Unterwegs in der Region – Mordschau und Motte in Elz

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Unterwegs im Elzer Wald kann sich jeder auf ein Stück Spurensuche hinein in die Geschichte begeben. Neben einem Spaziergang durch den Wald lässt sich auch einiges entdecken. Ein Ort, der sich tief im Wald versteckt, ist die Mordschau. Geschichtlich etwas düster ist es ein besonderer Ort des Glaubens.

Richtung Niedererbach geht es beim ehemaligen Forsthaus rein in den Wald. An den Fischteichen vorbei hält sich der Spaziergänger links und geht den Berg hinauf. Auf linker Seite blickt man leicht nach unten ins Hasslerbachtal. Irgendwann weist ein hölzernes Schild den Weg zur Mordschau. Dort kann jeder einen Moment verweilen.

Mordschau Elz

Sage zur Mordschau

Die Mordschau ist ein beliebter Ort für die Elzer. Karfreitag in der Früh gibt es jedes Jahr eine Prozession von der Pfarrkirche zur Mordschau, an der sich viele Elzer beteiligen. Eine Sage erzählt, dass die Elzer im 30-jährigen Krieg an diesen Ort vor den schwedischen Soldaten flohen. Sie besagt weiterhin, dass die Soldaten die Bürger dennoch fanden und alle töteten. Auch wenn es keinerlei Belege für diese geschichtliche Begebenheit gibt, ist diese Sage tief in Elz verankert. Der Heimatdichter Paul Blättel verfasste das Stück „D`Schwed im Land“, welches 1931 Uraufführung feierte und seitdem durch mehrere Theatergruppen wurde. Dieses Stück war auch die Inspiration dazu, das Kreuz in der Mordschau aufzustellen und diesen Gedenkplatz zu gestalten.

Am Karfreitag 1933 errichtete die Katholische Jugend und der katholische Gesellenverein, die heutige Kolpingfamilie, das Kreuz im Gedenken an den Kreuztod Jesu im Elzer Wald. 1935 wurde das Kreuz komplettiert mit dem hölzernen Christuskörper, welcher vom Schlosser Josef Braun geschnitzt wurde. Seitdem erfuhr der Platz einige Umgestaltungen und das Kreuz einige Restaurierungen. Diese Gedenkstätte ist allen Kriegsopfern, Verfolgten und Vertriebenen gewidmet.

Mordschau Elz
Über den Hasslerbach geht es hoch zur Mordschau

Keltischer Ursprung des Namens

Doch weist der Name „Mordschau“ wirklich darauf hin, dass sich hier grausames ereignet hat? Bereits in einem Kaufvertrag im Mittelalter von einem Heinrich von Elße mit dem St. Georgstift Limburg vom 12. März 1439 wird dieses Stück erwähnt und somit bereits lange vor dem 30-Jährigen Krieg im 17. Jahrhundert. In dieser Urkunde ist von „einer Wiese in der mortßaue bei der Wiese des Pfarrers von Elz“ die Rede. Auch in einem Dokument von 1697 ist von den „Mortsauer Wiesen“ die Rede. Ein Beleg für das Blutbad durch die Schweden an den Elzer Bürgern gibt es nicht und dies, wo es für den 30-jährigen Krieg viele Belege aus der Region gibt.

Es wird vermutet, dass der Begriff „Mortsaue“ auf den keltischen Begriff „Mortsave“ zurückgeht, was soviel bedeutet wie Sumpfwasser oder Trübwasser. Der Begriff Mordschau wurde um 1870 das erste Mal erwähnt und wurde dann wohl durch das Theaterstück und die Auseinandersetzung mit selbigen geschliffen ,so dass der Ort heute nur noch als Mordschau bekannt ist.

Mordschau Elz
Das Kreuz in der Mordschau als Ort des Gedenkens

Niederungsburg mitten im Wald

Nach einer Rast an der Mordschau geht es weiter Richtung Niedererbach. Etwas unscheinbar und mit Bäumen bewachsen befindet sich dort das Überbleibsel einer Niederungsburg. Bekannt ist dieser kleine Hügel nördlich der Mordschau als Pfaffenkopf. Dieser Name leitet sich davon ab, dass rund um diesen Hügel sich Wiesen des „Pfaffen“ im 15. Jahrhundert befanden. Inzwischen ist bekannt, dass es sich hier nicht um einen natürlichen Hügel handelt, sondern um eine vom Menschen gestaltete Aufschüttung.

Mordschau Elz Motte

Auch wenn es nie eine Grabung dort gab, ist man sich sicher, dass sich dort eine frühe Burg befunden hatte. Hüttenlehmfunde sowie Scherbenfunde aus 1993 weisen darauf hin. Solche Niederungsburgen hießen auch Motte, welche im 9. Jahrhundert über Frankreich bis Polen errichtet wurden und bis ins 14. Jahrhundert bestanden. Danach wurde sie aufgegeben, die Gründe sind nicht bekannt.

Solche Motten, französisch für Klumpen, bestanden aus aufgeschütteten und verdichteten Hügeln, wofür bis zu 10.000 Kubikmeter Erde aus der Umgebung herangeschafft wurde. Mittig befand sich häufig ein Turm und die ganze Burg wurde mit Palisaden abgesichert. Davon ist heute nichts mehr zu sehen und es gehört ein wenig Phantasie dazu, in diesem Hügel eine ehemalige Ansiedlung zu erkennen.


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Heike Lachnit

Ich bin freie Lokaljournalistin in der Region um Limburg. Auf HL-Journal schreibe ich über die Themen, die nicht immer in der Zeitung Platz haben oder die mir am Herzen liegen.

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