Was wird aus dem geplanten Naturfriedhof in Frickhofen?

Teilen erwünscht

Bereits im Jahr 2011 wurde mehrheitlich von der Gemeindevertretung die Schaffung eines Naturfriedhofes am Ortsausgang Frickhofen beschlossen. Viele Jahre passierte nichts, bis es dieses Jahr im Mai zu einem Kahlschlag kam. Der Grünen Ortsverband Hadamar/ Dornburg hat sich dem Thema angenommen. 

Am 24. Juli fand eine Ortsbegehung des Grünen Ortsverbandes Hadamar/ Dornburg zusammen mit interessierten Bürgern sowie Bürgermeister Andreas Höfner (CDU) auf dem zukünftigen Naturfriedhof statt. Mit dabei auf dem 4.200 Quadratmeter großen Areal war eine Redakteurin der Nassauischen Neuen Presse. Am 27. Juli war der Artikel in der Zeitung zu lesen. Dem war zu entnehmen, dass die rechtlichen Grundlagen für den Naturfriedhof gegeben sind. Die Grünen kritisierten, dass während der Brutzeit die Fällarbeiten stattfanden. Der Bürgermeister legte jedoch dar, dass alles rechtens verlief und vor der Fällung die Bäume qualifiziert abgesucht wurden. Der Kahlschlag sei notwendig gewesen, weil viele Bäume durch Trockenheit und Borkenkäfer geschädigt sind und auch aus verkehrstechnischer Sicht eine Gefährdung darstellten. Für das weitere Vorgehen soll ein qualifizierter Bepflanzungsplan erarbeitet werden,erklärte der Bürgermeister.

SPD kritisiert Vorgehen

In der Ausgabe der Nassauischen Neuen Presse vom 31. Juli kritisiert der SPD-Fraktionsvorsitzende Ottmar Baron das Vorhaben. Nicht die Gemeindevertretung habe die Anlage eines Naturfriedhofes beschlossen, sondern alleine die CDU, die den Antrag stellte. Ohne Aussprache in die Ausschüssen wurde ein mehrheitlicher Beschluss gefasst. Bereits in 2011 habe die SPD davor gewarnt, an der vielbefahrenen Straße von Frickhofen nach Wilsenroth einen „Ruhewald“ zu errichten. Mehrmals seien Alternativstandorte vorgeschlagen worden, die immer wieder Ablehnung fanden. Im Haushalt wurden für die Realisierung 10.000 Euro eingestellt, von denen bis heute noch kein Pfennig ausgegeben wurde. Über Jahre habe die SPD versucht, die Durchführung zu verhindern und in der nächsten Gemeindevertretersitzung werde dies Thema werden.

War dies notwendig?

Auch wenn alles rechtens war, fragt sich Sabine Hirler, Vorsitzende vom Grünen Ortsverband Hadamar/ Dornburg, ob dieser Kahlschlag notwendig war? Ihrer Einschätzung nach lagen auf der Fläche 60 bis 80 Laubbäume. Lagen diese im Mai noch wild auf der Fläche herum, seien sie inzwischen gut gestapelt worden.

Im Mai lagen die gefällten Bäume noch durcheinander auf dem Areal, wo der Naturfriedhof entstehen soll.
Im Mai lagen die gefällten Bäume noch durcheinander auf dem Areal.
Ein wildes Durcheinander nach der Fällung der Bäume für den Naturfriedhof Frickhofen

Auch findet sie die Aussage des Bürgermeisters, dass sich auf den Bäumen keine Tiere befunden haben, sehr unlogisch: „Es ist unlogisch, dass sich in einem kleinen Wald keine Tiere befinden. Die verschwinden doch nicht einfach, bloß weil Bäume gefällt werden sollen.“ Sie wird insgesamt das Gefühl nicht los, dass dieses Areal zu „unsortiert“ war und nun Ordnung geschaffen werden soll.

Dieses Bild gibt nur einen kleinen Eindruck wieder, wie groß die Stapel der gefällten Bäume sind., die auf dem geplanten Naturfriedhof in Frickhofen liegen.
Dieses Bild gibt nur einen kleinen Eindruck wieder, wie groß die Stapel der gefällten Bäume sind.

Die Grünen möchten das Thema nach der Ortsbegehung nicht auf sich beruhen lassen. Vor allem äußern sie sich in einer Pressemitteilung irritiert, da gegen eigene Beschlüsse gehandelt worden sei. So ist zu lesen, dass die Gemeindevertreter 2014 zum Bebauungsplan mit beschlossen haben: „Die vorhandenen standortgerechten Bäume und vereinzelten Sträucher bleiben zur Weiterentwicklung erhalten. Sämtliche erhaltenswerte Einzelbäume des Plangebietes sind je nach Notwendigkeit mit baumpflegerischen Massnahmen zu versehen, um deren artgerechten Habitus und deren Vitalität wiederherzustellen und der Verkehrssicherungspflicht gerecht zu werden.“ Da erstaunt es dann schon, dass alle Bäume aus verkehrssicherungstechnischer Sicht gefällt werden mussten.

Auch seien laut Grünen auf allen Friedhöfen in Dornburg ausreichend Platz für Neubelegungen, so dass sich die Frage stellt, ob ein Naturfriedhof benötigt wird. Zumal die Gemeindevertreter vor der Sommerpause eine Änderung der Friedhofsatzung beschlossen haben, die besagt, dass Urnen auch unter Bäumen auf den bestehenden Friedhöfen bestattet werden können. Daher stellen sich die Grünen die Frage, was wirklich hinter den Plänen steckt. Im Artikel vom 27. Juli ist weiterhin nachzulesen, dass sich der Bürgermeister durchaus eine andere Nutzung eventuell in Zusammenarbeit mit der Mittelpunktschule oder im Rahmen der Dorfentwicklung vorstellen könnte.

An der Natur etwas gutzumachen

Laut den Grünen haben die Gemeindevertretung und der Bürgermeister in dieser Angelegenheit an der Natur wieder etwas gut zu machen. „Genauso sollte der Umgang mit der Zukunft der Bestattungskultur, ob religiös oder säkular,  und der starken Struktur ihrer zahlreichen Friedhöfe sinnvoll und zeitgemäß beantwortet werden. Neben dem Bedürfnis zahlreicher Menschen, auch das Totenbett ihrer Verwandten erreichen zu können, gelten Friedhöfe ähnlich wie Parks als Orte zum Schutz der Natur.“, so die Grünen.

Aus gegeben Anlass lädt der Grünen Ortsverband Hadamar/ Dornburg alle interessierten Bürger am Mittwoch, den 28. August um 19.30 Uhr in den Konferenzraum des Bürgerhaus Frickhofen zu einem Ratschlag zu Fragen des Naturschutzes in den Ortsteilen von Dornburg ein. Jeder hat die Möglichkeit, seine Meinung zu äußern und kritische Hinweise zu geben.

Lest auch meinen Kommentar zu diesem Thema: „Einmal mehr nachdenken“

Alle Fotos freundlicherweise vom Grünen Ortsverband Hadamar/ Dornburg zur Verfügung gestellt. 


Teilen erwünscht

Heike Lachnit

Ich bin freie Lokaljournalistin in der Region um Limburg. Auf HL-Journal schreibe ich über die Themen, die nicht immer in der Zeitung Platz haben oder die mir am Herzen liegen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.