Stärkere Vernetzung in der Wissenschaft und Kultur

Bündnis 90/ Die Grünen Limburg-Weilburg luden Ayse Asar, Staatssekretärin im Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst ein, um mit ihr über die Wissenschaft und die Kunst während der Corona Pandemie zu sprechen.

Das Land Hessen investiert einige Millionen Euro, um den hessischen Wissenschaftsstandort zu stärken. Auch für die Kultur stellt das Land Fördergelder bereit, welche jedoch nur eine Ergänzung zu den Geldern auf Bundesebene seine können. Jedoch äußerte Ayse Asar die Angst, dass nach der Pandemie die Kultur der letzte Bereich ist, in dem investiert wird. „Es besteht die Gefahr, dass an der Kultur gespart wird“, so ihre Befürchtungen. Daher sei es löblich, wenn auch im ländlichen Raum wie dem Landkreis Limburg-Weilburg Projekte entstehen, die Kultur zu fördern.

Vernetzung in der Wissenschaft

Vor der Pandemie galt in der Wissenschaft ein Wettlauf, wer Ergebnisse zuerst liefert. Die Wissenschaft und Forschung war auf den Wettbewerb ausgerichtet. Doch Ayse Asar plädiert für die Vernetzung, denn nur so können alle von gewonnenen Ergebnissen profitieren. Dies war eine Erkenntnis für sie aus den letzten Monaten in der Pandemie. Zudem kam der Wissenschaft eine völlig neue Rolle zu. Sie war nicht mehr nur in der Forschung und Entwicklung tätig. Sie fungieren seit Beginn der Krise als Berater des politischen Apparates. Dies führte zudem dazu, dass Wissenschaft nicht mehr im Verborgenen stattfindet, sondern in der Mitte der Gesellschaft angekommen ist.

Zahlreiche Forschungseinrichtungen gibt es in Deutschland, welche sich an den Universitäten finden, im Bereich des Gesundheitssystems oder in der freien Wirtschaft. Es wurde nun damit begonnen, diese miteinander zu vernetzen. Über 11 Milliarden Euro fließen vom Land Hessen, um eine Vernetzung zwischen Wissenschaft und Hochschulen zu bewirken. „Wir sind in Hessen stolz, dass wir mit unseren Standorten Marburg, Gießen und Frankfurt gute Einrichtungen haben, die an der Erforschung des Coronavirus mitwirken“, so die Staatssekretärin. Mit 4,3 Millionen Euro sowie Mitteln aus europäischen Fonds hat Hessen die Bildung eines Pandemienetzwerkes unterstützt.

Doch in der Wissenschaft geht es nicht um den schnellen Erfolg. „Wissenschaft braucht seine Zeit und einen langen Atem“, so Asar. Aber nur, weil an der mRNA bereits seit über 25 Jahren geforscht wird, war es möglich, in schneller Zeit den Impfstoff zu entwickeln. Ohne die Grundlagen wäre dies nicht möglich gewesen. Daher ist es dem Land auch wichtig, in die Grundlagenforschung zu investieren. Mit dem LOEWE- Programm, die Landes-Offensive zur Entwicklung wissenschaftlich-ökonomischer Exzellenz, fördert das Land Hessen seit 2008 daher wissenschaftspolitische Impulse und stärkt damit nachhaltig die hessische Forschungslandschaft. Zudem sollen weitere Programme aufgesetzt werden, um „schlaue Köpfe“ nach Hessen zu holen. Und es soll den Wissenschaftlern Freiraum geben, auch mal gewagte Ideen zu denken.

Learnings aus der Pandemie

Die fehlende Vernetzung war ein großes Learning aus der Pandemie. Ein zweites Learning betrifft die Unternehmensgründung. Das hessische Hochschulgesetz wird derzeit neu novelliert. So soll es zum Beispiel leichter möglich sein, aus der Hochschule heraus neue Gründungen anzustreben. Das Potential zu Unternehmensgründungen in der Wissenschaft ist vorhanden, aber noch nicht zu 100 Prozent ausgeschöpft.
Ein drittes Learning betrifft die lernende Gesellschaft. Es gibt eine Chance zu einem gesellschaftlichen Wandel. Ayse Asar hofft, dass einige virtuelle Formate nach der Pandemie beibehalten werden, um eine stärkere Vernetzung zu ermöglichen. Hielt sie früher Gastvorträge an Universitäten, war sie ewig unterwegs und musste auch Termine absagen. Heute könne sie an einem Tag Gastvorträge in ganz Europa halten. So beschloss das Land Hessen bereits im April 2020 den Digitalpakt mit 112 Millionen Euro, der die Hochschulen dabei unterstützen, auf digitale Vorlesungen umzustellen.

Kultur in der Krise

Die Kultur war als erstes von der Krise betroffen und wird auch als längstes von der Krise betroffen sein, ist sich die Staatssekretärin sicher. Die Pandemie habe riesige Löcher in die Finanzen der Kommunen gerissen. „Da ist die Frage, wann wieder in Kunst investiert wird“, so Asar, „die Gefahr besteht, dass an der Kultur gespart wird.“ Leider fallen die Künstler bei den Soforthilfen durch ein Raster, denn dort geht es häufig um die Betriebskosten und weniger um den Unternehmerlohn. Das Land Hessen habe schnell Kulturpakete aufgesetzt und konnte laut Asar auch in der Not helfen. Sie habe Kontakt zu vielen Kulturverbänden und erhalte von denen positive Rückmeldungen. „Wir können nur ergänzen, was vom Bund kommt, aber nicht vollkommen die Verluste auffangen“, so Asar. Das Land Hessen habe 50 Millionen Euro aufgesetzt um die existenzielle Not von Künstlern oder Festivals abzufedern.

Sie haben versucht, die vielfältige Kulturenlandschaft in Hessen zu stützen. Daher wurde ein zweites Kulturpaket für 30 Millionen Euro aufgesetzt zur Unterstützung. Und für „Kultur unterm freien Himmel“ werden gerade de Förderrichtlinien für ein 10 Millionen Hilfsprogramm erarbeitet. Gerade sprechen sie sehr intensiv über Öffnungsstrategien. Wenn der Einzelhandel öffnet, sollten auch Museen öffnen dürfen. Und wenn die Gastronomie öffnet, sollten auch Theater wieder öffnen. Doch zeitliche Zusagen konnte die Staatssekretärin dazu leider nicht machen. Und das ganze hängt ja auch von der Entwicklung ab. „Die aktuelle Entwicklung erfüllt mich mit Sorge, die Mutation grassiert“, so Asar.

 

Heike Lachnit

Ich bin freie Lokaljournalistin in der Region um Limburg. Auf HL-Journal schreibe ich über die Themen, die nicht immer in der Zeitung Platz haben oder die mir am Herzen liegen.

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