Renaturierung Erbach

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Das Projekt zur Renaturierung des Erbach in Elz beschäftigt die Gemeinde seit 2015. Seit einigen Monaten laufen nun die Maßnahmen und sollen bis April abgeschlossen sein.

Dicht bewachsen mit Brombeersträuchern und anderen Pflanzen schlängelte sich der Erbach jahrelang in seinem betonierten Bett Richtung Elbbach. Auf einer Länge von 450 Metern von der Eisenbahnbrücke bis zur Mündung in den Elbbach wird dieser derzeit renaturiert.

Renaturierung Erbach Elz
Geradlinig und eingemauert gehört dieses Bild des Erbachs der Vergangenheit an

Strukturverbessernde Maßnahmen

Im September 2019 begannen die Maßnahmen am Erbach. Der offizielle Titel lautet „Herstellung der linearen Durchgängigkeit des Erbachs am Wehr des ehemaligen Kieswerkes und strukturverbessernde Maßnahmen im Mündungsbereich“. In den 70er Jahren griff die Gemeinde in den natürlichen Verlauf ein und begradigte den Bach  mittels Betonsteinen. Dies war nicht sehr ökologisch. Diese Betonsteine wurden nun entfernt, um einen natürlichen Bachlauf zu gestalten. Weitere Maßnahmen für die Natürlichkeit sind Störsteine als Strömungslenker im Bachbett sowie Bäume, Sträucher und Hecken am Bachrand. Im Mittelteil wird eine Flussschlinge realisiert als mäandrierende Maßnahme.

Renaturierung Erbach Elz
Störsteine im Bach als Strömungslenker

Die derzeit laufenden Maßnahmen kosten 425.000 Euro, von denen das Land Hessen im Rahmen des Projektes „100 wilde Bäche“ 90 Prozent trägt. Mit der Umsetzung dieses Projektes folgt die Gemeinde der hessischen Wasserrahmenrichtlinie zur Verbesserung von Bächen und Flüssen. Die ersten Termine bezüglich dieser Maßnahme fanden bereits 2015 mit einer Begehung statt.

Ansiedlung von Lebewesen

Bei dieser Begehung fand ein Vergleich des Erbachs mit einem sogenannten Referenzzustand statt. Dabei handelt es sich um Werte von einem Gewässer ohne menschliche Einflüsse. Es fand ein Blick auf den Fischbestand statt. Der Makrozoobenthos, das sind die im Gewässerboden lebenden Tiere, welche mit bloßem Auge erkennbar sind, die Kieselalgen sowie die Wasserwerte wurden gemessen. Die Werte für den Erbach ergaben nur einen mäßigen, ökologischen Zustand. Insgesamt weist der Erbach im Gemeindegebiet acht Wanderhindernisse auf. Das bedeutet, dass durch diese Hindernisse die Lebewesen im Bach weder stromauf-, noch stromabwärts wandern können. Zudem sorgte die geradlinige Befestigung ohne Hindernisse für eine hohe Fließgeschwindigkeit. Dies verhinderte eine Ansiedlung von Tieren im Bach.

In der Renaturierungsmaßnahme geht es darum, die Durchgängigkeit des Erbachs wieder herzustellen und ihn so zu gestalten, dass sich Tiere in ihm ansiedeln. Die Gemeinde hat die Hoffnung, dass nach einer Beruhigung des Bachlaufes nach den Arbeiten auch wieder Bachforellen geangelt werden können.

Renaturierung Erbach Elz
Nicht mehr gerade, sondern mäanderartig schlängelt sich der Erbach dahin

Entlang des Erbachs konnte die Gemeinde verschiedene Grundstücke erwerben. Nach Entfernung der Befestigung findet eine Profilierung der Uferbereiche statt, dass sich der Bach natürlich ausbreiten kann. Am Rand siedelt sich Vegetation an und es entstehen Wasserwechselzonen. Dies führt zu einer verringerten Fließgeschwindigkeit und Tiere können sich im Erbach ansiedeln. Insgesamt bewegen die Arbeiter rund 3700 Quadratmeter Erde, um zusätzlichen Raum für das Wasser zu schaffen. Dennoch bleibt die Wegführung am Bach entlang erhalten. Das Bachbett kann sich, vor allem im Mündungsbereich zum Erbach, großzügig verbreitern und eine eigene Dynamik entwickeln. Am Ende der Arbeiten wird der Bach eine Tiefe zwischen 25 und 40 Zentimetern haben. An keiner Stelle wird mehr eine befestigte Sohle vorhanden sein.

Renaturierung Erbach Elz
Bis zu 3700 Quadratmeter Erde bewegen die Bagger

Arbeiten am Wehr

Das Wehr beim ehemaligen Kalkwerk gehört ebenfalls mit zu dem Projekt. Das Wehr in der Lattengasse soll vollständig abgebrochen werden, da es keine Funktion mehr besitzt. An dieser Stelle soll der Bach sein natürliches Gefälle aufnehmen. Ein Höhenunterschied von zwei Metern machte in der Vergangenheit einen Abstieg von Lebewesen nur bedingt möglich und einen Aufstieg gar nicht möglich. Auf 30 Metern wurde dieses Wehr umgestaltet, so dass es nicht mehr so extreme Höhenunterschiede gibt. Das Bachbett erhält eine raue Sohle mit ortstypischen Gesteinen.

Projekt „100 wilde Bäche“

Mit dem Projekt „100 wilde Bäche“ unterstützt das Land Hessen die Renaturierung von Gewässern und setzt damit die Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) um. Bis 2027 erhalten ausgewählte Gewässer im Rahmen der EU-Vorgaben einen guten ökologischen Zustand. Mit dem Programm „100 wilde Bäche für Hessen“ soll die Verwirklichung des Ziels weiter vorangetrieben werden. Im Zuge des Programms findet eine modellhafte Renaturierung von 100 hessischen Bächen statt. Das Besondere ist, dass den Kommunen bei der Renaturierung viel Arbeit abgenommen wird. Sie erhalten eine umfangreiche Unterstützung von den ersten Planungsschritten bis hin zur Umsetzung der Renaturierungsmaßnahmen.

Neben dem Erbach in Elz profitieren im Landkreis folgende Bäche von dem Programm:

  • Lasterbach durch Elbtal und Waldbrunn
  • Kerkerbach durch Beselich, Runkel, Waldbrunn und Weilburg
  • Weinbach durch Weinbach und Weilmünster
  • Sintersbach in Hünfelden
  • Laubusbach durch Brechen, Selters (Taunus) Villmar und Weilmünster
  • Dombach durch Bad Camberg


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Heike Lachnit

Ich bin freie Lokaljournalistin in der Region um Limburg. Auf HL-Journal schreibe ich über die Themen, die nicht immer in der Zeitung Platz haben oder die mir am Herzen liegen.

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