Internationale Frauentag – Soforthilfe nach Vergewaltigung

Zum Weltfrauentag am 8.März blicken wir auf die Gleichberechtigung der Frauen und wir blicken auf die bisherigen Errungenschaften der Frauenbewegung. Bei all diesen Errungenschaften sollte jedoch nicht aus dem Blick verloren gehen, dass noch immer Gewalt gegen Frauen stattfindet. Darauf macht das St. Vincenz Krankenhaus Limburg zum Frauentag aufmerksam. 

Das Ausmaß der Gewalt gegen Frauen hat sich seit Jahrzehnten nicht verändert. Grund genug, auf ein wichtiges Projekt im Landkreis Limburg-Weilburg aufmerksam zu machen: Im Rahmen der „medizinischen Soforthilfe nach Vergewaltigung“ können sich Betroffene im St. Vincenz-Krankenhaus Limburg nicht nur umfassend und achtsam medizinisch versorgen lassen. Hier werden ebenfalls Spuren und Beweismittel gerichtssicher festgehalten. Das Besondere dabei: eine Anzeige muss weder sofort noch später erstattet werden, kann aber.

Die Beweise werden für die Dauer eines Jahre in des Rechtsmedizin Gießen aufbewahrt – innerhalb dieses Zeitraums haben Betroffene Zeit, sich für oder gegen eine polizeiliche Anzeige zu entscheiden. Sollte es zu Anzeige kommen, können die gesicherten Spuren vor Gericht enorm hilfreich sein, denn was Viele nicht wissen: Sollten Verletzungen und Spuren nicht richtig gesichert und dokumentiert sein, ist es möglich, dass sie vor Gericht gar nicht erst zugelassen werden.

Jede Vergewaltigung ist ein Notfall

Medizinische Soforthilfe nach Vergewaltigung am St. Vincenz-Krankenhaus Limburg

Jede dritte Frau in Deutschland wird in ihrem Leben Opfer physischer oder sexualisierter Gewalt. Rund ein Viertel aller Frauen erleben körperliche und/oder sexuelle Gewalt in ihrer Partnerschaft. Dabei mag überraschen: Bildung schützt in dieser Frage nicht! Aus einer Studie des Bundesfamilienministeriums geht hervor, dass Gewalt innerhalb einer Partnerschaft  keine Frage der sozialen Schicht oder Bildung ist. Gerade im Kontext des Weltfrauentages vielleicht besonders brisant: ältere Frauen werden häufiger Opfer von Gewalt, wenn sie höher (als ihr Partner) gebildet sind.

Die Dunkelziffer der betroffenen Frauen wird bedeutend höher geschätzt, denn nur knapp 20 Prozent der Betroffenen suchen Hilfe. Ein niedrigschwelliges und diskretes Angebot der Soforthilfe nach Vergewaltigung gibt es seit 2019 am St. Vincenz-Krankenhaus Limburg. Menschen, die sexualisierte Gewalt erlebt haben, können sich in der Frauenklinik oder der zentralen Notaufnahme des St. Vincenz rund um die Uhr umfassend, achtsam und diskret medizinisch versorgen lassen. Auf Wunsch besteht die Option, forensische Spuren und Beweismittel gerichtsfest sichern zu lassen, ohne dass eine polizeiliche Anzeige erfolgen muss. So können die Betroffenen auch später noch entscheiden, ob sie Anzeige erstatten möchten.

Nicht jeder denkt sofort an Anzeige

„Der Gedanke einer Strafanzeige ist oftmals in dieser Notsituation nicht präsent“, erläutert Dr. Kerstin Förstermann, stellvertretende Leiterin der zentralen Notaufnahme am St. Vincenz. Sollte sich die Betroffene in der Zukunft doch noch dazu entscheiden, Anzeige zu erstatten, sei es im Prozess enorm hilfreich, wenn rechtssichere Beweise vorlägen. Die Befunde aus dem Krankenhaus können hierbei entscheidend sein. „Was viele nicht wissen: Sollten Verletzungen und Spuren nicht richtig gesichert und dokumentiert sein, ist es möglich, dass sie vor Gericht gar nicht erst zugelassen werden,“ ergänzt Dr. Förstermann. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Frauenklinik und Notaufnahme sind entsprechend geschult, um Verletzungen rechtssicher zu dokumentieren und Spuren zu sichern. Die für eine eventuelle Strafverfolgung gesicherten Proben werden für ein Jahr im Institut für Rechtsmedizin in Gießen aufbewahrt.

 Im Fokus des Projekts steht außerdem die psychosoziale Unterstützung der Betroffenen: Die Beratungsstellen „Gegen unseren Willen e.V. Limburg“ oder „pro familia e.V. Limburg“ unterstützen Betroffene kostenlos und auf Wunsch anonym. Themen der telefonischen oder persönlichen Beratung können Unterstützungsmöglichkeiten und weitere Hilfsangebote sein oder Hilfestellung in der Frage, welche Rechte im Falle einer Anzeige bestehen.

Über das Projekt:

Als eine von elf hessischen Modellregionen beteiligt sich der Landkreis Limburg-Weilburg am Projekt „Medizinische Soforthilfe nach Vergewaltigung“, das vom „Frauennotruf Frankfurt“ erarbeitet wurde. Ziel ist es, standardisierte Versorgungsstrukturen zu etablieren, die betroffenen Frauen und Mädchen den Zugang zur medizinischen Versorgung nach einer Vergewaltigung erleichtern sollen – verbunden mit dem Angebot einer vertraulichen Spurensicherung.

Weitere Informationen unter: https://kurzelinks.de/soforthilfe-vergewaltigung

Kontakt:

Gegen unseren Willen e.V.

Beratungs- und Präventionsstelle

zu sexueller Gewalt im Landkreis Limburg-Weilburg

Diezer Straße 10 | 65549 Limburg

Telefon (0 64 31) 9 23 43

Fax (0 64 31) 9 23 45

kontakt@gegen-unseren-willen.de

Beratungsstelle pro familia e.V. Limburg

Konrad-Kurzbold-Straße 6 | 65549 Limburg

Telefon (0 64 31) 2 69 20

Fax (0 64 31) 21 92 83

limburg@profamilia.de

Heike Lachnit

Ich bin freie Lokaljournalistin in der Region um Limburg. Auf HL-Journal schreibe ich über die Themen, die nicht immer in der Zeitung Platz haben oder die mir am Herzen liegen.

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