Radfahren im Trend – doch wie ist es um die Infrastruktur bestellt?

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Radfahren liegt seit Beginn der Corona-Pandemie voll im Trend. Doch wie ist es um die Infrastruktur für Radfahrer im Landkreis bestellt? 

Immer mehr Radfahrer sind auf den Straßen unterwegs. Dies ergibt das subjektive Gefühl, wenn man draußen ist. Dies berichten Kommunalpolitiker und Fahrradhändler. Und dies zeigt sich auch an der Teilnahme am Stadtradeln, welches derzeit in Hadamar und Bad Camberg läuft. Doch parallel dazu häufen sich auch die Hinweise, dass die Infrastruktur vor Ort nicht sehr gut ausgebaut ist. Es wird auf Mängel und fehlende Möglichkeiten aufmerksam gemacht. Fridays For Future demonstrierte sogar mit dem Fahrrad, um auf die Belange der Radfahrer hinzuweisen. Im letzten Kreistag war sogar der Lahntalradweg Thema.

Stadtradeln in zwei Kommunen

In Bad Camberg treten seit zwei Wochen 228 Radelnde in die Pedale. Von den insgesamt 37 Kommunalpolitikern beteiligen sich insgesamt neun an der Aktion. Etwas wenig, wenn bedacht wird, dass die Aktion ursprünglich für die Parlamentarier ins Leben gerufen wurde, damit sie einen Perspektivwechsel erhalten, der dann in ihre Entscheidungen  mit hinein fließt. In 37 Teams wurden bereits 28.555 Kilometer geradelt, was einer Einsparung von vier Tonnen Kohlendioxid entspricht.

In Hadamar dreht sich seit einer Woche das Zweirad. 85 aktiv Radelnde sind unterwegs. Von den 55 Parlamentariern beteiligen sich sieben. Insgesamt sind 27 Teams am Start. Mit 4.796 Kilometern sind bereits eine Tonne Kohlendioxid eingespart worden.

Im letzten Jahr nahm auch die Kreisstadt Limburg daran teil. Im Mai hieß es noch, dass es trotzt Corona stattfinden soll, aber anders als in den vergangenen Jahren und mit dem Kreis zusammen. Doch bisher wurde aus der Richtung nichts verkündet. In ganz Deutschland nehmen derzeit 1.449 Kommunen daran teil und treten 21 Tage in die Pedale. Bis Ende Oktober können sich Kommunen noch an der Aktion „Radeln für ein gutes Klima“ beteiligen.

Fehlende Infrastruktur

Die Aktivisten von Fridays for Future – Gruppe Limburg/ Diez fordern, die Innenstädte fahrradfreundlicher zu gestalten. Zwar gebe es in der Innenstadt von Limburg einige gute Ansätze wie die Fahrradschutzstreifen oder die roten Markierungen vor den Ampeln. Doch leider sind diese nicht stringent durch das gesamte Stadtgebiet durchgezogen, so dass es bereits problematisch wird, wenn man von der Innenstadt in die Ortsteile möchte.

Das Thema Radwege ist auch in anderen Kommunen Thema. Die Gemeindevertretung Elz möchte prüfen lassen, ob ein Radweg von Elz nach Malmeneich realisiert werden kann und der R8 nach Limburg soll besser ausgebaut werden. Hier kritisierten Bürger, dass beim Neubau der Brücke über den Elbbach Radfahrer in keiner Weise berücksichtigt wurden. In Hadamar haben sich die Grünen spezielle Gedanken zum R8 gemacht und wie dieser verbessert werden kann. Da hätte die Gemeinde ein Zeichen setzen können. In Elbtal sind die Kommunalpolitiker dran, ein Rad- und Fußwegenetz zu verbessern und auszubauen. In anderen Kommunen besteht das Problem, dass Radwege einfach im Nirgendwo enden (Oberselters) oder nicht hinreichend ausgeschildert sind (Bad Camberg). Auch fehlt manchem Radelnden eine Übersicht über die Möglichkeiten zum Aufladen der E-Bikes.

Im Landkreis wird derzeit ein Nahmobilitätscheck finalisiert und dann den Gremien zur Beratung vorgelegt. Dies ist für Ende August geplant. Eine Umsetzung bis zum Ende der Legislaturperiode sieht die Kreisverwaltung jedoch nicht. Unabhängig davon haben die Kommunen jedoch die Möglichkeit, Infrastrukturprojekte, zu denen auch Radwege zählen, über den Zukunftsfonds „Starke Heimat“ bezuschussen zu lassen.

100.000 Euro für einen Kilometer Radweg

Die FDP Limburg-Weilburg wollte im Kreistag wissen, wie es sich mit dem Lahntalradweg verhält, der bekannteste Radweg in der Region. Die Frage zielte speziell darauf ab, welche Abschnitte sanierungsbedürftig sind, was es kosten würde und welche Stellen zu eng sind. Aus der Antwort durch Landrat Michael Köberle (CDU) geht hervor, dass ein vernünftiger Ausbau mit der Mindestbreite von zwei Metern 100.000 Euro pro Kilometer kosten würde. Für die gesamte Strecke müssten jedoch erstmal alle Mängel erfasst werden sowie die Ausbaubedarfe, um die Höhe des Sanierungsbedarfes einschätzen zu können. Zudem könnten einige Teilabschnitte aus naturschutzrechtlichen Gründen nicht mit einer Asphaltdecke ausgebaut werden und in manchen Wegabschnitten fehlt einfach die Fläche, um breite Abschnitte umzusetzen.

Im einzelnen geht der Landrat in seiner Antwort auf die Teilabschnitte ein. Als mäßig befahrbar gelten Streckenkilometer 151 in Weilburg, 160 in Weinbach, 163 und 164 am Lahnufer Fürfurth sowie die Strecke zwischen Arfurt und Aumenau. Als gut bis sehr gut befahrbar gelten die Abschnitte in Villmar und Runkel. Bei der Bewertung der Abschnitte richtet sich der Landkreis nach den Kriterien vom ADFC. Als enge Streckenabschnitte unter zwei Meter Breite gelten Streckenkilometer 153 bis 159 in Weilburg, 160 bis 162 in Weinbach, 167 in Villmar, 179 in Runkel, 184 in Dehrn und 189 in Limburg.

Für die Erfassung der Schäden ist eine komplette Befahrung und Erfassung möglich, für die es derzeit keine Ressourcen gibt. Die Baulast bei Mängeln am Weg liegt in der Zuständigkeit der jeweiligen Kommunen. Laufende Ausbesserungsarbeiten sind nicht im Gesamtzusammenhang erfasst. Die Kreisverwaltung begleitet die Kommunen fachlich beim Ausbau.

 

 


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Heike Lachnit

Ich bin freie Lokaljournalistin in der Region um Limburg. Auf HL-Journal schreibe ich über die Themen, die nicht immer in der Zeitung Platz haben oder die mir am Herzen liegen.

3 Gedanken zu „Radfahren im Trend – doch wie ist es um die Infrastruktur bestellt?

  • 23. August 2020 um 5:43
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    Fahrräder werden meiner Meinung nach im Landkreis noch nicht als ernstzunehmende, alltagstaugliche Verkehrsmittel angesehen. Limburg – alle Orte – müsste dazu im gesamten Stadtgebiet zumindest Fahrspuren für Fahrräder ausweisen, mehr Wegweiser in Nachbarorte, wie es sie für für Autofahrer gibt, installieren und Autofahrer*innen zur grundsätzlichen Rücksichtnahme aufrufen.

    Groben Schotter oder dicke Splitbeläge halte ich als Oberflächenbelag bei Radwegen für nicht gut geeignet, weil sie schwer zu befahren sind.

    Versetzte, doppelte Einfahrsperren an Radwegen sind manchmal so eng gesetzt, dass ich als Radfahrerin absteigen muss. Einfache Sperren genügen m. E. völlig.

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    • 24. August 2020 um 13:42
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      Danke Diana für deine Anmerkungen. Es sind viele kleine Bausteine, die angegangen werden müssen, damit sich der Landkreis fahrradfreundlich nennen kann.

      Antwort
  • 4. September 2020 um 6:15
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    Leider hat die Stadt Limburg und HessenMobil im Zuge der Planung der Lahntal-Autobahnbrücke auch sehr gepennt. Es wäre eine Riesenchance gewesen, hier noch einen Radfahrstreifen anzubringen, damit die Bewohner südlich er Lahn, insbesondere Linter und Lindenholzhausen mit dem Rad nach Offheim und Dietkirchen kommen. Dort sind die Gewerbegebietem, und hier sind die Arbeitnehmer.
    Die Alternative runter in die Stadt und dann wieder auf in die Gewerbegebiete ist wenig attraktiv. Vielleicht in 30 Jahren beim nächsten Brückenneubau?

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