Verkehr und Erweiterung als Probleme der Südstadt

Der Caritasverband für den Bezirk Limburg organisierte in Zusammenarbeit mit der Stadt Limburg und dem Quartiersbüro am Freitag die Stadtteilkonferenz unter dem Motto „Blumenrod gestern, heute und morgen“.

Es sollte darum gehen, welche Angebote es in der Limburger Südstadt gibt und welche Angebote sich die Bürgerschaft für ihr Quartier wünschen. Dazu gab es zu Beginn eine Podiumsdiskussion mit Vertretern der Stadt und dem Quartiersmanagement. Im Hof der Domäne Blumenrod gab es zudem eine Ausstellung zu allen Angeboten und die Möglichkeit, miteinander ins Gespräch zu kommen. Bei der Podiumsdiskussion zeigte sich sehr schnell, dass es zwei große Themen gibt, welche die Menschen bewegen. Dies ist die Erweiterung des Quartiers um Blumenrod 5 und 6 sowie die damit verbunden die Verkehrs- und Parkproblematik.

Stärken und Herausforderungen

Zu Beginn der Diskussion fragte Moderator Frank Mach, Abteilungsleiter Soziale Dienst, die Redner, welches die Chancen und Stärken des Stadtteils seien und wo die Herausforderungen liegen. Der Erste Stadtrat Michael Stanke sieht die Stärke in der Geschichte vor Ort sowie die über 30jährige Verankerung der Gemeinwesenarbeit der Caritas. Auch lobte er die Diversität im Quartier. Alle Generationen sind anzutreffen, es besteht eine Mischung aus Alt- und Neubauten und es sah alles fußläufig erreichbar, zudem gebe es eine gute ÖPNV-Anbindung in die Innenstadt hinein. Eine Herausforderung sieht er im wachsen des Stadtteils und damit einhergehend gute Verkehrslösungen.

Viktoria Spiegelberg-Kames, Koordinatorin sozialer Zusammenhalt, weiß, dass die Bewertung des Quartiers oftmals altersabhängig ist. In Blumenrod gebe es viele engagierte Menschen, doch es fehlen Begegnungsräume und -orte. Über das Förderprogramm „Sozialer Zusammenhalt“ gebe es jedoch die finanziellen Mittel, um solche Begegnungsorte zu schaffen. Quartiersmanager Marcus Schenk zeigt auf, dass die Südstadt im Gegensatz zu anderen Quartieren aus dem Förderprogramm mit das größte Quartier ist. Es sei einmalig in seiner Bevölkerungsstruktur, verändere sich aber auch gerade, weil viele alte Menschen wegziehen und junge Familien hinziehen. Er lobte das wahnsinnige Potential an Grünflächen im Quartier.

Erweiterung Südstadt

Als es in die Diskussion ging, bestimmten jedoch sehr schnell zwei Themen die Runde – die Erweiterung der Südstadt und der Verkehr. Ein Bürger lobte das Förderprogramm sozialer Zusammenhalt. Dem widerspreche jedoch die Erweiterung der Südstadt, denn dadurch entstünden neue Spannungen. Zudem habe er das Problem, dass Blumenrod das Wohnungsproblem der Stadt ausbaden muss. Dem widersprach Stanke jedoch. Bis auf Ahlbach, wo es einfach keine freien Flächen gebe, bekamen alle Ortsteile der Stadt in den letzten Jahren neue Wohngebiete hinzu. Seit Jahrzehnten gebe es die Planung für die Südstadt. In seinen Augen sei es alternativlos, dass Limburg wachsen muss. „Wir schaffen Arbeitsplätze durch Gewerbeansiedlungen und die Arbeitnehmenden benötigen Wohnraum“, so Stanke. Er ist sogar der Meinung, dass in den letzten 15 Jahren noch mehr hätte gemacht werden müssen in diesem Bereich.

Spiegelberg-Kamens sieht keine neuen Probleme durch weitere Menschen. Die Probleme entstehen in ihren Augen eher dadurch, dass Wohnungsdruck herrscht. „Statt gegen das Projekt zu kämpfen, was beschlossen ist, überlegen Sie sich doch, was sie für den Zusammenhalt tun können“, forderte die die Anwesenden auf. Die Stadt würde Begegnungsräume schaffen, die Nachbarschaft muss diese mit Leben füllen. „Leben Sie die Integration“, so die Koordinatorin, „Wenn wir das zusammen anpacken, wird es keinen sozialen Unfrieden geben.“ Und Schenk merkte noch an, dass eine Alternative zur Erweiterung nur die Nahverdichtung sei. Und es wollte sicher auch niemand, dass die Grünflächen wegfallen durch Wohnbebauung.

Veränderung Verkehrsverhalten

Und zum Thema Verkehr äußerte sich Stanke optimistisch. Im Rahmen der Planungen werde natürlich auch eine Verkehrsanalyse gemacht. Doch er glaubt, dass es in Zukunft weniger Autos gibt. Ein Auto pro Grundstück würde er noch erlauben, ein Parken im Straßenraum nicht mehr. Wer dann noch Parkraum benötigt, könne die Quartiersgaragen nutzen. Zudem werden neue Baugebiete heute besser verkehrstechnisch untersucht. Er glaube, dass die jungen Familien eher aufs Rad steigen und die ÖPNV-Angebote nutzen werden. Ein Bewohner kritisierte, dass 1,5 Stellplätze nach Stellplatzsatzung zu wenig seien. Die bisherigen Wohngebiete würden zeigen, dass es nicht funktioniert. Und dort, wo Garagen vorhanden seien, würden diese nicht für Autos genutzt werden. Darauf meinte Stanke nur, dass die Stadt die Garagen verstärkt kontrollieren werde. „Dass Leute aufs Fahrrad steigen, finde ich illusorisch“, so ein Bürger. Stanke selbst glaubt an eine Veränderung im Verkehrsverhalten, wenn die Infrastruktur stimmt.

Spiegelberg-Kamens bemerkte, dass das Thema Verkehr und Parken in jeder Debatte das dominante Thema seien und sie fragte in die Runde, was die Bürger denn wollen. „Wollen wir so weitermachen wie bisher oder wollen wir über alternative Mobilitäten nachdenken“, fragte sie in die Runde. Mit Car-Sharing-Angeboten, Lastenrädern und dem Lahnstar sehe sie schon Möglichkeiten für die Zukunft. Wenn die individuelle Mobilität mit dem ÖPNV gekoppelt werden kann, dann gebe es durchaus Potential für eine Verkehrswende. An dieser Stelle wurde die Diskussion vom Moderator unterbrochen, da die eingeplante Zeit bereits überschritten war. Er wollte am Ende noch wissen, was die Podiumsteilnehmer aus der Diskussion für sich mitnehmen.

Bürgerbeteiligung ist Kerngedanke

Stanke nimmt für sich mit, dass es noch immer viel Diskussionsbedarf zu verschiedenen Themen gibt. Er versprach, dass es zu den großen Themen weitere Bürgerveranstaltungen gibt, um die Menschen zu informieren und mitzunehmen. Spiegelberg-Kamens wies nochmal darauf hin, dass die Bürgerbeteiligung der Kerngedanke des Projektes ist und jeder seine Ideen einbringen kann. Und Schenk lobte das Forum, welches zeigte, wie vielfältig die Meinungen sind. Ihm sei es wichtig, alle mit ins Boot zu nehmen und gemeinsam  mit der Stadt Lösungen zu erarbeiten.

Das große Thema Südumgehung wurde zwar kurz von einer Bürgerin angesprochen, ging aber völlig unter. Und Ideenanregungen konnten die Menschen auch nicht anbringen innerhalb der Podiumsdiskussion, diese aber später am Stand des Quartiersmanagement weitergeben.

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Heike Lachnit

Ich bin freie Lokaljournalistin in der Region um Limburg. Auf HL-Journal schreibe ich über die Themen, die nicht immer in der Zeitung Platz haben oder die mir am Herzen liegen.

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