Sonderausstellung Diözesanmuseum: „Mit Zigaretten und Kaffee für die Kunst“

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Am 15. Mai darf das Museum endlich seine Pforten öffnen und damit auch die neue Sonderausstellung „Mit Zigaretten und Kaffee für die Kunst“ über das Künstlerpaar Arnold Hensler und Annie Hensler-Möring. 

Überall in Limburg sind die Spuren von Arnold Hensler zu entdecken. Die Kindergruppe steht vor dem Rathaus, eine Skulptur schmückt den Eingang über dem Bischöflichen Ordinariat, auf den Friedhöfen befinden sich Werke von ihm und links neben dem Dom ist sein Hauptwerk, die Kreuzigungsgruppe zu finden. Diesem Künstler und seiner Frau hat das Diözesanmuseum seine Sonderausstellung gewidmet. Die Vernissage musste aufgrund der Corona-Pandemie verschoben werden, aber ab Freitag können sich die Besucher die Werke des Künstlerpaares anschauen.

Sonderausstellung Diözesanmuseum

Mehrklang der Kunst

Bei vielen Künstlerpaaren ist es häufig so, dass sie im gleichen Bereich tätig sind, sich aber unterschiedliche Themen für ihre Arbeiten aussuchen. Beim Künstlerpaar Arnold Hensler (1892-1935) und Annie Hensler-Möring (1892 -1978) war es jedoch so, dass sie sich der gleichen Themen zu wandten, diese aber mit unterschiedlichen Mitteln interpretierten. Während Arnold Hensler Zeichnungen anfertigte sowie Skulpturen, fotografierte seine Frau diese. Somit ergeben sich verschiedene Eindrücke von einem Thema. Bereits im Eingang des Museums erhält der Besucher einen Eindruck von diesem Dreiklang – die Schwester des Künstlers als Zeichnung, Portraitfoto und Büste. Bereits bei diesem Dreiklang zeigt sich, dass sich die beiden in ihrer Kunst ergänzt und sich gegenseitig befruchtet haben.

Beide haben eine komplett andere Ausbildung genossen. Der aus Limburg stammende und später in Wiesbaden wohnende Arnold Hensler studierte erst Architektur und später Bildhauerei. Sie stammt aus einem gutbürgerlichen Haus in Hamburg und ihr Vater war der Meinung, dass sie weder Abitur noch Studium benötigt. Sie musste dafür kämpfen, um eine Ausbildung als Fotografin machen zu dürfen. 1922 heirateten sie beide.

Annie Hensler-Möring begleitete das Wirken ihres Mannes. Nur durch ihre Fotografien kann die Vielfalt des Schaffens ihres Mannes nachvollzogen werden. Es existieren Fotos von Skulpturen, die im Zweiten Weltkrieg zerstört worden und deren Verbleib nicht mehr nachzuvollziehen ist. Zudem zeigen ihre Fotos Schaffensprozesse zu den Skulpturen. Oder sie zeigen, in welchem ursprünglichen Zusammenhang die Arbeiten gedacht waren und heute so nicht mehr existieren, weil sie inzwischen an ganz anderen Stellen und in neuen Zusammenhängen wirken. Als Beispiel lässt sich da die Kindergruppe am Rathaus benennen. Ursprünglich wurde diese für eine Jugendherberge über der Tür gestaltet. Dies bedeutet, dass die Kindern von oben auf die Menschen herabblickten. Inzwischen stehen sie ebenerdig und erzielen dadurch eine ganz andere Wirkung bei dem Betrachter.

Keine Glorifizierung des Krieges

Im ersten Weltkrieg war Hensler Sanitätssoldat. Was er dort erlebte, spiegelt sich in seiner Kunst wieder. In seinen Kriegsdenkmälern war er nicht bestrebt, die Soldaten als Helden zu glorifizieren. Viel mehr wollte er aufzeigen, dass der Krieg mit Schmerzen, Entbehrungen und Leid verbunden war. Daher besitzen seine Kriegsdenkmäler pazifistische Züge.
Neben den Kriegsdenkmälern schuf er kirchliche Kunst. Die Kirche zählte auch mit zu seinen Hauptauftraggebern. Eine riesige Pieta aus Holz weist in der Ausstellung davon oder auch die Kreuzigungsgruppe neben dem Dom. Anhand von Fotos, Zeichnungen sowie kleineren Skulpturen lässt sich anhand der Kreuzigungsgruppe seine Arbeit nachvollziehen. Er selbst zählte diese Arbeit zu seinen Hauptwerken und er machte sich viele Gedanken um dieses Werk. So spielte es für ihn unter anderem auch eine Rolle, dass dieses Werk aus Marmor dem Dom nichts von seinem Glanz nimmt.

Sonderausstellung Diözesanmuseum Hensler

Künstlernetzwerke

Arnold Hensler war ein sehr offener Mensch, welcher schnell Kontakte knüpfte. Dies kam ihm zu Gute beim Finden von Auftraggebern. Beide waren Teil des Wiesbadener Künstlerkreises, über den auch viele Aufträge zustande kamen. Die Verbundenheit zu anderen Personen führte zu den verschiedensten Werken. Für seinen Freund Leo Sternberg illustrierte er einige Werke.

Mit Beginn des 3. Reiches gingen seine Aufträge zurück und Hensler wurden in seinem Arbeiten massiv behindert. Den Nationalsozialisten war seine enge Verbundenheit zur Kirche ein Dorn im Auge. Sie hat neben den Fotos von seinen Arbeiten ihr Geld mit eigenen Portraits verdient, aber auch mit Werbeaufnahmen sowie der Gestaltung von Schaufenstern.

Sonderausstellung Diözesanmuseum Hensler

Nach seinem Tod kümmerte sich Annie Hensler-Möring vor allem um seinen Nachlass, dass dieser nicht vergessen geht. Sie wandte sich später aber auch der plastischen Kunst zu. So gestaltete sie 1948 eine Plakette von Bischof Hilfrich. Auch brachte sie später ein Gedichtband heraus. Auf ihr späteres Schaffen gibt es nur einen kleinen Blick, da das gemeinsame Wirken als Künstlerpaar den Mittelpunkt der Ausstellung bildet.

Die Titel, welches sich das Diözesanmuseum für seine Sonderausstellungen ausdenkt, sind immer sehr besonders und machen neugierig. Und so wollte ich natürlich auch wissen, warum der aktuelle Titel „Mit Zigaretten und Kaffee für die Kunst“ heißt. Beide Künstler seien wohl dem Glimmstengel und dem Koffeingebräu sehr angetan gewesen, auf vielen Bildern sind sie mit Zigarette zu sehen. Daher kam die Inspiration für den Titel.

Spurensuche in Limburg

Nach dem Besuch der Ausstellung empfehle ich eine Spurensuche in Limburg. Direkt auf dem alten Domfriedhof geht es los. Arnold Hensler`s Wunsch war es, in der Nähe seines Hauptwerkes auf dem Domfriedhof beerdigt zu werden. Und auch wenn dieser schon längst geschlossen war, so gelang es seine Frau, diesen Wunsch durchzusetzen und seine Grabplatte befindet sich bis heute dort.

Sonderausstellung Diözesanmuseum Hensler

Weiter geht es am Dom. Links vom Dom befindet sich sein Hauptwerk – die Kreuzungsgruppe. Statt wie üblich Jesus am Kreuz in der Mitte der Skulptur zu platzieren, wurde dieser links der Skulptur positioniert, während sich seine Mutter Maria und Maria Magdalena in der Trauer zusammenfinden.

Sonderausstellung Diözesanmuseum Hensler

Das Museum kann nur unter Hygieneregeln und Wahrung von Abstandsregeln besucht werden. Was beim Museumsbesuch alles zu beachten ist, findet ihr auf der Homepage des Diözesanmuseum.

Mehr zu dem Künstlerehepaar könnt ihr auch in dem Buch „Ein Künstlerpaar zwischen den Weltkriegen“ erfahren.

Sonderausstellung Diözesanmuseum Hensler


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Heike Lachnit

Ich bin freie Lokaljournalistin in der Region um Limburg. Auf HL-Journal schreibe ich über die Themen, die nicht immer in der Zeitung Platz haben oder die mir am Herzen liegen.

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