Heimat ist kein Ort, Heimat ist ein Gefühl

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Was bedeutet Heimat? Ist es der Ort, an dem wir geboren sind? Oder der Ort, an dem wir leben? Ist es eine Stadt oder eine Region, die einen Ort zur Heimat macht? Oder sind es die Menschen, mit denen wir zusammenleben? Dem wollte ich auf die Spur gehen und eine Antwort finden. 

Laut Duden ist Heimat ein Land, Landesteil oder Ort, in dem man geboren und/oder aufgewachsen ist oder sich durch ständigen Aufenthalt zu Hause fühlt. Doch für die Menschen ist es häufig noch viel mehr – es ist die Familie, die einen abends mit offenen Armen begrüßt. Es ist die Terrasse, wo man jedes Frühjahr darauf wartet, dass die Schwalben wiederkommen. Es sind die eigenen Kinder, welche man aufwachsen sieht. Die Bank, wo es den ersten Kuss gab. Die Mauer, auf der man als kleines Kind balancierte. Eine landschaftliche Silhouette, die einen nach dem Urlaub wieder willkommen heißt. Es ist der Ort, an dem man zur Schule gegangen ist, seine erste Liebe gefunden und wieder verloren hat. Ein Ort, mit dem Erinnerungen verbunden sind. Und so begibt man sich mit dieser Frage auf eine interessante Spurensuche.

Ursprung des Begriffes Heimat

Ursprünglich handelte es sich bei dem Begriff Heimat oder auch „hämatli“ um einen sehr nüchternen Begriff, der amtlich darauf verwies, dass jemand ein Wohnrecht mit Schlafstelle im Haus besaß. Dies ist ganz klar eine örtliche Beziehung, auf das Heim bezogen. Bis zum 19. Jahrhundert handelte es sich vor allem um eine juristische Begrifflichkeit. Die Brüder Grimm definierten in ihrem Deutschen Wörterbuch von 1854 Heimat als „landstrich, in dem man geboren ist oder bleibenden aufenthalt hat“, als „geburts- oder ständige wohnort“ sowie als „das elterliche haus und besitzthum.“ Früher besaßen die Leute ein „Heimatrecht“ mit „Heimatschein“, was ihnen auch eine gewisse Versorgung durch die Kassen zusicherte. Ohne diesen Schein galten die Menschen als „heimatlos“. Leute ohne Besitz erhielten damals keinen „Heimatschein“.

Keine einheitliche Definition

Bis heute existiert für das Wort Heimat keine einheitliche Definition. Zumeist verweist der Begriff auf eine Beziehung zwischen Menschen und einer Region. Im allgemeinen Sprachgebrauch wird der Begriff häufig für die Region verwendet wird, in welche die Menschen hineingeboren werden. Es ist ein Begriff, der sich in einer stetigen Diskussion befindet. Bereits Cicero, Redner und Politiker der römischen Antike, beschäftigte sich mit dem Thema Heimat. Seiner Ansicht nach entwickeln sich Heimatgefühle vor allem durch positive Erlebnisse an einem Ort. Und wiederholen sich diese schönen Erlebnisse, dann komme es zu einer Manifestation im Gehirn, welches gute Gefühle hervorruft, sobald an die Heimat gedacht wird.

Ina-Maria Greverus, eine deutsche Kulturanthropologin aus Frankfurt, verglich Heimat mit Identität. Heimat setze sich nach ihrer Ansicht aus Gemeinschaft, Tradition sowie Raum zusammen. Die Auseinandersetzung mit diesem Thema sei auch eine Auseinandersetzung mit der eigenen Identität. Für den Verhaltensforscher Paul Leyhausen war Heimat ein „Territorium, welches der eigenen Existenz Sicherheit, Identität und Stimulierung bietet“. Der deutsche Philosoph Otto Friedrich Bollnow setzt dem Begriff Heimat den Begriff Fremde gegenüber. Demnach handele es sich um eine räumliche Orientierung, welche auch zeitlich begrenz sein kann. Heute besitzt der Begriff Heimat verschiedene Dimensionen – eine räumliche, eine soziale sowie eine kulturelle Dimension.

Dies ist alles trockene Theorie, die in irgendwelchen Büchern niedergeschrieben ist. Doch fragt man die Menschen direkt, ist zu erleben, dass Heimat vielmehr ein Gefühl ist, in dem so viele Dinge stecken, dass sie für jeden etwas anderes bedeutet.

Heimat ist dort….

  • wo ich wohne, wo ich mich wohlfühle, wo meine Familie und meine Freunde sind
  • wo ich mich verwirklichen kann und Anerkennung finde
  • wo meine Kinder geboren sind
  • wo ich aufgewachsen bin
  • wo ich mich wohl und zuhause fühle
  • wo ich über das Feld oder durch Straßen gehe und unterwegs Menschen treffe, die ich kenne und mit denen ich ein oder mehrere nette Worte wechseln kann
  • wo meine liebsten Menschen mit mir gemeinsam leben
  • wo einem ganz leise das Herz anfängt zu bubbern, wenn man sich diesem Ort nach einer langen Zeit des Wegseins wieder nähert
  • wo ich geboren bin
  • wo meine Familie ist
  • wo ich mich wohl fühle, bei lieben Menschen mit gleicher und froher Gesinnung, obwohl ich auch andere Meinungen akzeptiere und toleriere. Eine schöne Landschaft gehört für mich ebenso dazu, damit ich sagen kann, ich fühle mich daheim
  • wo das Gefühl von Wohlbefinden und Wärme vermittelt wird
  • wo ich mich einbringen kann
  • wo ich immer wieder gerne zurückkehre
  • wo ich anderen Menschen helfen kann

Diese vielen Aussagen zur Heimat zeigen, wie vielfältig sie gedeutet wird. Viele sagen, dass ihre Heimat dort ist, wo sie geboren sind. Manche haben an einem neuen Wohnort eine zweite Heimat gefunden. Doch für die Mehrheit sind es die Menschen, die sie mit dem Begriff verbinden. Bereits Christian Morgenstern sagte: „Nicht da ist man daheim, wo man seinen Wohnsitz hat, sondern wo man verstanden wird.“ Und so passend war auch ein anderer Ausspruch auf meine Frage: „Heimat ist ein Gefühl für mich. Wenn Du da bist, weißt Du es.“

Ich werde auch in nächster Zeit bei meinen Begegnungen die Menschen fragen, was für sie Heimat bedeutet und weiter sammeln. Denn eines hat meine Spurensuche gezeigt – die eine Definition gibt es nicht und jeder verbindet mit Heimat etwas anderes.

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Heike Lachnit

Ich bin freie Lokaljournalistin in der Region um Limburg. Auf HL-Journal schreibe ich über die Themen, die nicht immer in der Zeitung Platz haben oder die mir am Herzen liegen.

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