Unterwegs in der Region – Domäne Blumenrod mit langer Geschichte

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Wo früher Landwirtschaft betrieben wurde, befindet sich heute ein Ort der Begegnungen, der Kultur sowie der Gemeinschaft. Die Domäne Blumenrod, ehemals eine Staatsdomäne, beherbergt heute eine Tagespflege, eine Kinderkrippe, ein generationenübergreifendes Café sowie Räume der Freien evangelischen Gemeinde Limburg.

Lag die Domäne Blumenrod früher noch weit vor der Stadt, fährt man heute schon mal daran vorbei, da sich das Ambiente in die umgebende Bebauung einfügt. Und so weiß manch einer auch gar nicht, was sich hinter dem großen Tor verbirgt. Das riesige Anwesen liegt direkt an der Zeppelinstraße in Blumenrod. Ein Teil wird von der Freien evangelischen Gemeinde Limburg verwaltet und ein Teil durch die Stiftung Domäne Blumenrod. Die Stiftung wurde 2006 auf Initiative der Stadt Limburg durch engagierte Bürger und der Freien evangelischen Gemeinde gegründet. Ihr Ziel ist, die denkmalgeschützte und ehemalige Staatsdomäne in Limburg-Blumenrod zu sanieren. Langfristig soll es ein Ort für sozial-diakonische Aufgaben sowie zur Begegnung, Kultur und Gemeinschaft werden.

In dem gesamten Komplex befindet sich das von der Stiftung betriebene Café Denkmal sowie der Bürgersaal als Eventlocation. Weiterhin finden sich in dem Komplex die Kinderkrippe Krümelkiste, eine Tagespflege der Diakonie Bethanien sowie zwei medizinisch-therapeutische Praxen. Insgesamt ist die Domäne Blumenrod ein Ort der Begegnung für alle Menschen und Altersklassen. Wenige wissen jedoch, dass die Domäne eine lange Geschichte hat. Stadtarchivar Dr.Christoph Waldecker hat in seinem Buch „Limburg a.d.Lahn – im Wandel der Zeit“ diesem Ort ein Kapitel gewidmet.

In diesem Gebäudekomplex ist heute die Kinderkrippe untergebracht.

Ersterwähnung 1365

Wie alt die Domäne Blumenrod wirklich ist, kann nicht mehr genau gesagt werden. Erstmals wurde sie als „blumerodde“ 1365 im Testament des Limburger Schöffen Rule Bonthe erwähnt. Jedoch lag das erste Anwesen nicht an der heutigen Stelle, sondern 300 Meter südlich davon auf Diezer Gemarkung. Seit etwa 1776 befindet sich der Gebäudekomplex an der heutigen Stelle, auf Eschhöfer Gemarkung. Es besteht der Verdacht, dass es sich um eine ehemalige Wasserburg handelte, denn in einer „Beschreibung des Herzogthums Nassau“ wird 1843 von sichtbaren Spuren einer solchen Wasserburg berichtet. Die Endung „-rod“ weist darauf hin, dass das Gebiet,wo sich die Domäne befindet, extra gerodet werden musste.

Zusammenwachsen mit Limburg

Auch wenn die Domäne Blumenrod immer außerhalb der Stadt lag, waren die Bewohner Richtung Limburg orientiert. Im Laufe des 20. Jahrhunderts rückte Limburg an die Domäne heran. Ein völliges Verschmelzen fand in den 1970er Jahren statt.
Bis in die Nazizeit handelte es sich um eine offene Hofanlage. Die Wehrmacht beschlagnahmte das Hofgut 1935/36 und errichtete einen zusätzlichen Hofbau, so dass die heute bekannte, geschlossene Anlage entstand. Die Wehrmacht nutzte das Gebiet als Flugplatz. Bis zum Ende des Krieges wurden die Gebäude auch durch die Wehrmacht genutzt. 1939 war sogar Adolf Hitler zu Besuch.

In diesem sanierten Gebäudekomplex hat die Tagespflege ein zu Hause gefunden.
In diesem sanierten Gebäudekomplex hat die Tagespflege ein zu Hause gefunden.

Nach dem Krieg wurde es zurückgegeben und wieder landwirtschaftlich genutzt. In der Nähe des Hofes wurden Wohngebäude errichtet für die Unterbringung der Bauern. 1996 erwarb die Stadt Limburg die Domäne Blumenrod vom Land Hessen. Das dazugehörige Land wurde als Bauland verkauft, der Hof erhielt einen Pächter. Die letzte Ernte gab es 1998. Im Jahr 2000 entstand die Idee,den Komplex an die Freie Evangelische Gemeinde zu übergeben, 2002 wurde ein Erbpachtvertrag unterschrieben.

Eine besondere Erwähnung gilt dem Jahr 1910 – damals notlandete der Zeppelin ZII während eines Sturmes in Blumenrod. Der Sturm riss leider die Haltetaue los und das Luftschiff driftete Richtung Weilburg, wo es abstürzte. Daran erinnert die Zeppelinstraße.




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Heike Lachnit

Ich bin freie Lokaljournalistin in der Region um Limburg. Auf HL-Journal schreibe ich über die Themen, die nicht immer in der Zeitung Platz haben oder die mir am Herzen liegen.

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