist, lud Joachim Veyhelmann, MdL zu einem Podium ein, um das Thema von verschiedenen Seiten zu betrachten. Zum einen muss sich die Politik dem Thema annehmen, um die Rahmenbedingungen zu schaffen, um Opfer zu schützen und Täter zu bestrafen. Was es bisher gibt, stellte Rainer Franosch, stellvertretender Abteilungsleiter vom Hessischen Justizministerium, vor. Wie die gesetzlichen Rahmenbedingungen von der Polizei angewendet werden, zeigte Frank Göbel, Leiter der Polizeidirektion Limburg-Weilburg auf. Bei diesem Thema geht es nicht nur darum, die Täter zu bestrafen. Da die Opfer seelische Belastungen erfahren, ist es wichtig, über die Bestrafung der Täter auch den Opfern zu helfen. Wie dies im Schulumfeld aussehen kann, erklärte der Schulpsychologe Dr. Gregor Kuhn, vom Staatlichen Schulamt Lahn-Dill sowie Céline Sturm, Referentin für Kriminalprävention vom Weissen Ring.

Gesetze brauchen ihre Zeit

Auch wenn rechtliche Bedingungen geschafft werden sollen, dauert es manchmal seine Zeit, bis ein Gesetz rechtskräftig war. So war Hessen das erste Bundesland, welches den strafrechtlichen Handlungsbedarf beim Stalking erkannte, so Rainer Franosch. 2004 gab es den ersten Gesetzesentwurf. Es dauerte dann nochmal bis 2007, bis der Stalking-Paragraf in Kraft trat. Damals wurden noch nicht alle Forderungen von Hessen mit umgesetzt. Das Gesetz setzte voraus, dass das Opfer nachweisen musste, dass eine schwerwiegende Beeinträchtigung der Lebensumstände vorlag. 2010 gab es eine deutliche Verbesserung des Gesetzes durch eine effektivere Ausgestaltung, wodurch sich auch der Opferschutz maßgeblich verbesserte. Eine weitere Verschärfung erfolgte 2017. Dadurch ist es für die Opfer leichte, Vorfälle zur Anzeige zu bringen. Und die Staatsanwaltschaft muss jeden Sachverhalt ermitteln und abschließend bescheiden, darf ihn nicht mehr auf den Privatklageweg verweisen.

Was sich nur sehr schwierig gestaltet, ist die Verfolgung von Cybermobbing. Der Zugriff im Internet erweist sich als sehr schwierig. Seit 2011 besitzt Hessen eine spezielle Ermittlungseinheit für Cyberkriminalität. Leider fehlen nötige Werkzeuge wie die Vorratsdatenspeicherung, um Kriminelle dingfest zu machen. Zudem sind die Strafen für Beleidigungen im Internet noch viel zu niedrig als das sie abschreckend wirken, so Franosch.

Mobbing als Gruppenphänomen

Der Schulpsychologe Dr. Georg Kuhn beschränkte sich auf die Schule und das Phänomen Mobbing. Hierbei handelt es sich häufig um ein Gruppenphänomen, bei dem sehr oft die Gruppenhierarchie auch eine Rolle spielt. Für die Opfer ist es sehr belastend, im Zentrum einer solchen Dynamik zu stehen, weshalb es wichtig sei, diese schnell zu klären und aufzulösen. Dabei sei es wichtig, diese Fälle zuerst in der Schule direkt zu lösen. Mobbing tritt in allen Schulformen auf, kommt gehäuft zwischen acht und 15 Jahren vor. Es gibt keine Anzeichen oder Charakteristika, die jemanden zum Opfer oder zum Täter werden zu lassen. Was heute erschwerend hinzukommt, ist das Internet. Auf den Plattformen ist eine viel größere Gruppe mit einbezogen. Dieser Konflikt ist schwerer zu lösen und für die Betroffenen auch eine größere Last.

Erschwerend kommen auch die Eltern hinzu. Es ist zwar positiv, dass diese im stärkeren Maße Anteil nehmen. Aber sie mischen sich auch stärker ein, was zu Problemen bei der Lösung führen kann. Auch werden dadurch häufig neue Konfliktfelder eröffnet, obwohl der eigentliche Konflikt bereits längst geklärt ist. Kuhn wies darauf hin, dass es wichtig ist, Verhaltensveränderungen bei den Schülern ernst zu nehmen. Sollte psychische Gewalt stattfinden, dann sollte diese schleunigst geklärt werden. Damit es gar nicht erst soweit kommt, sind Gewaltpräventionskonzepte an den Schulen wichtig.

Polizei als erste behördliche Instanz

Frank Göbel, Leiter der Polizeidirektion, erzählte, dass die Polizei häufig die erste behördliche Instanz ist, mit der die Opfer in Berührung kommen. Daher sei es auch wichtig, mit dem nötigen Fingerspitzengefühl mit den Betroffenen zu agieren. Daher existiert seit 2005 eine Handlungsleitlinie, um gemessen mit den Betroffenen umzugehen. Behutsam sollte mit ihnen umgegangen werden, wenn jemand kommt, muss er ernst genommen werden. Das subjektive Empfinden der Opfer ist wichtig und für die Opfer besitzen die Erstmaßnahmen eine hohe Bedeutung.

12 Prozent der Menschen in Deutschland werden einmal im Leben gestalkt. Die Täter kommen aus allen sozialen Schichten, wobei 80 Prozent der Täter männlich sind und zwischen 30 bis 40 Jahren. Bei 50 Prozent handelt es sich um den Ex-Partner. Es fängt oftmals mit Kleinigkeiten an, welche die Opfer als noch nicht so schlimm empfinden. Daher fehlen häufig die Beweise, was sich negativ auf die Straferfassung auswirkt. Daher ist es für die Polizei wichtig, sich Zeit für das Opfer zu nehmen, zu erfassen, was bisher geschah, um einzuschätzen, wie groß die Gefahr ist. Von der Polizei her ist es wichtig, die Opfer nicht heimzuschicken mit der Empfehlung, es privat zu klären. Sondern es erfolge eine erste Intervention mit Konfrontation des Täters. Damit weiß dieser, dass er nicht mehr unbeobachtet ist und in der Anonymität handelt. Und den Opfer wird geraten, das Stalking transparent zu machen und der Familie, Bekannten oder Nachbarn davon zu erzählen für eine soziale Kontrolle.

Begleitung der Opfer

Damit die Opfer nicht alleine sind, gibt es Opferhilfen wie den Weissen Ring. Vom Gang zur Polizei bis hin zum Prozess ist dies für die Opfer eine hohe Belastung, welche sie nicht alleine meistern müssen. Sie hören dem Opfer zu und vermitteln ihm als erstes, dass es nicht ihre Schuld ist. Céline Sturm vom Weissen Ring hat schon häufiger die Erfahrung gemacht, dass die Opfer den Stalker noch romantisierten, denn es zeuge von großer Liebe. Aber es handelt sich eben nicht um ein Kavaliersdelikt, sondern um eine Straftat. Sie unterstützen die Opfer, mit der Situation zurecht zu kommen, zeigen rechtliche Mittel auf und stehen den Opfern zur Seite.

Durch fehlende Beweismittel gibt es viele Dunkelfälle und auch keine hohen Verurteilungen. Dem möchte der Weisse Ring mit etwas an die Hand geben und hat die App NO STALK entwickelt. Damit können die Opfer sämtliche Attacken direkt dokumentieren, was auch Gültigkeit bei der Polizei besitzt. Neben der Beratung der Opfer leistet der Weisse Ring sehr viel Prävention- und Aufklärungsarbeit, um die Menschen über Anzeichen und Folgen von Mobbing aufzuklären.

Es war eine sehr informative Podiumsdiskussion, die nur an der Oberfläche kratzte, denn das Thema ist sehr vielfältig. Es zeigte sich jedoch auch, dass sehr viel getan wird, um die Situation der Opfer in der Strafverfolgung zu verbessern. Und das es für die Opfer einige Anlaufstationen gibt, um Hilfe zu erhalten.



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Heike Lachnit

Ich bin freie Lokaljournalistin in der Region um Limburg. Auf HL-Journal schreibe ich über die Themen, die nicht immer in der Zeitung Platz haben oder die mir am Herzen liegen.

Ein Gedanke zu „Podiumsdiskussion zu Mobbing und Stalking – Die Opfer sind nicht alleine

  • 16. März 2020 um 12:06
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    Mein Name ist Lucyna Rogowski. Ich bin ein Opfer von Mobbing. Ich will mich dagegen wehren aber das was ich bis jetzt erlebt und erreicht habe ist ein Witz. Die Wirklichkeit schaut so aus das die Mobber mit Gruppengewalt Bekanntschaften Intrigen und Geld erreichen das was die wollen. Als Opfer schauen sie nur Unmachtig zu. Und das trotz Gesatze.

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