Solarpark oder Ackerfläche? – Unmut in der Bevölkerung

Seit Dezember ist durch eine Pressemitteilung des Kreisbauernverbandes Limburg-Weilburg bekannt, dass auf wertvoller Ackerfläche zwischen Lindenholzhausen und Linter ein Solarpark entstehen soll. Gestern sollte es im Ortsbeirat Lindenholzhausen Antworten auf viele Fragen geben. Doch ein Vertreter der Energieversorgung Limburg (EVL) sagte am Morgen den Termin kurzfristig ab. Dies sorgte für viel Unmut unter den zahlreichen Anwesenden.

Ortsvorsteherin Barbara Bäcker (CDU) ist verärgert. Es sollte Antworten auf viele Fragen geben, seit im Dezember bekannt wurde, dass an der Autobahn zwischen Lindenholzhausen und Linter auf 28 Hektar ein Solarpark entstehen soll. Diese Fläche entspricht fast 40 Fußballfeldern. Dabei kam die Information noch nicht mal über die Stadt, sondern die Landwirte machten auf dieses Thema aufmerksam. Vom Kreisbauernverband kam Kritik. Die Planer in Stadt und bei der EVL sollten erst gar nicht über diese Fläche nachdenken, handelt es sich doch um besten Ackerboden. “Wir waren erstaunt, dass es keine offiziellen Informationen gab”, so Bäcker, als sie ein wenig auf den Ablauf zum Thema zu sprechen kam. Verärgert ist sie aber nicht alleine über diese fehlenden Informationen. Verärgert ist sie vor allem darüber, dass ein Gespräch mit der EVL stattfinden sollte im Rahmen des Ortsbeirates und dieses am Morgen kurzfristig abgesagt wurde.

“Von der Stadt im Stich gelassen”

Laut ihrer Aussage kam vom Bürgermeister Dr. Marius Hahn der Vorschlag, das Thema in der nächsten Sitzung vom Umweltausschuss zu beraten. “Das ist nicht unser Wunsch”, so Bäcker weiter. Im Ausschuss dürfte eventuell ein Bürger Stellung zum Thema nehmen, doch es betreffe viel mehr. Zudem sei es kein feiner Zug, die Menschen dann alle nach Limburg reinfahren zu lassen. Viel mehr soll das Thema vor Ort in Lindenholzhausen geklärt werden. Da allen Ortsbeiratsmitgliedern die nächste Sitzungsrunde im März zu spät ist, wünschen sie sich eine Sondersitzung zum Thema im Februar und fordern diesen per einstimmigen Beschluss ein.

Auch wenn der Vertreter der EVL den Dialog absagte, blieb der Punkt auf der Tagesordnung, da das Interesse groß war. Über 20 Zuhörer nahmen an der Sitzung teil.  Gerhard Voss (SPD) sieht die Absage der EVL wie die Ortsvorsteherin sehr kritisch. Es mag sein, dass es Bauern gibt, die kein Problem mit der Anlage haben. Es kann auch sein, dass es einigen Eigentümern schmackhaft gemacht wurde. Aber dennoch äußerte er sich sehr traurig darüber, wie die Stadt mit dem Thema umgeht. Und es ist nicht das einzige Thema, bei dem die Stadt agiert ohne den Ortsbeirat mit einzubeziehen. “Wir werden von der Stadt teilweise im Stich gelassen”, so Voss. Und so gibt es in der Sitzung keine neuen Erkenntnisse zu dem Thema, aber die Fragen sind weiterhin vorhanden.

Regionale Lebensmittel oder regionaler Strom

Die Landwirte vor Ort wie Klaus Jung-König stellten die Frage in den Raum, was denn in Zukunft besser wäre – regional produzierte Lebensmittel wie die Kartoffeln und das Rapsöl aus Lindenholzhausen oder regional produzierter Strom. Für die nächsten 30 Jahre würden gute Flächen aus der Bewirtschaftung herausgenommen werden. Es gebe doch genügend Flächen, welche nicht so wertvoll seien, wie die Ackerflächen, um welche es aktuell geht. Dabei braucht es nicht mal eine Öffentlichkeitsbeteiligung bei dem Verfahren. Bei den Trassen entlang der Autobahn und der ICE-Strecke gilt innerhalb von 200 Metern ein vereinfachtes Verfahren. Wenn die Eigentümer der Flächen dem Projekt zustimmen, kann die Ackerfläche umgewidmet werden und der Solarpark entstehen.

Rund 15 Landwirte gibt es noch in Limburg und denen würde man durch das Projekt sieben bis acht Prozent Fläche wegnehmen. “Und die Lebensmittel transportieren wir irgendwann um die ganze Welt anstatt sie vor der Haustür zu produzieren”, so ein Vorwurf aus den Reihen der Besucher. “Schade, dass die Landwirtschaft einen so geringen Stellenwert in der Stadt hat.” Eine Eigentümerin einer Fläche, welche mit für den Solarpark angedacht ist, äußerte sich klar pro Landwirtschaft. Sie habe Gesprächsbedarf bei der EVL angemeldet und wartet noch immer. Dabei zeigten die Besucher auch Verständnis für die Eigentümer, die ihr Grundstück verpachten wollen. Denn es stehen Zahlen von 2.500 Euro pro Hektar und Jahr im Raum, was dem zehnfachen der Verpachtung an einen Landwirt entspricht. Dass dann ein Eigentümer aus finanziellen Gründen diese Entscheidung trifft, kann manch einer nachvollziehen.

Viele offene Fragen

Es gibt viele offene Fragen. So habe das Regierungspräsidium Gießen gesagt, der Boden sei nicht viel Wert. Auch werde immer wieder das Argument geäußert, dass viele kleine Flächen auf den Dächern nicht so wirtschaftlich ist wie eine große Fläche. Dabei gebe es noch genügend Dachflächen, die keine Photovoltaikanlage besitzen. Es sollte erstmal an diese Flächen gegangen werden, bevor gutes Ackerland überbaut wird. Auch gebe es im Gewerbegebiet genügend Flächen, die auch noch keine Anlage auf dem Dach haben. Ein Bürger äußerte sich dahingehend, dass er sich belogen fühlt. Durch viele Informationen wüsste man am Ende gar nicht mehr, was Sache ist.

Der Bürgermeister steht dem Projekt offen gegenüber, aber er sitzt ja auch im Aufsichtsrat der EVL. Unter anderem habe er sich auf Facebook zum Thema wie folgt geäußert: “die Landwirte, die die Fläche verpachten, haben damit [dem Solarpark] kein Problem.” Zudem werde keine Natur zerstört, denn nach 30 Jahre könne die Anlage rückstandsfrei beseitigt werden. Zudem würden die Dächer nicht für den Energiebedarf reichen, den man habe. Seit 2018 erlaubt eine neue Verordnung, dass Freiflächenphotovoltaik-Anlagen nicht mehr nur auf Brachflächen entstehen dürfen, sondern auch auf landwirtschaftlichen Flächen mit eingeschränkter Bodenqualität. Doch die Bürger von Lindenholzhausen wehren sich dagegen, diese Fläche als minderwertig anzusehen. Da beginne der Goldene Grund und es handelt sich um beste Ackerflächen.

Der Solarpark war auch schon Thema in der Hessenschau, die Beiträge findet ihr hier:

HessenschauRadiobeitrag

Hessenschau – Artikel

Auf Nachfrage bei der Stadtverwaltung äußerte diese, dass auch andere Möglichkeiten für Photovoltaikanlagen geprüft werden. Den Artikel findet ihr hier. Die EVL Limburg nahm inzwischen auch Stellung zum Thema. Für sie ist der Solarpark eine Möglichkeit, die Klimaziele der Stadt zu erreichen.

 

 

Heike Lachnit

Ich bin freie Lokaljournalistin in der Region um Limburg. Auf HL-Journal schreibe ich über die Themen, die nicht immer in der Zeitung Platz haben oder die mir am Herzen liegen.

One thought on “Solarpark oder Ackerfläche? – Unmut in der Bevölkerung

  • 7. Februar 2022 um 14:33
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    Hier wird sehr viel Porzellan zerschlagen durch den respektlosen und hochnäsigen Umgang mit Landwirten und Bürgern.
    Photovoltaik wird gebraucht,aber es gibt auch intelligente Lösungen die man den Beteiligten näher bringen muss.
    Schnelle Gewinnmaximierung ist da sicherlich kontraproduktiv.

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