Sonderausstellung Katharina Kasper und die Armut im Westerwald

Teilen erwünscht

Im Oktober wurde Katharina Kasper heilig gesprochen, nun widmet das Diözesanmuseum Limburg dieser Frau eine Sonderausstellung. In dieser Ausstellung können die Besucher mehr über die Zeit erfahren, in welcher Katharina Kasper lebte und wirkte.

Um der Sonderausstellung „Katharina Kasper und die Armut im Westerwald“ den passenden Rahmen zu geben, hat sich das Diözesanmuseum Limburg einiges einfallen lassen. So ist der große Raum im Erdgeschoss fast nicht wieder zu erkennen. Es war dem Museum wichtig, die Heilige in ihrem Lebensumfeld darzustellen. Die Sonderausstellung will ihr Werk im Kontext ihrer Zeit und ihrer Umgebung vermitteln. Bei der Eröffnung meinte Bischof Georg Bätzing: „Die Ausstellung macht deutlich, dass der Glaube immer eine Aufgabe in der Welt hat.“

Nachbildung Geburtshaus

Das Zentrum der Ausstellung ist die Nachbildung des Geburtshauses von Katharina Kasper. Dort ist sie nicht nur geboren und aufgewachsen. Dort lebte sie zu Beginn der Ordensgründung der Armen Dienstmägde Jesu Christ – auch als Dehrnbacher Schwestern bekannt- mit ihren Mitschwestern. In diesem Haus finden sich Alltagsgegenstände wie ein Nähkorb von Katharina Kasper. Über einen Bildschirm werden Szenen aus dem Westerwald der damaligen Zeit gezeigt. Auch die Wände sind symbolisch wie Holzhäuser gestaltet, um den Besucher in die Welt der Heiligen mitzunehmen.

Westerwald im frühen 19. Jahrhundert

Katharina Kasper, welche am 14.Oktober 2018 zur Heiligen ernannt wurde, wurde am 26.Mai 1820 in Dernbach im Westerwald geboren. Durch Raubbau im 17. und 18. Jahrhundert war der Westerwald ein Ödland und die Menschen waren von existentieller Armut bedroht. Hungersnöte, eine fehlende soziale Absicherung sowie schwere Krankheiten bestimmten den Alltag. Bauern konnten mit ihrem Boden eine fünf- bis sechsköpfige Familie ernähren. Sobald die Familie größer war, wurde es schwierig. Zudem gab es das Erbbauerrecht – der Hof ging auf den Ältesten über. Die anderen Kinder mussten schauen, wo sie blieben. Diese haben dann Dinge des täglichen Lebens gefertigt und verkauft, wanderten aus oder verdingten sich als fahrende Musikanten.

Kleidung zur Zeit von Katharina Kasper
Kleidung zur Zeit von Katharina Kasper

Zudem zerstörte die große Säkularisation die Infrastruktur besonders im katholischen Bereich durch Auflösung der im Bildungs- und Sozialbereich tätigen Ordensgemeinschaften. Besonders die höhere Mädchenbildung litt darunter. Und so waren Bemühungen in diese Richtung der Obrigkeit ein Dorn im Auge, denn diese sahen die Rolle der Frau nur in der Familie oder in den dienenden Berufen.

Den sozialen Problemen entgegentreten

Da Katharina Kasper durch ihr eigenes Umfeld die Armut kannte, beschloss sie bereits als junge Frau, den sozialen Problemen in ihrem Umfeld entgegenzutreten. 1845 gründete sie mit einigen Mitstreiterinnen einen Verein, der sich der Pflege und Betreuung von Alten, Kranken und Waisen widmete. Dieser Verein erhielt starken Zuwachs und aus ihm ging die Kongregation der Armen Dienstmägde Jesu Christi hervor. Sie weigerte sich dagegen, dass dieser Orden unter die Bevormundung der Männer geriet. Sie nahm den Ordensnamen Maria an und leitete ihn bis zu ihrem Tod 1898. Zu ihren Lebzeiten hatte der Orden 1725 Mitglieder und war in 193 Niederlassungen aktiv. Sie wirkten in Deutschland, Europa und ab 1868 folgten sie den Auswanderern auch nach Übersee.

Termine im Rahmen der Sonderausstellung

Die Sonderausstellung geht bis zum 27. Juni 2019. Das Museum bietet ein Begleitprogramm zur Ausstellung an:

Donnerstag, 02. Mai, 19 Uhr: Vortrag Ulrich Keller, Archivar ADJC „Die Schwestern der Heiligen Katharina“

Donnerstag, 16. Mai, 19 Uhr: Annegret Held liest aus ihrem Buch „Armut ist ein brennend Hemd“

Donnerstag, 27. Juni, 18 Uhr: Heiteres Katharina Kasper Theater mit Stefan Herok „Starke Frau in schwacher Zeit“

Außerdem finden Führungen in der Reihe „Kunst in der Mittagspause“ und „Kunstgespräche am Abend“ statt. Die genauen Termine liegen noch nicht vor.

 


Teilen erwünscht

Heike Lachnit

Ich bin freie Lokaljournalistin in der Region um Limburg. Auf HL-Journal schreibe ich über die Themen, die nicht immer in der Zeitung Platz haben oder die mir am Herzen liegen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.