RLC-Vorsitzender Uli Vogelrieder „In fünf Jahren wird es eine komplett neue Fastnacht geben“

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Er ist der Vorsitzende des Rings Limburger Carneval (RLC), war 2015 selbst Prinz und lebt seit 55 Jahren die Fastnacht voll aus. Die Rede ist von Uli Vogelrieder, welcher als Prinz Uli I. von der Rütsch zu Limburg vor fünf Jahren den Dreierbund regierte. Seine heutige Hauptaufgabe besteht mit dem Vorstand des RLC darin, alle zwei Jahre eine Tollität zu finden und zu küren sowie den Dreierbundumzug zu organisieren.  

In meiner Fastnachtsreihe gibt es heute einen Artikel nach einem Gespräch mit Uli Vogelrieder, Vorsitzender des Ring Limburger Carneval (RLC).

Enormer Arbeitsaufwand

Den Dreierbundzug zu organisieren, bedeutet für den RLC einen enormen Arbeitsaufwand. Es gibt hohe Auflagen vom TÜV für die Wagen selbst. Jeder Wagen muss durch sechs Zugbegleiter eskortiert werden, die keinen Alkohol trinken dürfen. Eine Woche vor dem Zug gibt es ein Gespräch mit der Polizei sowie eine Aufklärung, was erlaubt ist und was zu beachten ist. „Es ist eine enorme Arbeit, bevor der Zug überhaupt startet“, so Vogelrieder. Seit 13Jahren ist er der Vorsitzende vom RLC und kämpft mit den Herausforderungen.

Dabei wird es auch immer schwieriger, Teilnehmer für die Umzüge zu finden. „Früher hatten wir 115 Nummern und neun Kapellen“, so Vogelrieder, „die bekommen wir heute nicht mehr.“ Heute ist er froh darüber, wenn er sechs Kapellen im Zug hat. Dabei ist es ihm auch wichtig, dass den Menschen am Straßenrand schöne Wagen geboten werden. „Wenn es den Teilnehmern nur ums Trinken geht, dann darf der Wagen nicht mit.“ Allgemein geht die Tendenz dahin, dass die Leute immer weniger Zeit haben und keinen Urlaub für den Umzug nehmen wollen.

Bereits mit fünf Jahren auf der Bühne

Uli ist ein Fastnachter durch und durch. Schon mit fünf Jahren stand er singend auf der Bühne, was auch durch die Mutter noch mit befördert wurde. Seit 25 Jahren ist der Vorsitzende im SCC Staffel. „Nach 50 Jahren Fastnacht war es immer mein Traum, auch mal selbst Prinz zu sein.“ Und verraten hatte er es damals niemanden, selbst nicht seinen Vorstandskollegen. Er hat immer nur darauf verwiesen, dass es ein Unternehmer aus Limburg sei, der es geheim halten möchte. Am Tag der Inthronisation habe er noch durch das Programmgeführt.

„Als ich beim Einmarsch hereinkam, da haben einige einen Herzinfarkt bekommen und sind in Schockstarre verfallen“, erinnert sich Uli, „das Bild werde ich nie vergessen.“ Es war für ihn eine schöne Zeit, die er nicht missen möchte. Besonders Spaß hatte er bei seinen Besuchen in den Altenheimen. Im Vorfeld habe er sich erkundigt, wer der älteste Bewohner sei. Dieser habe dann einen Orden erhalten und er habe mit ihm gesungen. „Im Wicherstift war eine 97-jährige Dame, die wollte mich mit aufs Zimmer nehmen“, lacht er, “sowas vergisst man nicht.“

In der Mitte Prinz Uli I. von der Rütsch mit seinem Gefolge.
In der Mitte Prinz Uli I. von der Rütsch mit seinem Gefolge.

Immer schwieriger, jemanden zu finden

Doch auch für diese Rolle wird es immer schwieriger, jemanden zu finden. Es zählt ja nicht nur der Wunsch, mal Prinz oder Prinzessin zu sein. „Am Aschermittwoch haben wir meist vier bis fünf Anwärter aus der Euphorie heraus.“ Werden diesen die Kosten aufgezeigt, ziehen die ersten bereits zurück. Am Ende ist der RLC froh, wenn er jemanden hat. „Der Anwärter sollte mit Karneval etwas zu tun haben und auch auf der Bühne reden können“, so Uli, „dann scheiden meist auch welche aus.“

Neben dem Zug und der Prinzenkürung sieht er auch eine Aufgabe darin, zwischen Vereinen und Akteuren zu vermitteln. „Die großen Vereine haben eigenen Nachwuchs und können ein Programm stemmen, so Uli, „aber die kleineren Vereine haben mehr und mehr Probleme, auf Dauer ein Programm auf die Beine zu stellen.“ Die sei mit ein Grund, warum er der Meinung ist, dass die Fastnacht in fünf Jahren eine ganz andere sein wird. Aber auch die Vorlieben des Publikums führen zu einer Veränderung. „Die jungen Leute wollen keine Büttenreden mehr, sondern Musik und Ramba-Samba.“



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Heike Lachnit

Ich bin freie Lokaljournalistin in der Region um Limburg. Auf HL-Journal schreibe ich über die Themen, die nicht immer in der Zeitung Platz haben oder die mir am Herzen liegen.

2 Gedanken zu „RLC-Vorsitzender Uli Vogelrieder „In fünf Jahren wird es eine komplett neue Fastnacht geben“

  • 2. Februar 2019 um 14:04
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    Der Vorsitzende aller Kölner Karnevalsvereine sieht es anders. Man muss weg von den vielen Musikgruppen und wieder mehr Büttenredner auf die Bühnen bringen und er ist auch davon überzeugt, dass das auch gelingen wird. Das mit den vielen Musikgruppen ist inflationär und viele der Nachwuchsgruppen liefern nicht die erforderliche Qualität (Auszug aus Bonner Nachrichten im Januar 2019).

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    • 3. Februar 2019 um 8:59
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      Auch interessant. Wie gesagt, hier ist es teilweise auf den Sitzungen so, dass während der Redebeiträge große Unruhen bestehen, weil die jungen Leute ihre Taschenklopfer auf die Tische hauen. Die wissen eventuell eine gute Büttenrede noch nicht zu schätzen. Da gibt es ja auch große Unterschiede. Aber vielen Dank für diesen Hinweis. Werde mal schauen, ob ich den Artikel finde.

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