Weilburg erinnert lädt zu zwei Theaterstücken zur NS-Zeit ein

Der Verein „Weilburg erinnert“ präsentiert am 3. und 4. November zwei Theaterstücke und knüpft damit an seine erfolgreiche Veranstaltungsreihe „Theaterstücke zur NS-Zeit“ an. Vom 8. November an findet zudem eine Ausstellung statt unter dem Namen „Ich habe den Krieg verhindern wollen“.

Am 3. November um 19.30 Uhr präsentiert der Verein in der Stadthalle in Weilburg das Theaterstück „Zwischenfall in Vichy“ und am 4. November um 8.45 Uhr sowie 11.15 Uhr in der Stadthalle in Weilburg für Schulen aus Mittelhessen und die interessierte Öffentlichkeit in insgesamt zwei Vorstellungen das Theaterstück „Das Kind von Noah“. Beide Stücke sind in der Produktion von „Rimon Productions“.

„Zwischenfall in Vichy“

Arthur Miller schreibt 1964 unter den Eindrücken des Auschwitz Prozesses in Frankfurt dieses Stück, bei dem er das Problem der mittelbaren Schuld und die unbewusste Teilhabe jedes Einzelnen am unaufhörlichen Unrecht dieser Welt thematisiert. Vichy im September 1942: Am Sitz der mit den deutschen Besatzern kollaborierenden französischen Regierung Petain. In einer Polizeiwache finden sich Juden nach einer Razzia ein. Sie haben falsche Papiere und konnten in diesen unbesetzten Teil Frankreichs entkommen. Bevor sie zu einem Verhör aufgerufen werden, von dem bisher niemand wiederzukommen schien, diskutieren sie über ihr mögliches Schicksal,

Sie alle befinden sich dort unter einem starken Druck und der latenten Angst nicht zu wissen, was mit ihnen geschehen wird. Dabei kulminieren unter aufbrechenden Emotionen ganz individuelle, politische und gesellschaftliche Statements zu Schlussfolgerungen, die aus einem Zerrbild einen kristallinen Schockmoment hervorbringen. Und dann, und jetzt? Was heißt es, moralisch zu denken und zu handeln in der Situation der Shoah? Was denken wir heute dazu? Ein Moment, der einen jahrelangen Kampf und ein Ringen um Menschenwürde, politisches Denken, Humanismus und Gerechtigkeit in Zeiten einer mörderischen Diktatur abbildet.

Die Vorstellung beginnt am 3. November um 19.30 Uhr, der Einlass beginnt ab 19.00 Uhr. Ein Einlass ist nur mit 3-G-Nachweis möglich (Geimpft/Getestet/Genesen). Der Eintritt beträgt für Erwachsene 15 Euro, für Studenten, Rentner und Erwerbslose 10 Euro sowie für Schüler 5 Euro.

Tickets sind nur an der Abendkasse erhältlich. Platzreservierungen für Schulen und Gruppen sind jedoch vorab per E-Mail an info@weilburg-erinnert.de möglich.

„Das Kind von Noah“

„Noah, das bist von jetzt an du“, sagt Pater Bims seinem Schützling Josef, dem siebenjährigen kleinen Jungen, der die Shoah auf dem Land in Belgien in einem Internat überlebt. Josef hat viele Fragen an die Religionen, an die Menschheit an sich. Die Geschichte erzählt anhand des Protagonisten die Auseinandersetzung mit seiner Identität. Die Vielfältigkeit der Lebensperspektiven und Werte des menschlichen Daseins formulieren sich in der Auseinandersetzung mit den drei Weltreligionen.

Der Autor Erik Emmanuel Schmitt hat mit einer Trilogie, hier der Dialog Christentum und Judentum, das Wesen des Menschenseins beschrieben. Die Regisseurin hat mit dem Ensemble eine Geschichte kreiert, die durch die klugen Fragen des kleinen Jungen den Zuschauer herausfordert, sein Denken zu reflektieren. Dabei geleiten die Gedanken wie ein Kaleidoskop von Szene zu Szene.

Die Vorstellungen beginnen am 4. November um 8.45 Uhr und 11.15 Uhr, der Einlass beginnt jeweils eine halbe Stunde vorher. Ein Einlass ist nur mit 3-G-Nachweis möglich (Geimpft/Getestet/Genesen; Schüler-Testheft ausreichend). Der Eintritt beträgt pro Person 3 Euro, pro Schulklasse ist eine Begleitperson frei.

Tickets sind vorab per E-Mail unter info@weilburg-erinnert.de zu bestellen. Die Platzvergabe erfolgt nach Eingang, so lange, bis die Ticketkapazitäten ausgeschöpft sind.

Die Theateraufführungen sind gefördert durch die Hessische Landeszentrale für politische Bildung und durch das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend im Rahmen des Bundesprogrammes „Demokratie leben!“ sowie zahlreichen heimischen Unternehmen und privaten Förderern.

Weitere Informationen sind auf der Homepage des Vereins unter www.weilburg-erinnert.de zu finden.

Wanderausstellung „Ich habe den Krieg verhindern wollen“

Vom 8. November bis 12. Dezember 2021 findet im ehemaligen Schlecker-Markt in der Neugasse 8 in Weilburg die Ausstellung zum Widerstandskämpfer Georg Elser. Am 8. November dieses Jahres jährt sich zum 82. Mal das Attentat des Schreinergesellen Georg Elser auf Adolf Hitler im Münchener Bürgerbräukeller am 8. November 1939. „Weilburg erinnert“ hat diesen Jahrestag zum Anlass genommen, die Ausstellung der Gedenkstätte Deutscher Widerstand in Berlin und der Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg „Ich habe den Krieg verhindern wollen“ – Georg Elser und das Attentat vom 8. November 1939 nach Weilburg zu holen.

Die Wanderausstellung „Ich habe den Krieg verhindern wollen – Georg Elser und das Attentat vom 8. November 1939“ ist ein Angebot der Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg, der Gedenkstätte Deutscher Widerstand, realisiert mit Förderung durch die Baden-Württemberg Stiftung. Am 8. November 1939 verübte der Schreiner Johann Georg Elser aus Königsbronn einen Bombenanschlag auf Adolf Hitler. Er wollte ihn töten, um ein „noch größeres Blutvergießen“ zu verhindern. Doch der Anschlag im Münchner Bürgerbräukeller verfehlte sein Ziel. Hitler verließ wenige Minuten vor der Explosion den Versammlungssaal. Georg Elser wurde noch am selben Tag verhaftet und nach nahezu sechsjähriger Isolationshaft am 9. April 1945 im Konzentrationslager Dachau ermordet.

Diese Wanderausstellung zeigt die politisch-moralische Motivation Elsers und seinen aktiven Widerstand gegen den Nationalsozialismus. Insgesamt 29 Ausstellungsfahnen stellen sein Leben, die Hintergründe zum Bombenanschlag sowie die anschließenden Vernehmungen durch die Gestapo dar. Die Wanderausstellung, die bis zum 12. Dezember 2021 in Weilburg zu sehen sein wird, stellt den Auftakt für das Fokusthema „Widerstand damals und heute“ dar, welches der Verein „Weilburg erinnert e. V.“ in der ersten Jahreshälfte 2022 stärker thematisieren wird.

Die offizielle Ausstellungseröffnung mit Vertretern der heimischen Politik findet am 8. November um 18:30 Uhr statt. Die Ausstellung ist freitags von 16 bis 20 Uhr sowie samstags und sonntags von 10 bis 16 Uhr geöffnet. Führungen für Schulklassen und Gruppen sind nach entsprechender Voranmeldung per E-Mail an info@weilburg-erinnert.de möglich. Dann wird die Ausstellung auch wochentags geöffnet.

 

Heike Lachnit

Ich bin freie Lokaljournalistin in der Region um Limburg. Auf HL-Journal schreibe ich über die Themen, die nicht immer in der Zeitung Platz haben oder die mir am Herzen liegen.

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