Verwaltungsumzug – Eine Chance für die Zukunft?

Gestern tagte der Haupt- und Finanzausschuss der Stadt Limburg zum Thema Verwaltungsumzug ins Mundipharma-Gebäude. Der Ausschuss war öffentlich und auch die Bürger durften zu Wort kommen. Das Interesse an dem Thema war groß, denn der kleine Saal in der Stadthalle war bis auf den letzten Platz besetzt. Heute gibt es einen ersten Überblick zu der Versammlung, die sich ganze vier Stunden hinzog und am Ende nur aus Wiederholungen bestand. 

Über eineinhalb Stunden präsentierten Bürgermeister Marius Hahn sowie der 1. Stadtrat Michael Stahnke Fakten und Zahlen, warum ein Umzug der Verwaltung aus der Innenstadt ins ehemalige Mundipharma (MP)-Gebäude die beste und günstigste Möglichkeit sei. Von Fidelio Healthcare, Mundipharma sowie dem Bischöflichen Ordinariat sowie verschiedene Gutachter durften zu Wort kommen und ihre Einschätzung zu den MP-Gebäuden geben. Sie alle stellten klar, dass der Kauf der MP-Gebäude mit dazugehörigem Gelände die Chance für die Verwaltung ist, denn Mitarbeitern zeitgemäße Arbeitsplätze anzubieten. Zudem erhalten sie den Komplex zu einem angemessenen Preis, welcher weit unter dem eigentlichen Sachwert lege. Die Fidelio übernimmt die Produktionsstrecke. Das Bistum würde das Verwaltungsgebäude (VG) I und damit Kosten in Höhe von 3,68 Millionen Euro übernehmen. Die Stadt erwirbt bei einem Umzug für 7,22 Millionen Euro das Verwaltungsgebäude II und das Conferncecenter CC.

Wenige Bürgermeldungen

Im Vorfeld der Ausschusssitzung wurde ein offener Brief gegen ein Rathaus auf der grünen Wiese veröffentlicht. Angeführt werden die 57 Bürger vom früheren CDU-Staatssekretär Karl-Winfried Seif. Aber auch ein früherer Grünen-Stadtverordneter und der frühere Fraktionschef der Freien Wähler sind dabei. Karl-Winfried Seif meldete sich dann auch zu Wort. Er sprach sein Kompliment für das Zahlenmaterial aus, aber er könne nicht verstehen, warum die Innenstadt attraktiver gestaltet wird und dann die Verwaltung die Innenstadt verlässt. Zudem würden der Stadt viele Gewerbesteuern verloren gehen, wenn sie die Gebäude selbst nutzt, anstatt neue Firmen anzusiedeln.
Doch insgesamt hielten sich die Bürgermeldungen in Grenzen. Es gab zwei Bürger, die kritisierten, wie die ganze Sitzung sich gestaltete. „Dies ist eine reine Werbeveranstaltung“, so eine ältere Damen, „bitte schaffen Sie keine Fakten, die später nicht mehr revidiert werden können.“

Kritische Töne aus dem Ausschuss

Auch im Ausschuss selbst gab es kritische Töne. Dr. Sebastian Schaub (Grüne) kritisierte, dass bei allen durchgerechneten Varianten (Sanierung, Abriss und Neubau an altem Platz, Umzug MP) die Verwaltung nur Vergleiche mit dem VG II anstellt, aber in alle Berechnungen das CC nicht mit einbezieht. Unterstützt wurde Schaub bei dieser Nachfrage von Richard Eisenbach (CDU). Hahn verwies jedoch darauf, dass die Verwaltung von der Stadtverordnetenversammlung nur den Auftrag erhielt, alle Varianten mit dem VG II durchzurechnen. Zudem sei es mit dem CC anders gelegen, da die Räumlichkeiten dort vermietet werden sollen. In diesen Punkt verbissen sich alle Parteien, so dass Hahn irgendwann auch ein wenig bockig reagierte. Zudem wollte Schaub wissen, wie die Verwaltung die Unterhaltskosten tragen möchte. Hahn erklärte, dass sich die Unterhaltskosten auf 500.000 Euro belaufen würden und diese würde die Verwaltung durch die Pachtzahlung vom Obi-Baumarkt im ICE-Gebiet erhalten.

Zustimmende Töne

Es gab auch Auschussmitglieder, welche für den Umzug warben. Dr. Christopher Dietz, Fraktionsvorsitzender CDU in der Stadtverordnetenversammlung, wandte sich an Fidelio: „Sie sind uns herzlich willkommen.“ Das Rathaus gehöre in die Innenstadt und mit 90 Prozent der Serviceleistungen in dem Bürgerbüro bliebe das Rathaus auch in der Innenstadt. Die politische Entscheidung basiere auf Fachlichkeit und der Umzug sei eine gute Chance zur Entwicklung. Er bedauerte es, dass die Gegner auf der Zielgerade hervorkommen. Und er warb darum, „mit ein bisschen weniger Schaum vor den Mund“ zu diskutieren.
Auch Marion Schardt-Sauer, FDP Fraktionsvorsitzende, sprach sich für den Umzug aus. Es sei ein guter Schritt für die Zukunft. Auch Peter Rompf, SPD Fraktionsvorsitzender, warb für den Umzug. Und wie Dietz war er der Meinung, dass das Rathaus mit dem Bürgerbüro in der Innenstadt bliebe und auch die Stadtverordnetenversammlung und die Ausschüsse würden sich auch weiterhin in der Innenstadt treffen.

Eine Abstimmung fand gestern noch nicht statt. Der HFA stimmt am 22. August ab und die Stadtverordnetenversammlung am 27. August.

 

 

 

Heike Lachnit

Ich bin freie Lokaljournalistin in der Region um Limburg. Auf HL-Journal schreibe ich über die Themen, die nicht immer in der Zeitung Platz haben oder die mir am Herzen liegen.

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