Thomas Künne: „Ich bin Impulsgeber, Souffleur des Lebens“

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Thomas Künne (62) ist Astrologe und Schwingungstherapeut in Limburg. In einem Video hörte ich von ihm den Spruch: „Wenn du nicht in dir selbst zu Hause bist, bist du nirgendwo zu Hause.“

Dies machte mich neugierig und ich wollte mehr von ihm erfahren. Er lud mich in seine Räumlichkeiten ein, demonstrierte mir einige Übungen und ließ mich im hektischen Alltag kurz innehalten mit einer musikalischen Meditation. Er möchte Impulsgeber für die Menschen sein, damit sie ihre innere Mitte finden.

Klare Abgrenzung zur Esoterik

Sie haben gerade erzählt, dass Sie jahrelang bei Polaroid gearbeitet haben. Waren Sie bereits da als Astrologe tätig oder gab es einen Bruch in Ihrem Leben, dass Sie sich nochmal völlig neu orientierten?

Thomas Künne: Es geht nicht um die Orientierung. Ich bin Fische-geboren, dass sind sehr sensible Menschen, mit Aszendent Skorpion, ebenfalls ein Wasserzeichen. Ich habe schon sehr früh angefangen zu malen. Es war immer mein Bestreben, auf die inneren Prozesse zu achten und diese nach außen zu tragen. Mein Vater war in einer leitenden Position und wollte, dass ich BWL studiere. Ich wollte das gar nicht. Im Grunde habe ich immer das in meinem Leben gemacht, wozu es mich innerlich strebte. Ich habe dann Kunst und Germanistik studiert. Wie die Zufälle so sind, bin ich zu Polaroid gekommen. Da ging es dann primär um die äußeren Bilder. In 16 Jahren bin ich bis 2002 vom Außendienstmann zum Verkaufsdienstleiter Deutschland aufgestiegen. Ich war die Nahtstelle zu Europa und verantwortlich für hohe Umsätze. Das hat mir auch Freude gemacht.

In dieser Zeit habe ich auch meine Astrologieausbildung gemacht. 2002 habe ich auf einer Kreuzfahrt Rüdiger Dahlke kennengelernt, der die Spiritualität in die westliche Welt getragen hat. Danach habe ich meinen Schreibtisch angeschaut und wir hatten uns nichts mehr zu sagen. Und dann habe ich den neuen Weg gewählt. Diese eine Phase im Leben ist zu Ende. Die Raupe muss sterben, damit der Schmetterling fliegen kann. Vom Beruf, den ich sehr gerne gemacht habe, kam ich in die Berufung. Das ist ein gewachsenes, homogenes Verhältnis. In dieser Zeit habe ich neben der Astrologie auch die Ausbildung in psychosomatischer Medizin gemacht.

Ihren Beruf grenzen Sie aber klar von der Esoterik ab?

Thomas Künne: Die Spiritualität möchte ich ganz klar trennen von dem Eso-Gedanken. Spiritualität ist für mich, wie ich im Leben unterwegs bin, in der Schöpfung, bin ich achtsam mir selbst und den Menschen gegenüber, halte ich das Ego zurück, bin ich ein Zwangsbeglücker oder jemand mit Ellenbogenmentalität. Ein wahrer Weiser ist jemand, der mit dem Herzen unterwegs ist. Und für mich kam dann der Punkt, dass ich das, was für mich im Leben so entscheidend war, auch an andere vermitteln wollte.

Also Astrologen haben wir eine sehr subtile Aufgabe und müssen ethisch in unseren Aussagen sein. Wir dürfen keine Aussagen machen, die fatalistisch oder abschätzig sein. Denn ein Gedanke ist eine Kraft, die in einem drin ist und sich irgendwann materialisiert. Es gibt Astrologen, die sagen ihren Kunden, dass sie mit 40 Jahren sterben. Darüber machen sie sich erstmal keine Gedanken, aber wenn die 40 näherkommt, beschäftigen sie sich damit und welche Auswirkungen dies dann hat, können wir nicht sagen. Da grenze ich meine Arbeit zur Esoterik ab.

Ich möchte den Menschen helfen, sich selbst zu helfen. Dabei möchte ich einen Impuls geben. Ich bin Impulsgeber, der Souffleur, das Starthilfekabel für die Menschen.

Sie machen dies schon viele Jahre und Sie haben gerade selbst gesagt, es hat Sie schon immer begleitet. Gab es dennoch mal einen Punkt, wo Sie sich nicht in sich selbst befunden haben? Oder befanden Sie sich ihr ganzes Leben in Balance?

Thomas Künne: Die Ärzte bescheinigen mir immer ein sehr solides Gesundheitssystem. Ich bin jemand, der Phasen des Rückzuges hat, wenn er mal zu viel gemacht hat. Ich bin ein fleißiges Bienchen, aber ich nehme mir auch die Zeit für mich. Dies nennt man heute Work-Life-Balance. Dies ist in einem Unternehmen nur bedingt möglich, weshalb ich an den Punkt kam, dass ich etwas ändern musste.

Ich hatte schon mehrmals den Punkt, wo ich das Gefühl hatte, etwas tun zu müssen und dann muss man auch handeln. Ich kann aber nicht ergründen, warum ich dies erkannte und andere diese Punkte nicht für sich erkennen. Da versuche ich den Menschen zu helfen, ihres zu finden. Meine innere Stimme scheint bei mir sehr ausgeprägt zu sein, bei anderen weniger. Es gibt so viele Ablenkungsmanöver in unserer Gesellschaft, dass die eigene Stimme manchmal untergeht. Und da braucht es Impulse, dass die Menschen nicht mehr nur fremdgesteuert durch die Außenwelt unterwegs sind. Das ist für mich eine Berufung, diese Impulse zu geben.

Miteinander mit der Schulmedizin

Sie haben gesagt, dass Sie sich nicht allein sehen, sondern nur im Miteinander mit der Schulmedizin. Wie sieht es von Seiten der Schulmedizin aus?

Thomas Künne: Da gibt es keine pauschale Antwort drauf. Ich bin inzwischen in der Internationalen Gesellschaft für Naturheilkunde, einem Ärztegremium, drin. Dort kann ich mein Gedankengut präsentieren. Vor allem das Thema Schwingungen findet immer mehr Anklang. Es gibt Schulmediziner, welche ihre Praxen ergänzen. Es gibt aber auch noch immer Ärzte mit ihrem Betondenken und Ärzte, die sich öffnen.

Wo würden Sie sagen, begann die Öffnung der Schulmedizin?

Thomas Künne: 2005 ging es langsam los und das Interesse nimmt jetzt zu. Ich sehe mich als Vermittler, als Pontifex, als Brückenbauer. Mein Versuch ist es, die Welten zusammen zu bringen. Ich gebe eine andere Sichtweise auf die Themen.

Wie muss ich mir die Menschen vorstellen, die hierherkommen? Kommen die, die an einem Punkt angelangt sind, wo sie nicht mehr weiterwissen? Oder kommen auch Menschen, die sich in Balance finden?

Thomas Künne: Das ist nicht so leicht zu beantworten. Ich kann nicht die Aufgaben eines Psychologen, Psychiaters oder Arztes übernehmen. Mein Bestreben ist es, die inneren Heilungskräfte zu aktivieren. Durch die Coronakrise sind manche Themen auch verstärkt hochgekommen, welche jahrelang aufgeschoben wurden.

Wie sieht Ihre Arbeit mit den Menschen aus?

Thomas Künne: Wenn die Menschen zu mir kommen, schaue ich ins Horoskop. Dies ist wie ein Samenkorn. Ich erkenne die Themen und die Lebensphase, in welcher sich der Mensch befindet. Man kann eine Zeit lang gegen diese Phase arbeiten, doch irgendwann kommt es zu Blockaden, erst im außen, dann im Inneren. Die Situation betrachten wir erstmal rational. Im Therapieraum konfrontiere ich den Körper mit der zu ihm passenden Schwingung. Diese Schwingung geht direkt in sein Zellbewusstsein und sein Inneres merkt, wie es ursprünglich gemeint war. Ich vertrete das ganzheitliche Prinzip – Körper, Geist und Seele, was die Schulmedizin noch nicht immer voll anerkennt. Wo ich nicht weiterkomme, vermittle ich auch an einen Mediziner. Es geht um die Zusammenarbeit, das komplementäre und nicht das gegensätzliche.

Blockaden im Inneren und Äußeren

Um es dem Leser greifbar zu machen: Was können solche Blockaden sein?

Thomas Künne: Nach außen können dies immer wieder gleiche Muster sein wie zum Beispiel immer die gleiche Partnersuche oder entgegen der Bestimmung leben. Äußere Dinge können sein, ständig seinen Arbeitsplatz zu wechseln, ständigen anecken oder auch Mobbing. Es entstehen Muster, welche sich immer wieder wiederholen. Jede Medaille hat zwei Seiten wie Genuss und Verzicht. Der Mensch muss erkennen, dass er in seine Mitte gehen muss. Dies ist zu vergleichen mit einem Orkan – außen wird man vom Orkan mitgerissen, doch wer in der Mitte steht, hat einen sicheren Stand. Die klassische Astrologie kann eine Lebenshilfe leisten. Dies ist dann ein Aha-Erlebnis für die Menschen.

Wir sind eine Leistungsgesellschaft, Burn-Out nimmt zu und „wir müssen“ begegnet uns überall. Was Sie machen, wäre dann eine gute Ergänzung zum Leben.

Thomas Künne: Burn-Out heißt ja ausgebrannt. Du kannst nur das hergeben, was in dir gewachsen ist. Ich kann nur ernten, was ich gesät habe. Wie in der Landwirtschaft. Der Mensch denkt da etwas anders. Er ist der Meinung, auf seine Ressourcen zurückgreifen zu können, ohne dass eine Regeneration stattgefunden hat. Man kann nur brennen, wenn etwas in uns drin ist, sonst brennt man aus. Daher empfehle ich jedem, in seine Mitte zu kommen, damit dies nicht geschieht. Wir haben uns in vielen Dingen rein aufs Materielle bezogen, doch dies ist nur ein Teil vom Leben. Ich helfe den Menschen, auch die andere Seite zu sehen. Der Mensch lebt nicht von Brot allein.

Jetzt breche ich mit Ihrer Hilfe aus dem Hamsterrad aus, komme in meine innere Mitte. Dennoch gibt es von außen Einflüsse der Gesellschaft.

Thomas Künne: Das ist für sich ein sehr weites Feld. Du nimmst dir die Zeit und wirst dir deiner bewusst. Das Bewusstsein ist der Unterschied zwischen Leben und gelebt werden. Die meisten Menschen gehen leider immer mehr in die Richtung gelebt werden, wir sind mehr und mehr fremdgesteuert. Früher haben sich die Kinder auf dem Schulweg unterhalten, heute schaut jedes in sein Smartphone hinein. Wir haben im Auto das Navigationssystem, um unseren Weg zu finden.

Der Intellekt geht auf Zimmertemperatur runter. Man kann viel auf andere schieben, aber jeder kann sich an die eigene Nasenspitze fassen und sich fragen, was er da tut. Daher war die Coronazeit für mich persönlich eine große Chance. Wir waren überhitzt, immer größer, besser, weiter. Der andere Teil, der weibliche, regenerative Teil ist zu kurz gekommen. Jeder konnte für sich selbst feststellen, dass es da noch etwas anderes gibt, zur Ruhe kommen, runterkommen, Zeit für sich haben.

Zunehmende Aggressivität in der Gesellschaft

Sie sind ein ausgeglichener Mensch. Wie schützen Sie sich davor, durch negative Kommentare sich nicht runterziehen zu lassen?

Thomas Künne: Ich bin der Schwamm, der die ganze Welt in sich aufzieht. Ich muss mich selbst überprüfen, ob ich etwas richtig gemeint habe oder ob ich mich getäuscht habe. Wenn etwas nicht richtig ist, wehre ich mich auch. Ich lösche dann auch Kommentare oder auch Nutzer, wenn sie es nur darauf anlegen, mich zu provozieren. Das ist das wichtigste in der heutigen Zeit – sich nicht von außen aus der Mitte treiben lassen. Dies gilt für alle Berufe. Die Einwirkungen von außen sind riesig. Wir haben es alle selbst in der Hand, uns ein wunderbares Leben zu gestalten. Und dies geht von innen nach außen. Das war eine große Chance von Corona, auch mal wieder in die Natur hinauszugehen und sich zu erholen. Leider denken jetzt viele Menschen, dass sie etwas aufholen müssen und alle Schalthebel wieder in Bewegung setzen müssen. Dies ist so krank.

Ich bin kein Pessimist. Im Gegenteil, ich bin ein optimistischer Visionär. Aber es muss wirklich gelingen, dass Bewusstsein der Menschen zu schulen und dies gelingt auch teilweise. Dies muss nicht im Mainstream gelingen, aber bei den Menschen, die vorne stehen und Einfluss haben. Bei Menschen, die auch mal gegen den Strom schwimmen.

Was würden Sie sagen, wo die Aggressivität bei den Menschen herkommt? Die Gesellschaft wird zunehmende aggressiver.

Thomas Künne: Wenn Menschen sich selbst nicht mehr verwirklichen können, gehen sie aggressiver an Dinge heran. Sie erkennen, dass sie nicht ihr Leben führen, sondern gelebt werden. Sie ändern jedoch nicht gezielt ihren Weg, sondern suchen einen Sündenbock. Gleichzeitig kommen sie immer mehr in das Fahrwasser, dass sie fremdgesteuert werden. Sie schlucken ihre eigenen Kräfte runter und diese kommen dann brachial heraus. Die ganzen Dinge kommen wieder nach oben, die Blockwarte des 3. Reiches, die andere denunzieren können. An diesem Punkt sind wir angelangt und es ist ein sehr bedenklicher Zustand. Die, die nichts wissen sind laut und machen riesen Theater. Die, die viel wissen, versuchen dies über den Verstand zu machen. Und die Deppen gewinnen die Überhand. Im Internet geht dies auch relativ anonym. Wir müssen aus dem Kranken wieder das Gesunde machen. Ein Gehirn ist wie ein Muskel, wenn es nicht genutzt wird, nimmt es ab.

Was wäre Ihr Mittel dagegen?

Thomas Künne: Ich sehe mich als Mensch, der das Bewusstsein anregt. Wenn sich das Bewusstsein zurückzieht, geht es runter mit Achtsamkeit, Kultur. Daher müssen wir das Bewusstsein anregen. Ich mache den Menschen ein Angebot.

Wissen weitertragen

Haben Sie dennoch das Gefühl, dass Sie die Menschen erreichen?

Thomas Künne: Ich habe inzwischen 34 Bücher geschrieben, daher würde ich sagen, ja. Man ist aufmerksamer geworden. Ich kann jetzt meine Saat ernten. Als ich 2002 angefangen habe, haben die Menschen über mich gelacht. Aber inzwischen merken sie, dass ich etwas bewegen kann.

Ich möchte, dass die Menschen wieder in Resonanz gehen. Wir haben eine kranke Kommunikationsgesellschaft. Die Menschen geben nur noch Meinungen von sich, aber es findet keine Kommunikation statt. Kommunikation besteht aus einem Sender und einen Empfänger, die sich austauschen. Doch derzeit gibt es nur Sender.

Haben Sie noch Wünsche?

Thomas Künne: Iris Berben, die Schauspielerin, hat mal gesagt, die eigene Fährte leben und Spuren zu hinterlassen, ist das wichtigste im Leben. Das Weltbild, was ich erarbeitet habe, kann auch für andere wirken. Und dies möchte ich gerne umsetzen. Und was mir wirklich Freude macht, ist der direkte Kontakt mit den Menschen. Ich möchte mein Wissen weitertragen, damit es die Menschen für sich nutzen können. Hilfe zur Selbsthilfe eben.


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Heike Lachnit

Ich bin freie Lokaljournalistin in der Region um Limburg. Auf HL-Journal schreibe ich über die Themen, die nicht immer in der Zeitung Platz haben oder die mir am Herzen liegen.

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