„Es geht nicht um Berlin, es geht um uns“

Am Donnerstagabend besuchte Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) Frickhofen und warb für die CDU. Auch wenn die CDU in Hessen schon viel geschafft habe, sei die Arbeit noch lange nicht gemacht und die Partei möchte auch die Zukunft gestalten.

Für 18 Uhr angekündigt, mussten die rund 250 Zuhörer in der Mehrzweckhalle Frickhofen eine Stunde auf ihren Landesvater warten. Bevor dieser im Wahlkampfmodus die Anwesenden einstimmte, gab es ein wenig Geplänkel mit seiner Frau Ursula sowie Moderatorin Julia Hartmann zu Freizeit, Essen, Familie und Urlaub. Doch danach schaltete er um und kämpfte um die Stimmen der Anwesenden.

Arbeit ist noch nicht getan

Zwar sei Hessen ein starkes Land, in dem viel bewirkt wurde, vor allem mit einer Koalition, an die niemand glaubte. Dennoch sei dies nicht die Zeit, um sich darauf auszuruhen und sich zurückzulehnen, denn Arbeit ist noch genügend da. Und so sei es die Aufgabe aller, bei den Menschen um Vertrauen zu werben, damit die CDU auch die nächsten fünf Jahre regieren kann. Um die Stärke Hessens darzustellen, wollte er sich nicht nur der Zahlen bedienen. Zwar habe Hessen das höchste Bruttosozialprodukt, doch was bringt die Zahl alleine? Dahinter stecken Menschen, die für sich und ihre Familie sorgen können, auf keine Unterstützung angewiesen seien. Dahinter stecken die vielen offenen Türen, die den Jugendlichen angeboten werden können. „Hessen bietet viele Chancen für junge Menschen.“ Und das seien die Fakten, die zählen und nicht die puren Zahlen, so Bouffier.

Wenn man bei jungen Menschen ist, ist man bei der Bildung. Und da habe die CDU Entscheidungen gegen Widerstände getroffen. Es gibt mehr Lehrer als Schüler. Mit den sinkenden Schülerzahlen habe die CDU nicht auch die Lehrerzahlen abgebaut. Denn Schule stehe vor neuen Herausforderungen wie der Ausbau von Ganztagsschulen. Es bedarf Personal für besondere Bedingungen wie Inklusion oder sozial schwache Brennpunkte. Schüler leben mit ihren Smartphones in einer völlig anderen Welt und Schule muss darauf antworten. Daher schaffe die CDU die Möglichkeit für eine qualifizierte, gute Ausbildung und hat zusätzliche 1000 Lehrerstellen sowie 700 Stellen für Sozialpädagogen geschaffen. „Ausbildung braucht heute mehr als eine Lehrkraft vorne an der Tafel.“ Bei dem Thema Bildung ging er in den Angriffsmodus zur SPD. Diese wolle eine „Einheitsschule“, aber die CDU fördere jeden Schüler individuell, denn jeder Schüler sei anders. Die SPD würde keine Wahlmöglichkeiten für Schüler bieten. Wer ideologische  und pädagogische Experimente möchte, solle die SPD wählen.  Mit der CDU gebe es sowas nicht.

Respekt gegenüber dem Ehrenamt

Auch beim Thema Sicherheit stehe das Land Hessen gut da. „Es gibt so viele Polizeibeamte wie noch nicht“, so Bouffier. Sein Ziel ist es, in jeder Gemeinde einen Polizeibeamten zu installieren, um für mehr Sicherheit zu sorgen. Aber beim Thema Sicherheit ginge es nicht nur um die Kriminalität. Sicherheit bedeutet für ihn, dass es unverzichtbar sei, dass Menschen in Not qualifizierte Hilfe erhalten. Und da ist er beim Ehrenamt, welches zu 95 Prozent Sicherheit bei Bränden, Unfällen oder anderen Notsituationen gewährleistet. „Auf diese Ehrenamtler verlassen wir uns das ganze Jahr, aber wir nehmen die Dinge als selbstverständlich hin.“ Diese Menschen werden benötigt und daher sollten ihnen viel mehr Respekt und Dank geschenkt werden. „Es ist mein Wunsch, dass wir dagegen aufstehen, wenn Ehrenamtler beleidigt und bespuckt werden.“

Nicht nur in den Städten und Metropolen darf ein Land stark sein, sondern auch in der Peripherie. Daher ist die CDU für den Ausbau der Infrastruktur. Daher werde er heute einen Vertrag unterschreiben zur Errichtung von 1500 zusätzlichen Mobilfunkmasten, damit es keine Funklöcher mehr gibt. Und er möchte hessenweit freies WLAN haben. Damit Menschen Zeit gewinnen, werden Arbeitsplätze in die ländliche Region verlagert wie mit den Hessenbüros. Diese seien ein echter Gewinn für die Menschen, wenn sie einen kurzen Arbeitsweg haben. „Stück für Stück will ich die Hürden überwinden.“

Nicht die Sprache von Hetze und Gewalt

Obwohl es den Menschen besser geht als je zuvor, beobachtet er kritisch den aufkeimenden Nationalstolz. Er kann verstehen, dass Menschen mit dem rasanten Wechsel der Technologie Angst haben um ihre Arbeitsstelle oder durch die Zuwanderung um ihre kulturelle Identität. Er würde sich etwas mehr Zuversicht wünschen. Die Gesellschaft funktioniere nur, wenn alle nach den gleichen Regeln leben. Wer dies nicht kann, muss gehen. Ansonsten haben alle die Chance auf Bildung.
Und dann appellierte er an die Zuhörer: „Jede Stimme für die AfD ist eine Stimme ins Abseits.“ In der Geschichte habe überhobener Nationalstolz immer zu Krieg geführt und dies sei nicht nur eine gefährliche Tendenz in Deutschland, sondern in ganz Europa. Die Menschen bräuchten jetzt keine Hetze und kein Hass, sondern Stabilität und Vertrauen. Und eines ist ihm auch ganz wichtig – „Es geht nicht um Berlin, es geht um uns.“

Kurz warf er einen Blick nach Berlin, wo jeder sich mit seiner Meinung öffentlich äußert, es Gestreite gibt und es nach großer Uneinigkeit aussieht. Das habe es in Hessen nie gegeben. Keiner habe an die schwarz-grüne Koalition geglaubt, doch sie habe gut und stabil regiert ohne Gezeter und Streit. „Wir haben auch diskutiert und uns auch gestritten, aber nach außen sind wir geschlossen aufgetreten.“ Am Ende warb
er noch für die Kandidaten aus der Region. Michael Köberle solle die Erfolgsgeschichte von Landrat Manfred Michel fortschreiben. Und Joachim Veyhelmann sowie Andreas Hofmeister, MdL, sollen mindestens 60 Prozent der Stimmen holen. „Wir haben keine Stimme zu verschenken.“

Einen weiteren Bericht zu dem Abend findet ihr bei Mittelhessen. Ebenfalls habe ich ein Kommentar geschrieben, denn einigen Aussagen von MP Bouffier kann ich so nicht zustimmen.

Heike Lachnit

Ich bin freie Lokaljournalistin in der Region um Limburg. Auf HL-Journal schreibe ich über die Themen, die nicht immer in der Zeitung Platz haben oder die mir am Herzen liegen.

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