Schlechtes Jahr für den Steinkauz

Der NABU Hadamar hat zu einem Vortragsabend über den Steinkauz eingeladen. Herbert Friedrich, NABU-Kreisbeauftragter für Vogelschutz, gab interessante Einblicke zu dieser Eule. Und er wies darauf hin, dass das trockene Jahr nicht gut für den Steinkauz war.

In den letzten Jahrzehnten hat sich einiges bei den Steinkäuzen getan, so dass in den letzten Jahren konstant um die 65 Brutpaare gezählt werden konnten. Dies hat vor allem damit zu tun, dass Nisthöhlen an alten Apfelbäumen angebracht wurden, so Herbert Friedrich. Und dann nahm er die 30 Zuhörer beim NABU Hadamar mit in die Welt dieses kleinen bis zu 27 cm großen Kauzes. Diese kleine Eule ist in der Dämmerung und in der Nacht aktiv. Sie besitzt einen runden, breiten Kopf, schwefelgelbe Augen und einen braun-weiß gesprenkelten Rücken. Am Schnabel befinden sich kleine Tastfedern, die bei der Orientierung im Dunkeln helfen.

Von den 50ern bis heute

Das Problem mit den Steinkäuzen begann in den 50er Jahren. Alle Bäume, welche Löcher hatten oder zu viele dürre Äste, wurden als nicht wertvoll gekennzeichnet und gefällt. Damit wurde der Lebensraum dieser keinen Eule stark eingeschränkt. Sie fand keine Plätze mehr zum Nisten. 1978 gab es im ganzen Landkreis noch genau zwei Brutpaare – eines in Niederweyer und eines in Mensfelden. Als dann der NABU begann, die Nistkästen aufzuhängen, nahm der Bestand von Jahr zu Jahr weiter zu. 1989 zählte der NABU bereits 20 Brutpaare. Die Tiere haben sich bis zum Goldenen Grund ausgeweitet, wo auch bis heute der größte Bestand zu finden ist. 2008 zählte der NABU 48 Brutpaare. „Und dann ging es ganz schnell“, so Herbert Friedrich. Derzeit stagniert die Zahl bei 65 Brutpaaren. In diesem Jahr wurden durch den NABU in Hadamar 25 Jungvögel beringt, von denen leider zwei schon gestorben sind.
Eine weitere Eule erfreut sich an Zuwachs in den letzten Jahren – der Uhu. Im Kreis gibt es inzwischen 19 Paare, von denen 12 Stück bereits Nachwuchs hatten. Der Uhu zieht i.d.R. ein Junges groß.

Über Beringung Auskunft zu den Vögeln

Jedes Jahr beringen Mitglieder des NABU die Jungvögel. „Durch die Beringung der Tiere können wir die Herkunft der Tiere zurückverfolgen und sagen, wo sie hingehören“, erzählte Friedrich. So sind es eher die Weibchen, die es weiter wegzieht, während die Männchen in der Nähe ihres Geburtsortes bleiben. Auch lässt sich von dem einen auf das andere Jahr feststellen, ob kranke Tiere wieder gesund geworden sind und auch das Alter der Tiere lässt sich durch die Beringung feststellen. Hat sich ein Standort bewährt, dann bleiben die Brutpaare in der Regel auch ein Leben lang vor Ort. Bewährt haben sich zwei Brutkästen in unmittelbarer Nähe. In einem brüten die Steinkäuze und in dem anderen richten sie ein Nahrungsdepot ein. Und durch die intensive Beobachtung der Tiere können auch verschiedene Aussagen über die Lebensweise getroffen werden. Steinkäuze, welche auf einem Baum in einem Feld brüten, müssen meist weitere Strecken für Nahrung fliegen, als Steinkäuze, deren Baum in einer Wiese steht. In feuchten Jahren ernähren sich die Eulen stark von Regenwürmern, was an feuchten Nistkästen zu erkennen ist.

Zu trocken für den Steinkauz

Das trockene Jahr hatte auch Auswirkungen auf den Steinkauz. Im Frühjahr gab es kaum Mäuse, von denen sich der Steinkauz hauptsächlich ernährt. Dies wirkte sich auf das Gelege der Tiere aus. Es gab kein Brutpaar, welches sechs Junge großzog. Das höchste gefundene Gelege bestand aus vier Tieren. Doch im Durchschnitt war es nur eine geringe Anzahl an Nachwuchs. Es gab sogar Brutpaare, welche ihr Gelege verlassen haben, weil sie kein Futter gefunden haben. Ob dies große Auswirkungen auf die Population hier im Landkreis hat, wird man erst im nächsten Jahr feststellen, so Friedrich. Doch für ihn ist klar, dass der Steinkauz zu den gefährdeten Tieren zählt.

Indikator für die dörfliche Kulturlandschaft

Der Steinkauz gilt als Indikator für die Qualität der dörflichen Kulturlandschaft. Eine ausgeglichene Kulturlandschaft besteht neben den Feldern auch aus Streuobstwiesen, die Lebensraum für verschiedene Tierarten bieten u.a. auch dem Steinkauz. Durch die Intensivierung der Landwirtschaft sowie dem „Aufräumen“ der Feldflur verschwinden wichtige Lebensräume. Früher war es normal, dass sich um die Dörfer Streuobstgürtel zogen. Doch mit dem starken Wachstum der Ortschaften fallen auch diese Weg. Doch dem können wir entgegenwirken und die Ansiedlung von Steinkäuzen unterstützen.

  • Erhalt von Streuobstwiesen und Pflege derselbigen
  • Sicherung der Obstwiesen durch Nutzung der regionalen Obstprodukte
  • Neuanlage von Hochstammobstbäumen auf Weiden
  • Verzicht auf Dünger und Spritzmittel
  • Berücksichtigung von Steinkauzvorkommen bei Bauvorhaben
  • Aufstellen künstlicher Brutröhren in gut anzufliegenden Bäumen
  • Keine Brutröhren auf Kirschbäumen, am besten eigenen sich Apfelbäume

Wer eine Wiese mit Obstbaumbestand hat und Interesse am Steinkauz, kann sich gerne beim NABU Hadamar melden.

Heike Lachnit

Ich bin freie Lokaljournalistin in der Region um Limburg. Auf HL-Journal schreibe ich über die Themen, die nicht immer in der Zeitung Platz haben oder die mir am Herzen liegen.

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