Triff Tarek „Wir sind die Grünen“

Tarek Al-Wazir (Bündnis 90/Die Grünen), Minister für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Landesentwicklung war zu Gast in Limburg. Geladen hatte ihn der Kreisverband der Grünen mit den beiden Landtagskandidaten Holger Reich und Dr. Sebastian Schaub.

Große Worte um seine Person möchte er nicht machen, sondern nur einen kurzen Blick zurück werfen, was die Grünen in der vergangenen Legislaturperiode geschafft haben. Danach möchte er gerne ins Gespräch mit den rund 30 Zuhörern gehen, denn davon würde die Veranstaltung „Triff Tarek“ leben. Und an diese Ankündigung hielt sich Tarek Al-Wazir. In nicht mal zehn Minuten fasste er die politische Arbeit der letzten Jahr zusammen. Bei allen Themen fand er immer wieder den Dreh zur Grünen-Politik, denn „Wir sind die Grünen“. Daran müssen sie sich bei allen Taten messen lassen.

Schritt für Schritt auf dem richtigen Weg

In einer sensationellen Konstellation, an die niemand so recht glaubte, hat Schwarz-Grün die letzten fünf Jahre eine stabile Regierung gehabt. Mit ihm als Minister für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Landesentwicklung sowie Priska Hinz als Ministerin für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz haben sie einiges auf den Weg gebracht. Die Gewinnung erneuerbarer Energie wurde fast verdoppelt von 12,5 Prozent auf 22,5 Prozent. Auf 13,5 Prozent der Landesflächen werde inzwischen ökologische Landwirtschaft betrieben. Doch da möchten sie nicht stehenbleiben. „Wir haben das ehrgeizige Ziel von 25 Prozent.“
„Das dickste Brett“, was er zu bohren habe, sei der Verkehr, so Al-Wazir. Da werden täglich die meisten individuellen Entscheidungen getroffen. Die letzten Jahrzehnte sei in der Politik sehr stark aufs Auto gesetzt worden. Auch sei der Zuwachs an Arbeitsplätzen zu begrüßen. Aber er bedeutet auch ein Zuwachs an Arbeitnehmer, welche mit dem Auto zur Arbeit kommen.

Öffentliche Nahverkehr attraktiver machen

Für ihn liegt die Lösung darin, die Angebote auf den Schienen und mit den Bussen verstärkt auszubauen. Gleichzeitig muss der öffentliche Nahverkehr aber auch attraktiver gestaltet werden. Mit dem Schülerticket und den Jobticket für Landesbeschäftigte sind sie bereits auf dem richtigen Weg. Als nächstes möchte er ein Seniorenticket umsetzen und langfristig träumt er von einem Bürgerticket. „Es geht Schritt für Schritt nach vorne“, so Al-Wazir. Ein Student fragte nach, wie es denn mit einem Studententicket aussehe. Aber da bat ihn Al-Wazir noch um etwas Geduld. Er müsse erstmal die Bevölkerungsschichten dran nehmen, wo die Landesregierung wenig oder gar nichts zuzahlen muss, wenn ein einheitliches Ticket umgesetzt wird. Aber auf lange Sicht hoffe er, dass allen Bevölkerungsgruppen ein einheitliches Angebot gemacht werden kann.

In der Diskussion fragten die Zuhörer nach Grünstreifen entlang der Straßen, Windrädern im Wald sowie Betreuung in den Schulen. Sehr ausführlich legte Tarek Al-Wazir die Gründe für das Handeln dar oder auch für zukünftige Pläne.
Bei dem Straßenbegleitgrün, welche rund ein Prozent der Landesfläche ausmacht, setzt er darauf, dass Hessen Mobil nicht mehr „rabiat alles platt macht“, sondern mit Weitsicht an die Flächen heran geht. Zudem würde ein Projekt anlaufen, dass mit neuen Aussaaten diese Flächen ökologisch aufgewertet werden. Zu den Windrädern im Wald sagte, er, dass ohne diese keine Energiewende in Hessen möglich sei. Hessen sei das waldreichste Bundesland und Windräder müssen auf den Kuppen errichtet werden, wo oft Bäume stehen. Aber diese werden nur auf Vorrangsflächen von zwei Prozent der Landesfläche erbaut. „98 Prozent bleiben unberührt“, so der Minister. Außerdem werden ein Teil nach der Rodung wieder aufgeforstet.

Von unten wachsen lassen

Bei der Frage nach der Betreuung in den Schulen zeigte er auf, dass sie Schulen die Möglichkeit haben, mit dem Pakt für den Nachmittag, dem Schulprofil 1-3 verschiedene Modelle mit Ganztagsschulcharakter zu wählen. Doch er halte nichts davon, diese von oben herab zu diktieren, sondern die Initiative muss von unten her kommen. Wenn sich Schule, Schulträger und Eltern einig sind und ein Profil beantragen, bekommen sie vom Land auch die nötigen finanziellen Mittel zur Umsetzung. Aber aus seinen Erfahrungen weis er auch, dass viele Eltern einen Rückzieher machen, sobald das Nachmittagsangebot nicht mehr freiwillig sondern verpflichtend ist. Daher plädiere er dafür, „nicht von oben zu drücken, sondern von unten wachsen zu lassen.“

„Wir sind die Grünen“ klang immer wieder an. Für ihn bedeutet dies, dass sich die Wähler darauf verlassen können, dass sie agieren für die Energie- und Agrarwende, für den Verkehr sowie für eine offene Gesellschaft. Ihm ist es wichtig, die demokratische, offene sowie vielfältige Gesellschaft zu verteidigen. „Die Demokratie ist bedroht durch Angriffe von rechts und diesen Angriffen müssen wir widerstehen“, so Al-Wazir. Daher ist das Motto des Wahlkampfes auch „Haltung statt Populismus.“ Die Bürger müssen sicher sein, wenn sie Grün wählen, dass sie Grün bekommen.

 

 

Heike Lachnit

Ich bin freie Lokaljournalistin in der Region um Limburg. Auf HL-Journal schreibe ich über die Themen, die nicht immer in der Zeitung Platz haben oder die mir am Herzen liegen.

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