Salad Bowl Culture II – Antigone # Grundgesetz

Im vergangenen Jahr präsentierte die Kulturenwerkstatt zusammen mit der Theaterschule-im-Kalkwerk das Projekt „Salad Bowl Culture“, bei dem sich Jugendliche verschiedener Nationalitäten mit dem Grundgesetz auseinandersetzten und zum Nachdenken anregten. In diesem Jahr setzen alle Beteiligten das Projekt fort und präsentieren „Antigone #Grundgesetz“. Das Ergebnis ist am 28. Juni im Kalkwerk zu sehen.

Im vergangenen Projekt von Salad Bowl Culture hat sich die antike Tragödie Antigone als theatralisches Highlight bei der Inszenierung zweier Artikel des Grundgesetzes herauskristallisiert. Für alle Beteiligten war die Zusammenarbeit enorm befruchtend. Diesen Umstand nimmt sich Salad Bowl Culture II zum Anlass, eine gemeinsam erarbeitete Interpretation des Stücks „Antigone“ als Basis einer Gesamtinszenierung mit begleitenden musikalischen Aspekten zu nutzen.

Auseinandersetzung mit dem Grundgesetz

Die Tragödie „Antigone“ wurde vom griechischen Dichter Sophokles um 440 vor Chr. geschrieben. Das Stück beschäftigt sich mit den zentralen Fragen zu den Wechselbeziehungen von Gesetz und Glauben. Es ist eine Suche nach der Antwort auf die Frage, was der Widerstand für die einen oder anderen Grundprinzipien kosten darf. Mit diesen Fragen setzen sich die Jugendlichen der Kulturenwerkstatt auseinander und erzählen dabei die Geschichte von Antigone. In Nebenschauplätzen fließt dabei immer wieder die Auseinandersetzung mit den Grundgesetz hinein. Mit der Darstellung der einzelnen Protagonisten werden die Wechselwirkungen zwischen dem Staat, der Gesellschaft und den Individuen aufgegriffen. Als Nebeneffekt spannt die Gruppe einen historischen Bogen zu den Anfängen der Demokratie. Sie beleuchten, welche Bedeutung die Antike für die heutige Politik und Kultur haben. Inszeniert wird das Stück von Tobias Winter von der Theaterschule im Kalkwerk.

Förderung durch den Kulturkoffer

Das Projekt im letzten Jahr entstand im Rahmen des Modellprojektes „Kulturkoffer“. Es ist ein Projekt des Hessischen Ministeriums für Wissenschaft und Kunst. Zum Ausbau der kulturellen Bildungslandschaft fördert das Ministerium unterschiedliche Arbeiten mit einem Etat von 4 Millionen Euro. Wenn mindestens zwei Projektpartner eine gemeinsame Maßnahme für kulturelle Kinder- und Jugendbildung anbieten, können sie eine Förderung beantragen. Tobias Kurth von der Kulturenwerkstatt freut sich, dass sie eine Folgeförderung bekommen haben, was sonst eher selten ist. Dies war möglich, weil Elemente aus „Salad Bowl Culture“ genommen wurden, um ein neues Stück zu entwickeln. Durch dieses Projekt soll allen Kinder, unabhängig von der Herkunft, des Wohnorts oder des gesellschaftlichen Umfelds Zugang zu Bildung verschafft werden.

Gemeinsamkeiten finden

2016 nach der großen Flüchtlingswelle überlegte die Kulturenwerkstatt, was sie machen können, um an der Integration mitzuwirken. Ganz schnell war die Idee geboren, nicht nach den Dingen zu suchen, die die Menschen unterscheidet, sondern nach denen, die sie gemeinsam haben, erklärt Tobias Kurth den Hintergrund der Projekte. Mit diesem Gedanken im Kopf verwirklichten sie bereits „Romeo und Julia“ sowie „Andorra“ von Max Frisch. Dabei war von Anfang an geplant, vom reinen Theaterspielen wegzugehen und die Diskussion um Politik oder auch Religion mit aufzunehmen.  „Das Grundgesetz ist für uns alle in Deutschland verbindlich“, so Kurth, „das kennen die Deutschen kaum und noch weniger die Menschen, die zu uns kommen.“

Mitwirkung von 50 Jugendlichen

An dem Stück wirken 50 Jugendliche zwischen 16 und 22 Jahren mit. Es sind neue und alte Gesichter mit dabei. Diejenigen Teilnehmer, die bereits am letzten Projekt mitgewirkt haben, bringen ihre Erfahrungen zum Projektablauf und den Inhalt mit ein. Zudem können sie für Neuankömmlinge sprachvermittelnd wirken. Über eine Kooperation mit der Adolf-Reichwein-Schule konnten die Teilnehmer angesprochen und für das Stück geworben werden. Zentrale Orte des Projektgeschehens sind die Räume der Kulturenwerkstatt im Limburger Stadtzentrum und die Theaterschule im Alten Kalkwerk Limburg. Dabei lässt Tobias Kurth immer wieder durchblicken, dass sie keine Integrations- und Flüchtlingsarbeit machen: „Wir arbeiten mit Jugendlichen!“ Die Menschenwürde sei für jeden wichtig und hat nichts mit der Herkunft zu tun.

Es ist keine starre Arbeit mit dem Stoff, sondern eine fließende Arbeit aus Workshops und wöchentlichen Treffen, aus Diskussionen und neuen Ideen, welcher jeder Teilnehmer einbringen darf. Diese Ergebnisse fließen dann zusammen und so entwickelt sich über die Wochen das Stück. Zudem gibt es kein festes Ensemble, sondern es kommen auch immer mal wieder Jugendliche hinzu. „Wir müssen die Inhalte immer wieder an die Jugendlichen anpassen, die da sind“, erläutert Kurth.

Heike Lachnit

Ich bin freie Lokaljournalistin in der Region um Limburg. Auf HL-Journal schreibe ich über die Themen, die nicht immer in der Zeitung Platz haben oder die mir am Herzen liegen.

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