Sonderausstellung Diözesanmuseum „Alles Pallotti-Gut gebrüllt Löwe!“

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Am 15. September wird der Pallottinerpater Richard Henkes selig gesprochen. Zu diesem Anlass beschäftigt sich das Diözesanmuseum in seiner neuen Sonderausstellung mit dem missionarischen Wirken der Pallottiner in Kamerun.

Die Titel, welche sich das Diözesanmuseum Limburg für seine Ausstellungen ausdenkt, sind immer sehr gut und machen neugierig auf mehr. So auch der Titel der aktuellen Sonderausstellung „Alles Pallotti – Gut gebrüllt Löwe“, welche bis zum 24. November zu sehen ist.

Deutschland als Kolonialmacht

Das neue preußisch-deutsche Reich, welches 1884 gegründet wurde, wollte nach Portugal, England und Frankreich, als junge Kolonialmacht Fuß in Afrika fassen. Eine Missionsgemeinschaft waren die 1835/46 von Vincenzo Pallotti gegründete Vereinigung des katholischen Apostolats. 1838 erhielt diese Missionsgemeinschaft eine eigene Schwesterngemeinschaft. Ab 1887 hatte das Bistum Limburg die Möglichkeit, wieder Ordensgemeinschaften aufzunehmen und so konnte 1892 im Walderdorfer Hof die Pallottinerniederlassung gegründet werden. Bereits seit 1890 waren die Pallottiner als Missionare in Kamerun tätig.

Von Limburg aus wurden zügig die ersten Missionsstationen gegründet und unterstützt. Die Kirche wuchs sehr rasant, doch die klimatischen Bedingungen forderten einen hohen Preis von den Missionaren und Missionarinnen. 1905 wurde der Apostolische Vikar Heinrich Vieter (1853-1914) im Dom zu Limburg durch Bischof Dominikus Willi zum Bischof von Kamerun geweiht. Der erste Bischof starb zwei Jahre bevor die Limburger Ordensleute in Folge des ersten Weltkrieges ihr Missionsgebiet verlassen mussten. Nach dem Krieg wendeten sie sich neuen Missionsaufgaben in Afrika, Südamerika und Australien zu.

Diözesanmuseum Sonderaustellung Pallottiner
Totenmaske von Vincenz Pallotti

Forscher und Statistiker

Viele Ausstellungsstücke stammen aus dem heute nicht mehr existierenden Missionarsmuseum der Pallottiner. So auch der ausgestopfte Löwe, welcher aus Kamerun seinen Weg nach Deutschland fand. Kamerun wird auch als „Afrika im Kleinen“ bezeichnet, mit allen Topografien, welche auch in Afrika zu finden sind. Und so waren die Gläubigen nicht nur als Missionare unterwegs, sondern auch als Forscher tätig. So schickten sie Tiere wie auch Pflanzen nach Deutschland, die wiederum zu Lehrzwecken für zukünftige Missionare verwendet wurden. Auch Masken, ein geschnitzter Holzthron und Fetische können in der Ausstellung betrachtet werden.

Diözesanmuseum Sonderausstellung Pallottiner
Käfer aus Kamerun

Das es nicht leicht war, als Missionar in Kamerun tätig zu sein, zeigen eindrucksvolle Zahlen. So lag die Sterblichkeit der Kamerun-Mission von 1890 bis 1892 bei 6,81 Prozent, erreichte im Zeitraum von 1905 bis 1912 mit 1,9 Prozent ihren Tiefstwert, um schließlich wieder bis 1915 auf 2,8 Prozent anzusteigen.

Diözesanmuseum Sonderuasstellung Pallottiner
Sterblichkeitsrate der Pallottiner in Kamerun sowie Erfolge der Missionierung

Blick in die Vergangenheit und die Gegenwart

Direktor Prof. Dr. Matthias Theodor Kloft wies in der Eröffnung hin, dass sich die Ausstellung zum einen mit der Vergangenheit auseinandersetzt. Viele Zeugnisse berichten vom Wirken der Pallottiner in Afrika. Zudem zeigen die Zeugnisse, wie die Pallottiner neue Mitglieder für ihre Tätigkeit warb. Er wies aber auch auf die Probleme dieser Ausstellung hin, denn viele Stücke seien mit „Neger“ beschriftet. „Diese sind nicht negativ gemeint, sondern stehen im Zusammenhang mit der damaligen Zeit“, so Kloft. So befinde sich in der Ausstellung auch ein sogenannter „Negerbrief“. Dieser Abdruck sollte zeigen, dass die Afrikaner Bildung erfahren können und diese umsetzen.

Es stellt sich auch die Frage, wie damals Deutschland mit Afrika umging. Auf der einen Seite war es etwas Exotisches, was die große Sammlung der verschiedenen Stücke zeigt. Auf der anderen Seite wurde es auch ausgebeutet. Auch wenn Deutschland dies heute nicht mehr macht, so werde Afrika inzwischen von Russland und Asien ausgebeutet. Und dies führt ihn zur heutigen Betrachtung: „Afrika ist noch immer der Hinterhof der Welt und wird ausgebeutet“, so Kloft, „und seine guten Leute verliert es, weil diese vor der Perspektivlosigkeit flüchten.“ Daher soll die Ausstellung die Besucher auch dazu anregen, darüber nachzudenken, wie sie mit Afrika umgehen. So stünde der Löwe, welcher in der Ausstellung zu sehen sei, heute auf der Roten Liste. „Wir sollten darüber nachdenken, dass die Tierarten in Afrika zurückgehen“, so Kloft und „Die Artefakte müssen uns Mahnung sein.“

Kunst in der Mittagspause

Im Rahmen der Ausstellung bietet das Diözesanmuseum wieder kleine Führungen in der Mittagspause an mit verschiedenen Themen zur Ausstellung. Die Teilnahme ist kostenlos und die Führungen dauern jeweils 30 Minuten.

16. Oktober 2019, 12:15 Uhr – Prof. Dr. Matthias Theodor Kloft:

Faszination Afrika – der Blick auf den Schwarzen Kontinent in früheren Zeiten

23. Oktober 2019, 12:15 Uhr – Dominik Müller:

Besitz und Eigentum – Zum schwierigen Umgang mit Kunst aus kolonialem Kontext

30. Oktober 2019, 12:15 Uhr – Oliver Teufer:

Von Krokodilgeistern und Ahnenkult – Glaubenswelten Kameruns

Den Abschluss des Rahmenprogramms bildet ein Vortrag von Pater Markus Hau SAC, dem Missionssekretär der Pallottiner mit dem Titel „Mission impossible? – die Sendung der Pallottiner heute zwischen Glaubensverkündigung und Sozialarbeit.“ am 20. November um 19:30 im Diözesanmuseum.

Diözesanmuseum Sonderausstellung Pallottiner

 


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Heike Lachnit

Ich bin freie Lokaljournalistin in der Region um Limburg. Auf HL-Journal schreibe ich über die Themen, die nicht immer in der Zeitung Platz haben oder die mir am Herzen liegen.

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